Zurzeit ist unsere Stadt im Kino zu sehen

München als Movie-Star

Spielbergs Film heißt zwar „München“, spielt aber an anderen Schauplätzen. Foto: Uip

Spielbergs Film heißt zwar „München“, spielt aber an anderen Schauplätzen. Foto: Uip

München zeigt sich momentan von der telegenen Seite: Etliche Filme mit München-Bezug, flimmern derzeit erfolgreich über Großleinwände in der ganzen Welt. Die prominentesten Beispiele sind der frisch in den Kinos angelaufene Spielberg-Thriller „München“ oder der soeben für den Oscar nominierte Film „Sophie Scholl“.

Und selbst Oberbürgermeister Christian Ude gibt seine Stimme nicht nur im Rathaus, sondern auch in Kinosälen ab: Als Synchronsprecher eines Truthahns im Disney-Zeichentrick-Streifen „Himmel und Huhn“.

Sicherlich der prominenteste Streifen ist Steven Spielbergs „München“, wobei der Titel irreführend ist: Die Stadt ist zwar Namensgeber des Films, gedreht wurde hier allerdings keine einzige Szene. Ausgangspunkt des Ganzen ist das jähe und tragische Ende der „heiteren“ Olympischen Spiele im Jahr 1972; dessen Folgen allerdings sind das eigentliche Thema des Films. Elf israelische Athleten wurden damals durch palästinensische Terroristen der Gruppe „Schwarzer September“ entführt. Ein allzu dilettantischer Befreiungsversuch der bayerischen Polizei endete mit einem Blutbad auf dem Fürstenfeldbrucker Flughafen.

Von hier an sinniert Spielberg letztlich über Sinn und Unsinn von Rache – teils auf Basis wahrer Begebenheiten, teils fiktional. Kritiker werfen dem Hollywood-Regisseur vor, keine Interviews mit den Angehörigen der Geiseln geführt zu haben; er habe zudem Israel ans Kino verraten, weil er aus Sicht der Palästinenser filmte.

Andererseits: Es ging Spielberg nicht um eine genaue Rekonstruktion der Ereignisse, vielmehr wollte er darstellen, dass „München“ als Symbol für die Geburtsstunde des international operierenden Terrors und dessen Folge – Gegenterror – steht.

Für die Stadt München wäre es vermutlich angenehmer, der Film würde anders heißen: Am Ende nämlich könnte es sein, dass wir im Ausland bald nicht mehr die Stadt sind, in der das Oktoberfest steigt, sondern „the City from the Spielberg-Movie“. Schauen wir mal.

„Sophie Scholl – Die letzten Tage“ vom Münchner Regisseur Marc Rothemund ist zwar schon knapp ein Jahr im Kino zu sehen (noch auf der Leinwand im Neuen Rottmann Donnerstag bis Sonntag um 18 Uhr) – jetzt aber wurde der Film ins Rennen um den Oscar für den besten fremdsprachigen Film geschickt. Rothemund stellt in seinem Werk die letzten sechs Tage der Münchner Studentin Sophie Scholl dar, dem jüngsten Mitglied der Widerstandsgruppe „Die Weiße Rose”. Bis sie am 22. Februar 1943 hingerichtet wurde, wurde sie die sechs Tage nach ihrer Verhaftung fast pausenlos von der Gestapo verhört. Das Drehbuch entstand aufgrund dieser Verhörprotokolle, die bis vor kurzem in DDR-Archiven unter Verschluss waren. Rothemund sagte, er sei „glückstrunken” über die Oscar-Chancen seines Films. „Bei uns fliegen die Champagnerkorken. So viele Leute haben so hart an ,Sophie Scholl’ gearbeitet. Dies ist eine unglaubliche Belohnung für sie alle.”

Im vergangenen Jahr übrigens wurde ebenfalls ein deutscher Film für den ausländischen Oscar nominiert: Bernd Eichingers Hitler-Epos „Der Untergang“; auch zuvor standen mit „Aimée und Jaguar“ und „Nirgendwo in Afrika“ zwei deutsche Filme, die in der NS-Zeit spielen, zur Wahl. Auch Michael „Bully“ Herbig verarbeitet gerade historischen Stoff – aus der Kaiserzeit. In „Lissi und der wilde Kaiser“ beleuchtet er das Leben von Sisi, der bayerischen Herzogin und österreichischen Kaiserin.

Allerdings: Wie tatsachengetreu der Münchner Klamaukmacher Sisis Leben abbilden wird, sei dahingestellt... Sollte er bei der Verfilmung die Dialoge aus den tuffigen Sketchen „Wechseljahre einer Kaiserin“ aus der „Bullyparade“ zum Vorbild nehmen, was anzunehmen ist, sind königstreuen Cineasten vermutlich weiterhin die Sisi-Filme mit Romy Schneider zu empfehlen. Denn Bullys Version ist doch arg modern geworden: „Oh Sisi, meine Liebste! Meine Liebe macht mich so unverwundbar. Ich fühle mich wie der Österreicher, der den ersten Skilift in Betrieb genommen hat.“ - „Oh Franz, deine Worte machen mich läufig wie einen abgesägten Husarensäbel.“ „Lissi und der wilde König“, das komplett am Computer generiert wird, kommt als 3 D-Animationsfilm voraussichtlich im Sommer 2007 in die Kinos.

Auch „Himmel und Huhn“, seit 26. Januar am Start, ist am Computer zusammengeschustert worden – und hat ebenfalls zumindest entfernt mit München zu tun, denn unser Oberbürgermeister macht darin den Truthahn. Christian Ude (SPD) ist Synchronsprecher des „ziemlich bescheuerten Bürgermeisters von Oakley Oats“ (Zitat: Ude), der sein eigenes Denkmal enthüllen will, als Außerirdische bereits seine Stadt zerlegen. Udes cineastische Stimmabgabe sei eine „völlig neue Herausforderung“ für ihn gewesen, denn es sei ja nicht alltäglich, „in die Haut eines Truthahns zu schlüpfen“.

Der Auftritt unseres Rathauschefs ist kein Einzelfall: Auch die Bürgermeister von Amsterdam und Rom haben ihre Stimme für „Himmel und Huhn“ gegeben. Trotz der Lokalprominenz bleibt „Himmel und Huhn“ aber bloß eine beschwingt-harmlose Küken-Komödie.

Artikel vom 09.02.2006
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