Veröffentlicht am 13.10.2005 00:00

Moosach · Lebendige Tradition bis heute

Bis 1866 wurde in Bayern in Städten und Dörfern Kirchweih noch gefeiert, wie es gefallen ist: jedes Jahr am Datum der Weihe, in der Regel am Sonntag vor- oder nachher. Und eben nicht nur am Sonntag, sondern auch schon mal bis Mittwoch. Nichts anderes meint die altbayerische Redensart vom Kirta: »A gscheiter Kirta dauert bis zum Irta – und es kunnt se schicka, a dirnmal bis zum Migga.«

Und da die Bevölkerung auch die Kirchweihfeste der Nachbarorte mitgefeiert hat, ist das der Obrigkeit dann zuviel geworden: die Dorfkirchweih wurde abgeschafft, bisweilen gar verboten. Dafür gab es noch die zentral angeordnete, einheitliche Feier am dritten Sonntag im Oktober.

Theologische Gründe für diesen Kahlschlag in der Feiertagskultur im 19. Jahrhundert gibt es keine.

Wenn die rot-weiße Fahne an diesem Tag von allen Kirchtürmen flattert, ist ein schöner Feiertag im Lauf des Kirchenjahres gekommen, die zum Herbst gehört. Ganz zu schweigen von dem süßen Schmalzgebäck, das es an diesem Tag traditionell gibt, den »Kiarcherln« oder »Auszognen«.

Die Fahne übrigens wird »Zachäus-Fahne« genannt, in Erinnerung an den Zöllner Zachäus, der, wie im Festevangelium verkündet, extra auf einen Baum gestiegen war, um den vorübergehenden Jesus zu sehen.

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