Mehr als nur Widerstand

Stiftung trägt die Botschaft der Weißen Rose in alle Welt

Die Stiftungsvorsitzende Dr. Hildegard Kronawitter, in der DenkStätte an der LMU: die Erinnerung an die Weiße Rose wachhalten. Foto: Weiße Rose Stiftung / Catherina Hess

Die Stiftungsvorsitzende Dr. Hildegard Kronawitter, in der DenkStätte an der LMU: die Erinnerung an die Weiße Rose wachhalten. Foto: Weiße Rose Stiftung / Catherina Hess

München · Die »Weiße Rose« hat eine Botschaft. Noch immer, auch 76 Jahre nach dem jähen Ende der Widerstandsgruppe. Diese Botschaft von Freiheit, persönlicher Verantwortung und Toleranz geht von München aus in die ganze Welt.

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Weitergetragen wird diese Botschaft von der »Weiße Rose Stiftung e.V.«, die mehr leistet, als das Andenken an junge Menschen wachzuhalten, die einen übermächtigen Unrechtsstaat bekämpft und das mit ihrem Leben bezahlt haben. Die Stiftung leistet Aufklärungsarbeit im Geist der Weißen Rose, in München, in Deutschland, in Europa.

Mit mehreren Ausstellungen und Veranstaltungen geht die Stiftung ins neue Jahr. Insbesondere dokumentiert derzeit eine große Ausstellungstour an spanischen Universitäten auch das internationale Interesse an der Widerstandsgruppe im Nationalsozialismus. Widerstand im Dritten Reich – außerhalb Deutschlands ist darüber wenig bekannt. Dass das Interesse an den geschichtlichen Vorgängen um die Weiße Rose, die sich praktisch ausschließlich in München ereignet haben, auf internationales Interesse stößt, ist für die Stiftung und deren Vorsitzende, Dr. Hildegard Kronawitter, sehr erfreulich. »Thomas Mann hat das wunderbar formuliert: Es gibt einen anderen Geist in Deutschland«, zeigt Kronawitter auf, dass die Nazi-Ideologie bei Weitem nicht alle Deutsche durchdrungen hat. Gesagt hat Thomas Mann das noch während des Zweiten Weltkriegs. Der Literaturnobelpreisträger, der selbst viele Jahre in München gelebt hat, hat mit seinen Radioansprachen aus dem US-amerikanischen Exil den deutschen Widerstand ermutigt.

Kritisch könnte man hinterfragen, was die Weiße Rose denn geleistet habe. »Sie hat den Krieg nicht verkürzt, sie hat die Diktatur nicht beendet«, resümiert Hildegard Kronawitter. Den nachfolgenden Generationen aber hat sie ein Vermächtnis hinterlassen. »Es berührt mich immer wieder unglaublich, wie begabt und belesen und reflektiert sie waren«, sagt die Stiftungsvorsitzende über Hans und Sophie Scholl, Alexander Schmorell, Willi Graf, Christoph Probst und Kurt Huber, der innere Kern der Weißen Rose, allesamt 1943 hingerichtet.

Anerkennung auch jenseits der Grenzen Deutschlands

Mit ihren Ausstellungen und Veranstaltungen geht es der Stiftung ausschließlich um die Botschaft aus der Vergangenheit für die Gegenwart und die Zukunft. Zwar kann die Stiftung damit nicht jeden erreichen. Doch die Reaktionen der jährlich rund 45.000 Besucher der DenkStätte am Lichthof der Ludwig-Maximilians-Universität (montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, samstags von 11.30 bis 16.30 Uhr, Eintritt frei) fallen ausschließlich positiv aus. Die Besucher äußern Anerkennung für die Vorbildfunktion der jungen Widerständler, die Weiße Rose genieße im Bewusstsein der Menschen viel Respekt – auch über die deutschen Grenzen hinaus, was wiederum auch ein Verdienst der Stiftung ist.

In deren Vorstand wirkt auch Markus Schmorell mit, Neffe von Alexander Schmorell. 1951 geboren, hatte er keine Gelegenheit, seinen Onkel kennenzulernen. Entsprechend war sein Onkel ihm nie so nah wie seinem Vater. Letzterer war es auch, von dem Markus Schmorell viel von der Persönlichkeit Alexander Schmorells erfahren hat – ganz anders, aber doch passend zum Bild des Widerstandskämpfers in der Öffentlichkeit. Auf die Ideale der Weißen Rose müsse man sich einlassen, um die Widerstandsaktionen zu verstehen: »Die Weiße Rose spricht nur zu Leuten, die sich damit auseinandersetzen; die ein historisches Einfühlungsvermögen haben und daraus ihre Schlüsse ziehen«, sagt er im Gespräch mit dem Münchner Wochenblatt.

Das Interesse an der Weißen Rose ist ungebrochen. Sehr erfolgreich gehen die Präsentationen der deutschsprachigen Wanderausstellung im 76. Gedenkjahr weiter. »Unerwartet und dank des Einsatzes des an der Universität Sevilla lehrenden Historikers Professor Alberto Carrillo Linares startete im September 2018 die Ausstellungstour an andalusischen Universitäten, die nun fortgesetzt wird«, freut sich Hildegard Kronawitter.

In den kommenden Wochen ist die Weiße Rose Ausstellung unter anderem in Saarbrücken, Nienburg, Weißenhorn bei Ulm und Uetersen zu sehen. Vom 25. März bis 26. Mai zeigt das Feierwerk in der Hansastraße 39 – 41 (Westpark) die Ausstellung.

In nächster Zeit finden in München zudem Veranstaltungen statt, die das Gedenken an die Widerstandsgruppe wach halten. So führen Studenten am Freitag, 25. Januar, ab 18 Uhr, Interessierte zu den Denkmälern im Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität (Maxvorstadt). Die DenkStätte wird als ein zentraler Erinnerungsort erläutert.

Ein festes Ritual ist die Weiße Rose Gedächtnisvorlesung im Auditorium Maximum der LMU, die am Donnerstag, 21. Februar, 17 Uhr, vom Antisemitismus-Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung, Dr. Ludwig Spaenle, gehalten wird. Am Folgetag, dem 22. Februar, erklingt um 18 Uhr zum Gedenken an die Hinrichtung der Geschwister Scholl und von Christoph Probst am gleichen Tag vor 76 Jahren das Weiße Rose Gedenkkonzert mit theatralischer Inszenierung im Lichthof. Den Abschluss bildet am 7. und 8. März, jeweils 19 Uhr, die Aufführung »Damit wir uns nicht verlieren« des Volkstheaters München in der Kleinen Aula der LMU.

Von Carsten Clever-Rott

Artikel vom 11.01.2019
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