Maler für »echte Milbertshofener« gesucht

Milbertshofen · Die »Galerie« kommt

Die Münchnerin und Milbertshofenerin Irene Schlagenhaufer, gemalt von Ursula Leinfelder. 	Bild: VA

Die Münchnerin und Milbertshofenerin Irene Schlagenhaufer, gemalt von Ursula Leinfelder. Bild: VA

Milbertshofen · Erinnern Sie sich noch an unseren Aufruf für die »Galerie der echten Milbertshofener«? Ihre Reaktionen waren überwältigend, und so gilt es nun, die Geschichten der ausgesuchten Milbertshofener aufzuschreiben, ihre Porträts zu malen. Wer sich an letzterem beteiligen möchte, kann am 6., 7. und 8. Februar bei einem eigens dafür eingerichteten Malkurs der Künstlerin Florentine Kotter mitmachen – für eine Kostenbeteiligung von 20 Euro.

Weitere Informationen gibt es direkt beim Kulturhaus. Um die Vorfreude auf die »Galerie der echten Milbertshofener« zu steigern, druckt die Münchener Nord-Rundschau bis zu deren Eröffnung Geschichten von Milbertshofenern ab, die bereits in der »Galerie der echten Münchner« zu finden sind – heute die von Irene Schlagenhaufer, die Carolin Müller aufgezeichnet hat: »Im Alter von 14 Jahren kommt Irene Schlagenhaufer als Haushaltshilfe in die Großstadt. Heuer feiert die temperamentvolle Frau 50 Jahre München. ›Dieses Jahr gibt es ein Gartenfest‹, sagt Irene Schlagenhaufer voll Tatendrang, als sie mit ihrem Mann Josef beim Kaffee im Wintergarten ihres Hauses in Milberts-hofen sitzt. Schließlich hat die gebürtige Eichstätterin dieses Jahr ihr 50-jähriges München-Jubiläum.

Mit 14 Jahren brachte sie ihr Münchner Onkel als Hausmädchen bei der Familie Sternecker unter. Die Sterneckers betrieben damals ein Kohlengeschäft in der Schleißheimer Straße und eine Landwirtschaft, dort wo sich heute der Euro-Industriepark mit seinen Hypermärkten, Elektrohallen und Möbellagern erstreckt. Das Ehepaar hatte das eigene Kind verloren, so wurde die junge Irene eine Art Ziehtochter. Heute sitzen die alten Sterneckers nebeneinander auf einer Bank im Garten des Milbertshofener Doppelhauses, in dem sie zusammen mit den Schlagenhaufers wohnen. Im ehemaligen Kohlenlager von ›Opa‹ Sternecker an der Schleißheimer Straße betreibt heute der Schwiegersohn der Schlagenhaufers ein Musikgeschäft mit Bill-Haley-Museum. In München will Irene Schlagenhaufer bleiben, ›bis’ mich in’d Kistn nei schmeiß’n‹.

Wenn sie mit lebhafter Stimme aus ihrem Leben erzählt, sprudeln die Erinnerungen nur so aus ihr heraus. Schüchtern war sie wohl nie, und auch die Arbeit hat sie nicht gescheut. Schon als Kind, noch in Eichstätt, packte sie immer irgendwo mit an, sei es nun beim Bau eines Schweinestalls für die Frommen Schwestern, deren Schule sie besuchte, oder als ›Begleitschutz‹ für ihre ältere Schwester, die in einer Schneiderei lernte und nach Feierabend noch die Kleidungsstücke zu den Kunden tragen musste. ›Ich hatte keine Angst‹, sagt sie mit Nachdruck, und dann erzählt sie von einem München, das es so heute nicht mehr gibt: von den Tanzsälen, Cafés und Wirtschaften, die sie immer leidenschaftlich gern besucht hat, wie den Tattersall in Schwabing, das Café Stadt Wien und den früheren Mathäser im Hauptbahnhofsviertel oder das Apollo mit seinen Tischtelefonen in der Dachauer Straße. ›Wenn sich wo was rührt, bin ich überall dabei‹, schmunzelt die heute 63-jährige. Ihren Mann Josef lernte sie vor 43 Jahren im Augustiner an der Arnulfstraße kennen. Sie tanzten den ganzen Abend miteinander, und am nächsten Tag stand er vor ihrer Tür, in einem Nadelstreifenanzug ›mit einer Bügelfalte, da kanntst a Brot schneidn‹, erinnert sie sich lachend.

Obwohl ihr Mann als Maurermeister immer gut im Baugeschäft war, hat sie ihr Leben lang als Büglerin gearbeitet. Erst im April 2007 ist sie in Rente gegangen und kann jetzt endlich all das tun, wozu früher keine Zeit war. ›40 Jahre lang habe ich es nicht zum Kocherlball geschafft, aber seit ein paar Jahren gehe ich hin.‹«

Artikel vom 21.01.2009
Auf Facebook teilen / empfehlen Whatsapp

Weiterlesen





Wochenanzeiger München
 
Kleinanzeigen München
 
Zeitungen online lesen
z. B. Samstagsblatt, Münchener Nord-Rundschau, Schwabinger-Seiten, Südost-Kurier, Moosacher Anzeiger, TSV 1860, ...