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6 www.wochenanzeiger.de · Mittwoch, 16. Oktober 2024 Heimatverbunden un Eine gute Idee legte den Grundstein MÜNCHEN(job) · Eswar einmal … eine kleine Druckerei im Erdgeschoss des Hauses Bergmannstraße 13. Damals, kurz nach dem Ersten Weltkrieg, war hier im Westend die Stadt tatsächlich schon zu Ende. Wo alles begann In dem kleinen Betrieb am Stadtrand wurden Visitenkarten, Speisekarten für die Wirtschaften und Hotels im Viertel gedruckt. Schließlich ließ auch die Pfarrei St. Benedikt hier ihre »Pfarrnachrichten« mit den Gottesdienstterminen drucken und in der Nachbarschaft verteilen. Viel zahlen wollte der Pfarrer dafür indes nicht. Weil mit Gotteslohn allein aber weder Papier noch Druckerschwärze und erst recht keine Gehälter für Angestellte bezahlt werden können, sprach der Drucker, Heinrich Fahrner, in den Kneipen und Wirtshäusern ringsum vor, damit diese für ein paar Mark inserierten und so die Pfarrnachrichten trugen. Diese Idee wurde zu einem durchschlagenden Erfolg: Das Geschäft lief bald so gut, dass Fahrner sein kleines Blatt im ganzen Viertel verteilen konnte – nicht mehr nur mit Kirchenterminen, sondern auch mit Geburts- und Todesanzeigen, Apothekendiensten und Veranstaltungshinweisen. Wenig später, 1927, wurden in der Gollierstraße die »Merkur-Lichtspielen« eröffnet und von da an prangten oft große Kinoanzeigen auf dem Titel des »Westend-Anzeigers«. Begleiter ins Wirtschaftswunder Heute gehört der WestendAnzeiger zur großen Familie der Münchner Wochenanzeiger, die mit einer wöchentlich erscheinenden Gesamtauflage von mehr als 1,5 Millionen Exemplaren die Menschen in ganz München und den umliegenden Landkreisen über all das informieren, was in ihren Nachbarschaften, Stadtvierteln und Gemeinden wichtig ist. Mehr als 30 lokal zugeschnittene Ausgaben haben sich bis heute zum Westend-Anzeiger dazugesellt. Dessen älteste Ausgabe stammt aus dem Jahr 1924. Damit gilt der Westend-Anzeiger als eines der ältesten Anzeigenblätter in Deutschland, die bis heute erscheinen (nur der »Trifels Kurier« ist noch älter, er war allerdings nicht immer eine kostenlose Wochenzeitung). Alle anderen Titel der Münchner Wochenanzeiger wurden Ende der 40er- bzw. Anfang der 50er-Jahre von engagierten Verlegern gegründet: es entstanden Unternehmen, die rasch wuchsen, doch immer in Familienhand blieben: 1948 rief Georg Fürst den Sendlinger Anzeiger ins Leben, 1950 die Familie Ullrich den Werbe-Spiegel und Franz Eichmann die Münchener Nord-Rundschau. Andere taten es ihnen gleich: Zeitweise gab es mehr als ein Dutzend Anzeigenblattverlage in München. Und wieder trug das Erfolgsrezept: aktuelle Informationen direkt aus dem vertrauten Umfeld in der Nachbarschaft verteilen. So wurden die Anzeiger – alles Familienbetriebe – zum wichtigen Wegbereiter in die Wirtschaftswunder-Jahre. Herausforderungen werden angenommen Anfang der 60er-Jahre waren Anzeigenblätter für die Verbraucher eine der wichtigsten Informationsquellen, denn andere Medien als ganz lokale Werbeträger waren längst nicht so verbreitet. Privat-Radio, geschweige denn PrivatFernsehen oder Internet gab es noch nicht. Konkurrenzpotential wie der BildschirmText verpufften rasch. Neben den Tageszeitungen erlebten die Anzeigenzeitungen eine Zeit, in der ihr Marktpotenzial unangefochten war. Die Verleger der Anzeigenzeitungen bauten die Kundenakquise aus – sowohl im lokalen Bereich als auch bei den überregionalen Unternehmen. 1971 sorgte dann der Bundesgerichtshof mit seinem »Stuttgarter Urteil« für mehr redaktionelle Möglichkeiten und bestätigte das »Recht der Bürger auf unentgeltliche Informationen sowohl redaktioneller als auch werblicher Art«. Damit waren die Anzeigenblätter endlich frei, redaktionelle Beiträge zu veröffentlichen. Ein starker Verbund entsteht In den 80er-Jahren vernetzten sich die verschiedenen Familienbetriebe immer mehr: Deutschlandweit wurde der Bundesverband der DeutHier fing alles an: Die Kirche St. Benedikt (heute an der Schrenkstraße) wurde 1880 geweiht. 1923 wurde die Pfarrei selbständig. Im Jahr darauf begann die 100-jährige Geschichte des Westend-Anzeigers mit Nachrichten aus dieser Pfarrei. Foto: gemeinfrei Geschäftsanzeigen, Vereinsnachrichten, Gelegenheitsanzeigen, Kleinanzeigen und vorne drauf der aktuelle Kinofilm (Weihnachten 1950 war »Bitterer Reis« mit Silvana Mangano die Sensation – und ist heute ein Klassiker): In den 50er Jahren fand man im »Inseratenblatt« alles, was in der Nachbarschaft wichtig ist. Auch das ist noch immer so. Foto:WSP Die 1920er-Jahre 1920 1921 1922 1923 1924 1925 1926 1927 1928 1929 Beim Gautschen wird der Schriftsetzerlehrling nach bestandener Abschlussprüfung von seinen Kollegen in einen Bottich Wasser getaucht. Hier erlebt Adam Jürgen Bergmaier, der spätere Verleger der Münchner Wochenanzeiger und BVDA-Vizepräsident, den viele Jahrhunderte alten Brauch. Foto:MNR

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