Innenhof-Ausstellung zeigt filmisches Meisterwerk

Altstadt · Valentin und Brecht liefern Horror

Nicht nur ein Ohr – in Karl Valentins mysteriösem Friseursalon wird dem Kunden gleich der ganze Kopf abgeschnitten! (Szenenbild mit dem Kopf von Kurt Horwitz) Foto: © Valentin-Karlstadt-Musäum

Nicht nur ein Ohr – in Karl Valentins mysteriösem Friseursalon wird dem Kunden gleich der ganze Kopf abgeschnitten! (Szenenbild mit dem Kopf von Kurt Horwitz) Foto: © Valentin-Karlstadt-Musäum

Altstadt · Im Innenhof des Isartores zeigt das Valentin-Karlstadt-Musäum eine neue Sonderausstellung. Ab Donnerstag, 25. Juli, um 11 Uhr sind Szenen aus einem frühen Horrorfilm zu sehen. Kein geringerer als Karl Valentin selbst – zusammen mit Bertolt Brecht und dem Regisseur und Drehbuchautor Erich Engel – hat die Groteske "Mysterien eines Frisiersalons", die heute zu den Filmklassikern zählt, vor 101 Jahren geschaffen. Die Ausstellung ist bis zum 8. Oktober bei freiem Eintritt zu sehen.

Meisterwerk entsteht aus einer Laune heraus

Karl Valentin organisierte eine Lagerhalle in Schwabing, die er selbst bereits als Filmstudio genutzt hatte. Bert Brecht schrieb mit Unterstützung von Karl Valentin das Drehbuch, Erich Engel führte Regie, wiederum mit Unterstützung von Bert Brecht, die Filmaufnahmen dauerten weniger als eine Woche und entstanden ist, trotz oder vielleicht wegen aller improvisierter Umstände, eine surrealistische, expressionistische Horror-Slapstick-Komödie, ein Meisterwerk der Filmgeschichte.

Erster Splatterfilm der Geschichte

Die Grundlage der Handlung, eine Reihe lustiger Situationen in einem Friseursalon, wurde von Brecht und Valentin ausgebaut zu einem Manuskript voller Liebe, Folter, Kopfabschneiden, Rache, Duell, Erschießen, Kopfabreissen und Wiederbelebung – der erste Splatterfilm der Filmgeschichte! Die elfköpfige Besetzung bestand neben Liesl Karlstadt und Karl Valentin aus Brechts engen Freunden, wie Kurt Horwitz, Max Schreck, der als Nosferatu zu Weltruhm gelangte, und auch Carola Neher, die "Polly” aus der Pabst-Verfilmung der Dreigroschenoper. Lange galt der Film als verschollen; das Filmmuseum der Stadt München fand ihrn 1976 im Filmarchiv der Sowjetunion in Moskau.

Die Ausstellung
Ausstellungsmacher und Filmexperte Peter Syr gliedert in der Hofausstellung, die “Mysterien” in dramaturgische Einheiten. Über QR-Codes, die auf den Tafeln zu sehen sind, lassen sich die Bereiche auf dem Smartphone betrachten. Der Film wurde mit Standbildern in seine Bildelemente zerlegt und dadurch die dramatische und schauspielerische Entwicklung der Szenen analysiert. Eine Comic-Erzählung entsteht. Die Hinweistafeln zeigen Hintergrundinformationen zu den “Mysterien eines Frisiersalons” und seinen Mitwirkenden. Sie behandeln auch das Verhältnis Bertolt Brechts und Karl Valentins zum Medium Film und Brechts Drehbuchversuche. Es zeigt sich, dass Brecht von Valentin beeinflusst war und Ideen von ihm übernommen hat.

Artikel vom 05.07.2024
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