Großteils unbekannt

München · Ausstellung und Erinnerung zum KZ-Außenlager Allach

Die Menschen in der Kristallsiedlung leben friedlich zusammen, (fast) keine Spur von der Vergangenheit, auch nicht auf dem ehemaligen Appellplatz. Foto: Daniel Mielcarek

Die Menschen in der Kristallsiedlung leben friedlich zusammen, (fast) keine Spur von der Vergangenheit, auch nicht auf dem ehemaligen Appellplatz. Foto: Daniel Mielcarek

München · Ludwigsfeld, rund fünfzehn Kilometer entfernt vom Sendlinger Tor, ist geprägt durch zahlreiche Nationalitäten, Religionen, Sprachen, persönliche Geschichten und Schicksale. Für einige, so für die Studienabsolventin Libusche Hannah Veprek, die in der Maxvorstadt wohnt, ist es allerdings ein großteils unbekanntes Viertel gewesen, obwohl sie im Umkreis aufgewachsen ist.

Dem Zufall war es geschuldet, dass sie bei einer Recherche auf Ludwigsfeld stieß und fortan begann, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Nun hat sie ihm ganz zentral, nämlich im Evangelischen Bildungswerk, eine Ausstellung gewidmet: mit einem ganz besonderen und wichtigen Thema. Ludwigsfeld ist nämlich das Dorf gewesen, in dessen Nähe im Februar 1943 das "KZ-Außenlager Dachau-Allach" errichtet wurde. Heute spielen Kinder Basketball auf dem ehemaligen Appellplatz, doch die Idylle war hier nicht immer zu Hause. Spaziert man durch die Straßen der so genannten "Kristallsiedlung", ahnt man nicht, was sich am Rande der Stadt München vor einem Dreiviertel-Jahrhundert ereignete.

Es erinnert nicht vieles direkt an den Weltkrieg in München, schließlich wurden die meisten Ruinen beseitigt und die Stadt wieder aufgebaut. In den Nachbarschaften muss man sich die Geschichte erst zusammenlegen, so soll ein edukativer Gedenkradweg durch den Münchner Norden den Anwohnern die fürchterliche Zeit leichter "zugänglich" machen. Denn auch im heutigen Bezirk 24 gab es einen "blutigen Boden". Virtuell kann man schon jetzt an die Orte der Nazi-Maschinerie im Münchner Norden gehen. Unter der Adresse www.ns-karte-muenchen.de wurde eine historische Karte der NS-Lager erstellt. Sie verschafft einen Überblick über die große Anzahl von Arbeitern sowie Firmenlagern von großen und bekannten, aber auch kleineren Unternehmen.

In Ludwigsfeld selbst kann man heute kaum noch etwas von dem ehemaligen Außenlager sehen, da die heutigen Häuser erst später auf dem Grund entstanden sind. So wird die KZ-Gedenkstätte Dachau eine Sonderausstellung zum Außenlager Allach erstellen, in der u.a. etwa 100 Exponate der Grabungen auf dem Gelände präsentiert werden. Es wurden bei einer der vergangenen Grabungen zwölf Skelette gefunden. Vermutungen über größere Massengräber wurden nicht erfüllt. Die Grabungen sind vorerst beendet, was Ruhe in die heute friedliche und grüne Wohnsiedlung im Münchner Norden bringt.

Großteils unbekanntes Viertel

Libusche Veprek hat über ihre Erkenntnisse die Masterarbeit an der LMU geschrieben. Das Evangelische Bildungswerk in der Herzog-Wilhelm-Straße 24 zeigt nun diese Ergebnisse in der Ausstellung „München-Ludwigsfeld“, die noch bis 5. Juli zu sehen ist. Die Öffnungszeiten sind: Montag bis Mittwoch, 8.30 bis 12 Uhr, 13 bis 15 Uhr, Donnerstag, 12.30 bis 16 Uhr. Der Eintritt in die Ausstellung ist frei. „Die Ausstellung bietet die perfekte Möglichkeit, eine besondere Thematik einem größeren Publikum zugänglich zu machen“, so die junge Ausstellerin. Ihr sei es wichtig, „das Bewusstsein für diesen Stadtteil zu schärfen, den Bewohnern eine Plattform zu bieten und auf die Gleichzeitigkeit verschiedener Zeiten sowie die Vielschichtigkeit hinzuweisen, die ein Stadtviertel haben kann." Ihrer Meinung nach ist lange Zeit und teils bis heute die Vergangenheit der Kristallsiedlung im Münchner Norden vergessen worden. Das soll sich ändern.

Daniel Mielcarek

Hier geht es zum Kommentar von Redakteur Stefan Dohl über das Thema »Erinnerungskultur«

Artikel vom 21.06.2019
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