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Der langjährigen Zeitungszusteller Peter Lautenschlager erzählt von seiner Arbeit
Die Achtziger? Waren die nicht gerade erst? Tatsächlich liegen sie
schon eine ganze Generation zurück. 24 Jahre ist es jetzt her, dass
Peter Lautenschlager seinen ersten Moosacher Anzeiger ausgetragen hat.
Seit 1986 trägt der heute 39-Jährige die Stadtteilzeitung aus – mit
einer kurzen Unterbrechung. Der Job macht ihm Spaß, wie er erzählt.
Münchner Wochenanzeiger: Mit 15 haben Sie angefangen den Moosacher
Anzeiger zu verteilen. In diesem Alter verdienen sich viele junge
Leute etwas dazu. Ihre Berufs- und Lebensplanung hat es aber
ermöglicht, dass Sie den Job noch heute machen können.
Peter Lautenschlager: Während meiner Lehrzeit zum Offset-Drucker habe
ich drei Jahre Pause gemacht. Bis dahin hatte ich zweieinhalb Jahre
ausgetragen. Als ich dann fertig war mit der Lehre, wollte ich »einen
auf Musiker machen« – was mir jetzt auch gelungen ist – und damals
habe ich mein altes Gebiet wieder bekommen. In der Zwischenzeit hatte
ein Freund in dem Bereich ausgetragen. Und seitdem verteile ich den
Moosacher Anzeiger wieder, also seit knapp 20 Jahren.
Münchner Wochenanzeiger: Was ist am Austragen so besonders, dass Sie das seit so langer Zeit
machen?
Peter Lautenschlager: Man ist mittwochs sein eigener Chef. Ich kann
mir das alles gut einteilen, wie das für mich und die Zeitung am
besten ist.
Münchner Wochenanzeiger: Aber Sie haben doch Vorgaben vom Vertrieb?
Peter Lautenschlager: Ich muss die Zeitung sorgfältig austragen, das
ist ja eh klar. Aber bisher hat das immer alles gut zusammengepasst.
Da gibt es keine Schwierigkeiten. Eher mal beim Verteilen selbst. Es
gibt Gebiete, wo man klingeln muss, damit man zu den Briefkästen im
Treppenhaus kommt.
Münchner Wochenanzeiger: Haben Sie bei dieser Arbeit schon viele Leute kennengelernt?
Peter Lautenschlager: Ja, schon. Die meisten sind supernett. Die
freuen sich auf den Moosacher Anzeiger. Als echter Moosacher kenne ich
aber auch so schon viele Leute. Die älteren Leute, mit denen redet man
natürlich auch gern. Das muss schon sein.
Münchner Wochenanzeiger: Die Moosacher freuen sich auf ihren Anzeiger, haben Sie gesagt. Sie
tragen die Zeitung aus, ob es stürmt oder schneit?
Peter Lautenschlager: Das ist ja mein Job. Meistens ist das gar kein
Problem. Wenn wirklich ganz schlechtes Wetter ist, dann warte ich ein
wenig ab. Das dauert auch nicht lang. Es bringt ja niemandem was, wenn
ich nasse Zeitungen zustelle.
Münchner Wochenanzeiger: Und wie organisieren Sie sich bei der Zustellung?
Peter Lautenschlager: Ich habe jede Woche mehrere Hundert Zeitungen zu
verteilen. Die pack ich ins Auto und fahr in die einzelnen Bereiche
rein. Dann nehme ich 25 Anzeiger in den Rucksack, 25 auf den Arm und
dann geht’s an die Briefkästen. Das reicht für eine kleine Runde.
Den Weg durch meine Gebiete suche ich mir selbst zusammen. Mit der
Zeit bekommt man da eine optimale Runde hin.
Münchner Wochenanzeiger: Welche Eigenschaften sollte man denn mitbringen, wenn man die
Zeitungen austragen möchte?
Peter Lautenschlager: Du musst schon bewegungswütig sein, das muss dir
echt Spaß machen. Ich geh auch gern in die Berge oder fahr Mountainbike.
Münchner Wochenanzeiger: Und musikalisch sind Sie auch.
Peter Lautenschlager: Genau. Ich spiele in mehreren Bands Schlagzeug
und gebe Unterricht von Montag bis Samstag. Im Schnitt habe ich so
meine zwölf bis 15 Schüler in der Woche. Das lässt sich mit dem Job
als Austräger sehr gut vereinbaren. Da bleibt man auch auf dem
Teppich, wenn du mal auf einem größeren Open Air spielst.
Münchner Wochenanzeiger: In welchen Bands spielen Sie? Sind das bekanntere Namen?
Peter Lautenschlager: Ich spiele in einer AC/DC-Coverband, die heißt
»Overdose«. Die gibt’s jetzt schon seit über zehn Jahren. 2003 haben
wir mit dem ersten Sänger von AC/DC, Dave Evans, eine Tournee gemacht.
Das war natürlich schon mal ganz nett, aber mehr auch nicht.
Münchner Wochenanzeiger: Hat Sie schon mal jemand auf der Straße nach einem Autogramm gefragt?
Peter Lautenschlager: Nein, das ist noch nicht passiert (lacht).
Münchner Wochenanzeiger: Machen Sie sich als Austräger bewusst, dass Sie in dem ganzen Ablauf
auch ein unverzichtbarer Teil sind?
Peter Lautenschlager: Ich hab mir da noch nie Gedanken darüber
gemacht. Aber es ist natürlich klar, dass da viele Leute aktiv sein
müssen. Das geht ja im Verlag schon los. Früher war das ein kleiner
Familienbetrieb und heute ist das ein richtig großes Unternehmen, das
auch deutschlandweit arbeitet.
Münchner Wochenanzeiger: Und Sie möchten noch lange als Austräger dazugehören?
Peter Lautenschlager: Ja, schon. Es macht Spaß, bringt Geld und hält
fit, also: warum nicht?
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