Neue Ausstellung in der Monacensia: »SportsGeist. Dichter in Bewegung«

Bogenhausen · Hirnschmalz in den Beinen

Dr. Elisabeth Tworek und Dr. Michael Ott konzipierten die neue Monacensia-Ausstellung, in der auch die Autorin Erika Mann als begeisterte Rennfahrer-Amazone zu sehen ist. Foto: Fotos: Monacensia. Literaturarchiv und Bibliothek, München

Dr. Elisabeth Tworek und Dr. Michael Ott konzipierten die neue Monacensia-Ausstellung, in der auch die Autorin Erika Mann als begeisterte Rennfahrer-Amazone zu sehen ist. Foto: Fotos: Monacensia. Literaturarchiv und Bibliothek, München

Bogenhausen · Aus dem Munde eines Sportlers, etwa eines italienischen Abwehreisenfußes, erwartet man keine geistvollen Betrachtungen über das, was er so tut. Und nein, auch die Analysen von Netzer und Delling sind nicht wirklich hohe Kunst. Doch, dass Sport und schöne Sprache sich nicht ausschließen müssen und Körperertüchtigung nicht per se das Feld von Dumpflingen ist, die ’s halt mehr in den Beinen oder in den Armen haben als im Hirn, mit diesen Klischees will die neue Ausstellung im Münchner Literaturarchiv Monacensia aufräumen.

»SportsGeist. Dichter in Bewegung« untersucht in der Maria-Theresia-Straße 23 seit heute die Wechselbeziehung zwischen Sport und Literatur, und wie sich sportbegeisterte Schriftsteller damit in ihren Texten auseinandersetzten.

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Sport zu einem Massenphänomen: In seiner Dynamik schien sich ein neues Lebensgefühl zu konzentrieren, er befreite die Körper von einengenden Konventionen und versprach Spannung in spektakulären Wettkämpfen. Der Sport wurde zu einem Kult des Körpers, der von der Mode bis zur Sprache alles durchdrang; und auch Intellektuelle und Schriftsteller ließen sich davon faszinieren und begannen, sich in ihren Texten damit auseinander zu setzen. Viele Literaten waren selbst begeisterte Sportler. Robert Musil liebte Tennisspielen und Schwimmen, Albert Camus und Vladimir Nabokov waren Fußballtorhüter, Hermann Hesse fuhr ebenso leidenschaftlich gern Ski wie Henry Miller Rennrad und Erika Mann Autorennen. Die Ausstellung »SportsGeist. Dichter in Bewegung« versammelt Dokumente dieser Leidenschaft und der intellektuellen Auseinandersetzung mit dem Sport im 20. Jahrhundert – der Schwerpunkt liegt auf privaten Fotos, auf denen sich die berühmten »Schreibtischtäter« recht sportlich präsentieren.

Gruppiert um verschiedene Schauplätze und Mythen des Sports – vom Kult der Geschwindigkeit über die einsamen Heldentaten des Alpinismus bis zu den Kämpfen in Stadien und im Sportpalast – veranschaulichen diese Zeugnisse die ganze Vielfalt des Sports als Erfahrung der modernen Welt. Im Zentrum stehen Fotografien von Schriftstellerinnen und Schriftstellern beim Sport. Zusammen mit hintersinnigen wie überraschenden Zitaten jenseits der sattsam bekannten »Der Ball ist rund«-Poesie und Originaldokumenten aus Essays, Gedichten, Romanen und Dramen – teilweise bisher unveröffentlicht – soll ein neuer Blick auf das Verhältnis von Sport und Geist entstehen. »Nicht zu theorielastig« soll die Ausstellung sein, sondern auch nicht eingefleischte Literaturfans möglicherweise zum Lesen verführen, wie Dr. Michael Ott betont, der die Ausstellung mit Dr. Elisabeth Tworek konzipiert hat.

Die Monacensia-Leiterin hatte vor zwei Jahren die Idee dazu. Beide sind zwar Literaturwissenschaftler, erfüllen aber selbst auch nicht das Klischee des sportfeindlichen Intellektuellen. Tworek wollte eigentlich Sport studieren und hat in der Handballbezirksliga gespielt. Ott war ebenfalls Handballer und klettert jetzt begeistert in den Alpen. Trotz des ganzen Wirbels um die FIFA Fußballweltmeisterschaft 2006, so Ott, geht es in der Monacensia-Ausstellung aber nicht nur um das eine – auch wenn der italienische Schriftsteller Pier Paolo Pasolini bereits vor Jahrzehnten ahnte: »Der Fußball ist die letzte heilige Darbietung unserer Zeit.« Die Ausstellung »SportsGeist« ist bis 29. September zu sehen, der Eintritt ist frei. Michaela Schmid

Artikel vom 28.03.2006
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