Kurzweilige Kirchengeschichte

Moosacher Historiker stellt Buch über Feldmochinger Pfarrei vor

Der Autor Volker Laturell vor der Feldmochinger Kirche St. Peter und Paul.	Foto: js

Der Autor Volker Laturell vor der Feldmochinger Kirche St. Peter und Paul. Foto: js

Moosach/Feldmoching · Der Moosacher Historiker Volker Laturell hat sich bei seinen jüngsten Forschungen auf einen Streifzug durch die Nachbarviertel begeben.

Herausgekommen ist ein Buch über die Pfarrei Feldmoching und ihre Filialkirchen in Moosach, Milbertshofen, Schleißheim, Karlsfeld und Ludwigsfeld. Es befasst sich unter anderem mit religiösem Brauchtum, historischen Sehenswürdigkeiten der Stadtteile und so manchem Kuriosum. Der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, lobt das Werk als Krönung der bisherigen Veröffentlichungen Laturells.

Die Mutterkirche des Alten Peter?

»Diese halbe Acht bedeutet eine Vier«, sagt Laturell und deutet auf den Schriftzug des Taufbeckens in der katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul in der Feldmochinger Straße, das aus dem Jahr 1514 stammt. Die Bedeutung der Kirche hat der Geschichtsforscher eingehend untersucht. Neuesten Forschungen zufolge werde vermutet, dass die Pfarrei im Münchner Norden die Mutterkirche des Alten Peters in der Innenstadt sei, sagt Laturell.

Wie Historiker zu dieser Annahme kommen, ist in seinem Buch mit dem Titel »Geschichte der Pfarrei Feldmoching und ihrer Kirchen und Klausen in Feldmoching, Moosach, Milbertshofen, Schleißheim, Karlsfeld und Ludwigsfeld« nachzulesen, das kürzlich erschienen ist. Weitere Themen sind zum Beispiel der kunstgeschichtlich bedeutsame Flügelaltar aus dem Jahr 1510 in der alten Kirche von St. Georg in Milbertshofen, der Versuch des Moosacher Hofmarksherren Veit Adam von Pelkoven, 1695 Freisinger Bischof zu werden, oder die Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts, der viele Kapellen und Klausen der Pfarrei zum Opfer gefallen sind.

Nachgegangen ist der Moosacher Volker Laturell auch der Frage, was es mit den Fresken des ehemaligen Kirchengebäudes von St. Peter und Paul auf sich hat, das im 19. Jahrhundert dem neugotischen Bau weichen musste. Der damalige Pfarrer Wolfgang Holzapfel habe sich gegen eine Erweiterung und für den Abriss des Gotteshauses entschieden und dabei die Zerstörung der um das Jahr 1430 datierten Wandgemälde in Kauf genommen, berichtet der Autor. In einem Schreiben des Pfarrers sei sogar von »obszönen Fresken« die Rede. Der Grund: Eines der Bilder zeigt die Beschneidung Christi, ein anderes eine Begegnung der Jungfrau Maria mit Magdalena. Dabei tragen die beiden Frauen Föten im Leib. »In dieser puristischen, sittlich strengen Zeit wollte man so etwas nicht«, erklärt Laturell.

Lob von Kardinal Reinhard Marx

Seine kirchenhistorische Darstellung, die auch für den Laien eine kurzweilige Lektüre ist, erntet Lob von höchster Stelle: Kardinal Reinhard Marx, der katholische Erzbischof von München und Freising, spricht in seinem Geleitwort etwa von einem umfassenden, auf eingehendem Quellenstudium beruhendem Werk, bei dem deutlich werde, wie oft und wie einschneidend sich das kirchliche Leben gewandelt habe.

Erhältlich ist das Buch für 39,90 Euro beim Kulturhistorischen Verein Feldmoching, im Pfarrbüro St. Peter und Paul, in der Feldmochinger Möbelstube und am Feldmochinger Christkindlmarkt in der Mehrzweckhalle (Georg-Zech-Allee 15), wo Laturell am Sonntag, 16. Dezember, zu einer Signierstunde von 14 bis 15 Uhr persönlich anwesend sein wird. Julia Stark

Artikel vom 13.12.2017
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