Frage nach dem »Wie«

Konzept für Wohnbauprojekt am S-Bahnhof Feldmoching vorgestellt

Die Architekten stellten ihren Entwurf für das neue Wohngebiet vor. Sie arbeiten dabei mit offenen Formen, den Polygonen.	Foto: ch

Die Architekten stellten ihren Entwurf für das neue Wohngebiet vor. Sie arbeiten dabei mit offenen Formen, den Polygonen. Foto: ch

Feldmoching/Hasenbergl · München wächst und damit natürlich auch seine Stadtteile. Dass in Feldmoching weiter gebaut wird, ist seinen Bewohnern längst klar. »Wir kommen nicht drumherum, dass das Gebiet gebaut wird, aber wenn, dann soll das auch sinnvoll sein«, sagte Markus Auerbach, Vorsitzender des Bezirksausschusses (BA) 24 Feldmoching-Hasenbergl.

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Doch genau das »Wie« wirft hier noch so einige Fragen auf. Deutlich wurde dies kürzlich bei der Informationsveranstaltung zur Wohnbauentwicklung am S- und U-Bahnhof Feldmoching, zu der mehr als 100 Interessierte und Bewohner in die Stadtteilbibliothek im Kulturzentrum 2411 gekommen waren. Im Gepäck dabei hatten diese für die Vertreter des Planungsreferats der Landeshauptstadt und die Architekten eine Menge Fragen, Anregungen – und auch so manche Bedenken.

Zum Hintergrund des Projektes

Die Landeshauptstadt und das Immobilienunternehmen CA Immo überplanen das rund 14 Hektar große Wettbewerbsareal entlang der Ratoldstraße. Darauf sollen etwa 900 Wohneinheiten und eine soziale Infrastruktur – u.a. Kindertagesstätten und Geschäfte – entstehen. In die Planung sollten die Bewohner des Stadtteils von Anfang an mit eingebunden werden. So gab es beispielsweise einen Stadtspaziergang sowie einen Workshop, bei denen diese Anregungen und Wünsche für das neue Gebiet einbringen konnten.

In einem Wettbewerb, an dem sich elf Architektenbüros beteiligt hatten, wurde dann der beste Entwurf ausgewählt. Wichtige Kriterien dabei waren u.a. der Lärmschutz, denn das Wohngebiet führt an der Bahnstrecke entlang. Weitere Kriterien waren eine verträgliche Höhenentwicklung sowie der Erhalt des wertvollen Baubestands und Auswirkungen auf den Straßenverkehr im Viertel. Zudem solle eine Vernetzung der Nachbarschaft stattfinden. Der Entwurf solle etwas besonderes haben, dass nicht austauschbar ist, sagte Stefan Ondracek von der CA Immo.

Dies habe man beim Entwurf des Münchner Büros »03 Architekten« gefunden. Diese arbeiten mit einer offenen Form, den Polygonen. Die Häuser schmiegen sich so ineinander. Diese Polygonform habe die Vorteile, dass es eine schallabgewandte Seite gibt und man zudem eine Verknüpfung zum bisherigen Gebiet schaffe, erklärte Architekt Andreas Garkisch vom Gewinnerbüro. Das neue Gebiet solle sich einschmiegen ins Gebiet drumherum mit Einfamilienhäusern und Blockbau. Weiterhin geplant ist ein neues Zentrum.

Auf Unmut vieler Anwesender stieß dabei die Idee eines Hochpunktes in Form eines 14-stöckigen Turmes auf Höhe des Bahnhofes. Ein solcher Hochpunkt sei wichtig für die Akzentuierung des Zentrums, so Garkisch. Und die Höhe orientiere sich an den Geschossen gegenüber. Alle Höhen gebe es bereits in Feldmoching. Damit meint er die Hochhäuser in der Siedlung am Feldmochinger Anger. Ein weiteres Hochhaus wolle man im Viertel nicht. Das spiegelten viele Kommentare aus dem Publikum wieder.

Unklar sei bislang auch die Nutzung des Hochhauses, denkbar sei hier eine Wohnbebauung, so der Architekt weiter. »Kann man das Hochhaus nicht wegnehmen«, wollte eine Anwesende schließlich wissen. Garkisch: Man werde das prüfen, aber das Hochhaus mache nicht das Wesentliche des Entwurfs aus.

Auf Kritik stieß auch die verkehrstechnische Lage und das Parkkonzept fürs Wohngebiet. »Der Verkehr hat im Viertel so stark zugenommen. Wo sollen die neuen Bewohner parken«, wollte ein Zuhörer wissen.

Hierbei ständen – für 900 Wohneinheiten – nämlich nur eine Tiefgarage und ein paar Besucherparkplätze entlang der Ratoldstraße zur Verfügung. »Zu wenig«, monierten die Anwesenden. Man müsse sich davon verabschieden, das Auto direkt vor der Tür stehen zu haben, erwiderte die Stadträtin Heide Rieke (SPD), die selbst in der Jury saß, die die Entwürfe ausgewertet hatte.

Neben der Tiefgarage wolle man die bestehende P+R-Anlage erweitern. Und bei 900 Wohneinheiten gehe man davon aus, dass viele den Öffentlichen-Personen- Nahverkehr (ÖPNV) nutzen, sagten die Planer.

»Wie viel Verkehr verkraftet das Viertel?«

Doch auch der ÖPNV sei am Limit, monierte eine Zuhörerin. »Wir zäumen das Pferd von hinten auf«, sagte ein weiterer Anwesender. Erst baue man die Wohnungen und dann schaue man, wie man den Verkehr unterbekommt. Die Frage danach, wie viel Neubesiedelung ein Viertel verkraftet, müsse am Anfang stehen. Die maximale Auslastung der Straße habe jedenfalls nichts mit Wohnqualität zu tun, ergänzte er. Die Straßennetze seien noch relativ aufnahmefähig, sagte der Verkehrsplaner Robert Adam. »Es funktioniert noch einigermaßen.«

Und wenn der geplante Tunnelanschluss der Schleißheimer Straße an die A 99 über die Dülferstraße erfolgt, könnte Feldmoching davon ein bisschen profitieren, so Adam. Wie geht es nun mit dem Wohnbauprojekt weiter? Als nächstes soll ein Rahmenplan entstehen.

Anschließend wird ein Bebauungsverfahren eröffnet. Voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2017 soll dann auch wieder die Öffentlichkeit beteiligt werden.
Christine Henze

Artikel vom 06.12.2016
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