Ausstellung im Amerikahaus: Countrystar Johnny Cash als GI in Bayern

Maxvorstadt · Verlobungsring aus München

GI Johnny Cash lässt die Beine aus dem Wagen baumeln, dritter von links. Foto mitte: Johnny Cash am Chiemsee. Foto: Das Amerikahaus München am Karolinenplatz. Derzeit wird es saniert, der Wiedereinzug erfolgt 2019. F: William Harrell/Amerikahaus

GI Johnny Cash lässt die Beine aus dem Wagen baumeln, dritter von links. Foto mitte: Johnny Cash am Chiemsee. Foto: Das Amerikahaus München am Karolinenplatz. Derzeit wird es saniert, der Wiedereinzug erfolgt 2019. F: William Harrell/Amerikahaus

Maxvorstadt · »Don’t Take Your Guns to Town!« So wurden die amerikanischen Soldaten ermahnt, die in den 1950er Jahren auf dem Fliegerhorst Penzing stationiert waren, wenn sie Ausgang in die Stadt Landsberg bekamen.

Einer von ihnen war Johnny Cash, der aus Arkansas stammte und nach seiner Rückkehr in die USA 1954 eine Weltkarriere als Sänger und Musiker begann. Zu Lebzeiten Legende, der wohl berühmteste Countrysänger der Welt. 1951 als Neunzehnjähriger war er jedoch noch ein Nobody. Das Amerikahaus, während seiner Sanierung derzeit befindlich in der Barer Straße 19 a, zeigt nun eine Ausstellung, die die amerikanische Truppenpräsenz sowie Johnny Cashs Stationierungszeit von 1951-54 in Landsberg zeigt und Fotos des jungen Johnny Cash aus Privatbesitz. Der Eintritt ist frei, zu sehen ist die Schau bis 13. Januar 2019, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 10-17 Uhr, Mittwoch, 10-20 Uhr, Sonntag: 10-16 Uhr.

Cash hat in Landsberg ganz Ähnliches erlebt wie zahlreiche andere amerikanische Soldaten, die von zu Hause getrennt waren und mit Heimweh kämpften. Sein Lebensweg zwischen 1951 und 1954 steht stellvertretend für Hunderttausende von jungen amerikanischen Männern, die sich wie er zur US-Armee verpflichteten, über Bremerhaven nach Deutschland eingeschifft wurden und in Westdeutschland meist für drei Jahre Dienst taten.

Neben der Politik der Demokratisierung »von oben« wurde Westdeutschland in den 1950er Jahren zunehmend zum Aufnahmeland einer demokratischen Populärkultur »von unten«. Diese populärkulturellen Einflüsse wurden in erster Linie durch die Soldaten persönlich transportiert: Das als lässig und besonders männlich empfundene Auftreten der in Deutschland stationierten GIs fand ebenso seine Nachahmer wie neue Frisuren, Kleidung und Musik, die ab den 1950er Jahren aus den USA nach Europa herüberschwappten.

In dieser Hinsicht ist Johnny Cash als Vertreter amerikanischer Musikstile wie Country und Rockabilly ein besonders prominenter Botschafter des »American Way of Life«, nahmen doch seine eigenen musikalischen Anfänge ihren Ausgang in seiner Militärzeit in Landsberg. Hier schrieb er Songs wie „Wide Open Road“ oder die 1958 veröffentlichte Country-Ballade »Don’t Take Your Guns to Town«. Und sogar ein deutsches Lied hat Cash gesungen: »Wo ist zuhause, Mama«.

Die Ausstellung wurde bereits Ende 2015/Anfang 2016 im Neuen Stadtmuseum Landsberg gezeigt und dazu erschien der Begleitband »Don't Take Your Guns To Town - Johnny Cash und die Amerikaner in Landsberg 1951-1954« (2015, Volk Verlag München). In diesem wird erwähnt, dass Johnny Cash während seiner Zeit als GI in Landsberg auch mehrfach München besucht hat. Er selbst hatte in Briefen an seine Verlobte (und spätere erste Ehefrau) Vivian Liberto davon berichtet. So ist unter anderem bekannt, dass er in München nach einem Entwurf von Vivian in einem Juweliergeschäft den Verlobungsring anfertigen ließ, und dass er das Oktoberfest besucht hat.

Am 7. November hält die Historikerin Edith Raim im Amerikahaus einen Vortrag zu Johnny Cashs Zeit in Bayern.

Im Januar 2016 zog die Institution Amerikahaus in Interimsräume in die Barer Straße 19 a. Die Generalsanierung des Gebäudes am Karolinenplatz begann, um existierende bauliche Mängel zu beseitigen, die Energiebilanz des Hauses zu verbessern und das Raumangebot neuen Anforderungen anzupassen. Das Stammhaus wird immer noch generalsaniert, der Rückzug ist für Sommer 2019 geplant, erklärt Sprecherin Eva Maria Stürmer.

Im Oktober 1945 wurde von der amerikanischen Militärbehörde in der Medizinischen Lesehalle am Beethovenplatz in München ein "American Reading Room" eingerichtet, die erste Institution dieser Art in der Welt. Die zunächst nur beschränkt zugängliche Bibliothek wurde im Januar 1946 für die Allgemeinheit geöffnet. Nach Kriegsende war es die zentrale Aufgabe der Amerikahäuser in Deutschland, die Demokratisierung der Deutschen anhand des Vorbilds Amerika voran zu bringen. Ihre Hauptaufgabe bestand in der Repräsentation der USA und Umerziehung (re-education) der Deutschen durch Information. Die ganze Vielfalt der amerikanischen Kultur, Politik und Gesellschaft sollte dargestellt werden - durchaus auch kritisch.

Im Verlaufe des beginnenden Kalten Krieges wandelte sich der Auftrag hin zur Festigung der transatlantischen Beziehungen, etwa durch Konzerte, Ausstellungen und Vorträge.

Ein Wendepunkt war das Jahr 1997, als die US-Regierung im Rahmen von Sparmaßnahmen ihre Arbeit im Amerikahaus einstellte. Seitdem wird es als bayerische Institution weitergeführt.

Artikel vom 24.10.2018
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