Michael Köllner: »Eine völlig unnötige Niederlage«

Lucky Punch sorgt für Löwen-Pleite in Köln

Torschütze zur Führung: Richard Neudecker. Foto: Anne Wild

Torschütze zur Führung: Richard Neudecker. Foto: Anne Wild

München/Giesing · Die Viktoria aus Köln liegt den Münchner Löwen nicht. Wie schon in der vergangenen Saison, verlor der TSV 1860 München auch in der aktuellen Spielzeit an der Schäl Sick, wie Einheimische frotzelnd die rechtsrheinisch gelegenen Bezirke nennen. Im Sportpark Höhenberg gelang Bundesliga-Leihgabe Marcel Risse, zwei Minuten vor dem regulären Ende der Partie, der 2:1-Siegtreffer für die Schwarz-Weiß-Roten.

Dabei hatte es im Naherholungsgebiet Merheimer Heide zunächst nach einer durchaus möglichen Erholung der Löwen von ihrer mittlerweile fünf Spiele andauernden Durststrecke ohne Sieg ausgesehen. Druckvoll und mit einer Vielzahl an Torgelegenheiten traten die Gäste, bei denen Erik Tallig den rotgesperrten Dennis Dressel im Mittelfeld ersetzte, eine gute halbe Stunde lang auf. Die Möglichkeiten nicht konsequenter verwertet zu haben, sollte sich am Ende rächen für die Gäste.

Man hätte »das Spiel in den ersten 30 Minuten eintüten müssen«, ärgerte sich Trainer Michael Köllner. Weil aber Sascha Mölders und Stefan Lex selbst beste Chancen im Strafraum liegen ließen, reichte es nur zu einem Treffer. Sechzigs Mittelfeldantreiber Richard Neudecker fasste sich ein Herz und jagte aus halblinker Position einen Ball aus 25 Metern Torentfernung zum 0:1 direkt in den Winkel (16. Min.).

Wie im vergangenen Heimspiel gegen Türkgücü, blieb den Löwen auch in Köln unglücklich ein Strafstoß verwehrt. Im Anschluss an eine Ecke behauptete Mölders im Strafraum gegen Maximilian Rossmann den Ball und stand allein vor Schlussmann Sebastian Mielitz – Rossmann trat dem Mittelstürmer beim Nachhaken von hinten ans Bein, worauf Mölders nicht mehr zielgerichtet abschließen konnte. FIFA-Schiedsrichter Harm Osmers bemerkte die Szene nicht und ließ das Spiel weiterlaufen (13. Min.). In der Bundesliga wäre das ein typischer Fall für den VAR, den Video Assistant Referee, geworden. Mölders war ohnehin nicht von Fortuna geküsst an diesem Tag, nach 35 Spielminuten verpasste er auf Vorarbeit von Lex eine weitere dicke Gelegenheit.

Fünf Minuten vor dem Halbzeitpfiff kam die an Altersjahren erfahrenste Mannschaft der Dritten Liga zum unverhofften Ausgleich. Als ein Geschenk klassifizierte Köllner die Szene, bei der »wir einen offenen Ball schlecht – eigentlich gar nicht – verteidigt haben.« Ein weit geschlagener Pass von Kai Klefisch landete bei Patrick Koronkiewicz, der den Ball mit der Brust mitnahm, dadurch Innenverteidiger Stefan Salger abschüttelte, und abgeklärt zum 1:1-Ausgleich traf (40. Min.).

Im zweiten Durchgang wurde die Partie ruppiger. Viktorias Trainer Pavel Dotchev hatte die Schwachstellen seiner Mannschaft in den ersten 45 Minuten erkannt und ließ sein Team nun systematisch eng und robust verteidigen. Weitere Torraumszenen wurden – abgesehen von wenigen Standardsituation – fortan zur Mangelware im Spiel. Löwen-Torhüter Marco Hiller fischte mit starker Reaktion einen Freistoß von Mike Wunderlich aus dem Kreuzeck (54. Min.). Der Unparteiische Osman verteilte zehn Gelbe Karten. Eine davon für Daniel Wein, der dadurch im kommenden Heimspiel des TSV 1860 gegen den SV Waldhof Mannheim gesperrt ist.

Mölders, Quirin Moll und Salger wurden kleinere Kopfballchancen zuteil, mehr war nicht mehr drin für die Münchner, die stattdessen kurz vor dem Schlusspfiff auch noch einen Lucky Punch hinnehmen mussten. Eine weite Flanke von Koronkiewicz landete bei der Leihgabe des 1. FC Köln, Risse, der per Direktabnahme flach zum 2:1 traf (88. Min.). Seine Mannschaft habe in dieser einen Situation «leider den Rückraum vernachlässigt. Es war ein typisches Unentschieden-Spiel. Mit dem Tor wurden wir gnadenlos bestraft«, analysierte Köllner die Szene, der nach Schlusspfiff von einer »völlig unnötigen Niederlage« des TSV 1860 München sprach.

Der SV Waldhof Mannheim, Gegner der Löwen am kommenden Samstag im Grünwalder Stadion (14, Uhr, live im Bayerischen Fernsehen), machte mit einem 4:1 (1:1) gegen den bisherigen Tabellenführer 1. FC Saarbrücken auf sich aufmerksam. Die SG Dynamo Dresden eroberte mit einem torlosen Remis gegen den KFC Uerdingen die Tabellenführung. Auch der Verfolger FC Ingolstadt kam nicht über ein 1:1 (0:0) gegen den Aufsteiger VfB Lübeck hinaus.

(as)

Artikel vom 06.12.2020
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