Munich Cowboys und München Rangers haben einen Exoten-Status – und trotzdem ihre Fans

München · Warum München auch eine Football-Stadt ist

American Football erlaubt beim Kampf um den Ball körperlichen Einsatz – im Gegensatz zu den meisten anderen Ballsportarten.	Foto: Peter Roth

American Football erlaubt beim Kampf um den Ball körperlichen Einsatz – im Gegensatz zu den meisten anderen Ballsportarten. Foto: Peter Roth

München · Die Sportanlage des SV Gartenstadt Trudering sah am Samstag auf den ersten Blick ganz normal aus. Doch wer genauer hinschaute, konnte an den Toren auf den drei Fußballplätzen erkennen, dass die Pfosten um mehrere Meter nach oben verlängert worden waren. Auf dem Rasen ging es ziemlich ruppig zu – und die Akteure trugen den Ball mit der Hand.

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Die München Colmcilles, einziger Gaelic Football-Verein in Deutschland, richtete das »pan European tournament« aus. In Reihen der Colmcilles spielen zwei Bulgaren, ein Australier – und Iren, die ganze 90 Prozent des Kaders ausmachen. In Deutschland ist der irische Nationalsport kaum bekannt und schon gar nicht beliebt.

Beim American Football sieht das anders aus. Die Munich Cowboys, das »Grand Old Team of the South«, dürfen zu ihren Heimspielen in der German Football League in der Regel mehr als 1.000 Zuschauer begrüßen. Gaelic Football oder andere britische Sportarten wie Rugby ziehen oft nicht mehr als hundert Menschen an. Die Frage ist: Warum ist die amerikanische Football-Variante so viel populärer als seine britischen Ahnen? Dirk Mackedanz, Sprecher der Munich Cowboys, vermutet, dass das Engagement amerikanischer Profi-Klubs in Europa den Ausschlag gegeben hat: »Die Amerikaner haben viel Geld in die NFL Europe gesteckt und haben es dadurch geschafft, viele Zuschauer anzulocken. So ist American Football in den Köpfen hängengeblieben.« Da verwundert es auch nicht, dass die American Football-Szene in und um München durchaus ausgeprägt ist. Neben den Cowboys gibt es direkt in der Landeshauptstadt auch die München Rangers. Außerdem aktiv: Teams aus Fürs­tenfeldbruck, Starnberg, Erding und Starnberg.

Die München Rangers tauchten in diesem Jahr ein wenig aus der Versenkung auf. In der Bayernliga ist ihnen der zweite Platz hinter Fürstenfeldbruck nicht mehr zu nehmen. Zu verdanken haben sie den Aufschwung vor allem Präsident Michael Arzberger. Seit seinem Amtsantritt wurde auch der Kontakt zu den Cowboys wieder intensiviert. »Seit Werner L. Maier (Präsident der Cowboys; d. Red.) und ich uns kennen, gehen die beiden Vereine quasi Hand in Hand«, sagt Arzberger. Seit dieser Spielzeit laufen die Rangers auch wieder im Football-Dom, dem Dante­stadion, auf.

Der Austausch zwischen den beiden Klubs funktioniert reibungslos. »Wir probieren uns zu unterstützen, wo es geht«, sagt Michael Arzberger, »es ist ganz wichtig, sich gegenseitig darzustellen, zum Beispiel in den Stadionzeitungen.« Denn eine echte Konkurrenzsituation ist nicht vorhanden, spielen die Cowboys doch in der höchsten, die Rangers nur in der vierten Spielklasse Deutschlands. In der laufenden Saison nutzten die Rangers auch bereits Equipment der Cowboys, wie Dirk Mackedanz anmerkt.

Einen festen Austausch an Spielern gibt es zwischen den Vereinen nicht, wechselwilligen Akteuren werden aber keine Steine in den Weg gelegt. »Wenn sich jemand in der ersten Liga versuchen will, kann er das bei den Cowboys tun«, erläutert Arzberger, »wenn er aber merkt, dass er dort kaum zum Einsatz kommt, dann ist es oft gescheiter, in die Bayernliga zu gehen, um dort möglicherweise in der Start­elf zu stehen.«

Dass das Verhältnis zwischen den beiden Münchner Football-Teams weiterhin so hervorragend bleibt, davon ist auszugehen. Zwar streben die München Rangers baldmöglichst den Aufstieg in eine höhere Liga an. Doch bis man irgendwann auch in der GFL spielen könnte, würden noch Jahre verstreichen. Und eines ist sicher. Trotz der Gemeinsamkeit mit britischen Sportarten wie Rugby, einen »Exoten-Status« (Dirk Mackedanz) zu haben, genießen die Münchner American Football-Teams quasi einen Sonderstatus, der so schnell mit Sicherheit nicht fallen wird.

Jan Lüdeke

Artikel vom 29.07.2009
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