Der klassische Schlager ist tot, begraben im Mai diesen Jahres auf dem Eurovision Song Contest von der finnischen Hard Rock-Band Lordi. Denn statt sich wie die restlichen Interpreten mit Rüschenrock und Federboa zu schmücken, setzten die Musiker Monster-Masken auf. Statt melodiöse Gassenhauer zu singen, brüllten sie ein herzhaftes Hard Rock Hallelujah.
Und waren damit unterhaltsamer als Ralph Siegels komplettes Lebenswerk und auch erfolgreicher: Jedenfalls dürfte in der Geschichte des Eurovision Song Contests noch kein Act gewonnen haben, der so wenig Fleisch wie Lordi zeigte. Keiner, der sich so dermaßen abseits jeder Schlagertümelei bewegt hat. Wer aber steckt hinter diesen Horror-Masken?
Hinter der des Frontmanns Tomi Putaansuu jedenfalls soll sich der rotäugige Overlord und Hulk of Hell verbergen, wie er auf der Lordi-Homepage schreibt. In ernsthafteren Interviews erzählt er, der im wahren Leben lange, schwarze Haare und eine modische Brille tragen soll, dass er mit dem Projekt Lordi seinen Kindheitstraum verwirklicht hat. Die Tatsache, dass er niemals ohne Maske vor eine Kamera treten würde, erklärt er damit, dass er eine ähnliche Verantwortung wie der Weihnachtsmann habe: Der nehme seine Maske nämlich auch nicht einfach ab und sagt zu seinen Kindern: Ich bins, Papa!
Seit 2002 sind Lordi im Showbiz tätig damals erschien ihr Debüt Get Heavy, das sie sogleich zu skandinavischen Spitzenstars machte. Die Single Would You Love a Monsterman stürmte bis an die Spitze der finnischen Charts. Und spätestens mit der zweiten Auskopplung Devil Is a Loser machten sie klar, dass sie keine Friedhof schändenden Satanisten sind, sondern satirische Spaßvögel, die gerne mit Klischees spielen. Am Montag, 2. Oktober, präsentieren sie ab 20 Uhr ihr neues Werk The Arockalypse in der Elserhalle. Und machen dabei garantiert ein Höllenspektakel mit atemberaubender Pyrotechnik und Monstergebrüll. Hallelujah!
Von Nadine Nöhmaier