»Gerade für die Kleinunternehmer sind die Räumlichkeiten extrem wichtig, da sie sich normale Ladenmieten nicht leisten könnten«, sagt Adelheid Dietz-Will, Vorsitzende des Bezirksausschusses Au-Haidhausen (BA 5).
Aber nicht nur um die Existenz der Kleinunternehmer sorgt sich die BA-Chefin, sondern auch um den »gesamten Charakter der Schloßstraße«. Sie befürchtet, dass der geplante Neubau das seit mehr als 100 Jahren bestehende Straßenbild zerstört, das ehemalige Tröpferlbad als dominierendes Bauwerk verloren geht und die Sichtachse bis zur Kirche St. Johann Baptist versperrt wird. Als besonders problematisch sieht der BA die geplante Baulinie an. Teile des Grünstreifens, der aktuell den Gehweg säumt, würden bebaut so die Befürchtung der Stadtteilpolitiker. Momentan läuft der Vorbescheidsantrag, in dem die SWM einen Neubau mit Tiefgarage anzeigen.
Geprüft wird, wie sich dieses Areal weiterentwickeln lässt. Sowohl Wohnnutzung als auch Gewerbe, Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel oder Kindertagesstätten werden untersucht. »Noch befinden wir uns mitten im Verfahren daher kann man noch keine konkreten Aussagen über die spätere Nutzung machen«, sagt der Sprecher des Planungsreferats, Thorsten Vogel.
Dass der Abriss genehmigt wird, scheint jedoch sicher. Schließlich ist der Gebäudeteil entlang der Schloßstraße, anders als das Haupthaus an der Einsteinstraße, nicht denkmalgeschützt. Denn die historisch anmutenden Bauten an der Schloßstraße wurden während des Zweiten Weltkriegs total zerstört und in den 50er-Jahren wieder aufgebaut. Trotzdem will sich der BA weiter für den Erhalt einsetzen, schließlich stehe die gesamte Straße unter Ensembleschutz. Dieser Tatsache wollen die SWM auch gerecht werden. Bettina Hess, SWM Pressesprecherin, versichert: »Neben der wirtschaftlichen Nutzung richten die SWM ihr Augenmerk auch auf eine gute Einbindung des Neubaus in die Umgebung, insbesondere auf die Beibehaltung der bestehenden Sichtachse auf das Tröpferlbad«.
Den Mietern der Schloßstraße wollen die SWM entsprechende Alternativangebote anbieten. Gleichzeitig weisen sie jedoch auch darauf hin, dass die derzeitige Mietnutzung »einen zeitlich befristeten Charakter« hat darauf habe man die Mieter auch mehrfach hingewiesen. Dennoch ist Arne Krüger, der eine kleine Agentur in den Räumlichkeiten des Hauses in der Schloßstraße betreibt, geschockt. »Das Haus wird zwar bereits seit langem immer wieder von potentiellen Käufern besichtigt, aber so recht wahr haben wollte es keiner, dass wir womöglich bald hier raus müssen.«
Dietz-Will befürchtet hingegen, dass Zug um Zug die Pluralität und damit auch die Identität des Stadtteils verloren geht. »Deshalb werden wir uns weiter für den Erhalt des Gebäudes stark machen.« Andrea Koller