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In der Schuldenfalle

Dirk Dicken berät überschuldete Münchner

Jeden Montag von 17 bis 19 Uhr berät Dirk Dicken ehrenamtlich im Schwabinger Bürgerbüro in der Belgradstraße 15. 	Foto: mu

Jeden Montag von 17 bis 19 Uhr berät Dirk Dicken ehrenamtlich im Schwabinger Bürgerbüro in der Belgradstraße 15. Foto: mu

München · Ein Handyvertrag, eine Urlaubsreise oder ein ungünstiger Leasingvertrag: Es gibt viele Möglichkeiten, über seine Verhältnisse zu konsumieren. Oft geraten Menschen aber auch unverschuldet durch Krankheit, Scheidung oder Arbeitsplatzverlust in Not.

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Wieder andere leihen sich bewusst mehr, als sie jemals zurückzahlen können. Dirk Dicken aus Schwabing kennt all diese Fälle und Schicksale zu Genüge. Seit Jahren berät er ehrenamtlich überschuldete Münchner einmal in der Woche im Schwabinger Bürgerbüro der SPD. Vor seiner wöchentlichen Sprechstunde, Montags von 17 bis 19 Uhr, hat er sich für ein Gespräch über Schulden mit dem Samstagsblatt Zeit genommen.

Münchner Samstagsblatt: Herr Dicken, wie lange machen Sie die Schuldnerberatung in Schwabing? Und wie sind Sie dazu gekommen?

Dirk Dicken: Ich mache die Schuldnerberatung jetzt seit zehn Jahren durchgehend hier in Schwabing. In meiner freiberuflichen Tätigkeit als gesetzlicher Betreuer für staatliche Stellen in München kenne ich die teilweise langen Wartezeiten bei den behördlichen Stellen aus eigener Erfahrung. Deshalb habe ich die Schuldnerberatung hier im Bürgerbüro selbst vorgeschlagen. Übrigens habe ich früher in einer Bank gearbeitet. Ich kenne mich mit Geld also ein bisschen aus.

Eine ketzerische Frage – Braucht es in einer reichen Stadt wie München überhaupt eine flächendeckende Schuldnerberatung?

Dirk Dicken: Ja, sicher! Letztlich ist gerade in München aufgrund der hohen Lebenskosten die finanzielle Lage bei Vielen äußerst angespannt. Auch wenn die staatlichen Regelsätze für Arbeitslose etwas höher sind als anderswo, ist gerade im sozialen Milieu Überschuldung häufig vorzufinden. Aber auch in allen anderen Schichten ist Überschuldung aus verschiedenen Gründen ein Problem. Geld macht vielleicht nicht glücklich, aber Schulden machen fast immer krank!

Was sind Gründe und Ursachen für Überschuldung?

Dirk Dicken: Ich habe zwar keine belastbaren Statistiken, aber aus meiner Erfahrung würde ich sagen, dass am Anfang der zehn Jahre Arbeitslosigkeit, Krankheit und Scheidung die Hauptgründe gewesen sind. Seit einigen Jahren suchen viele gescheiterte Selbstständige, die sich in Zeiten der »Ich-AGs« selbstständig gemacht haben, Hilfe und lassen sich beraten, weil die meisten Geschäftsmodelle einfach nicht tragbar waren.

Wenn ein Klient zu Ihnen kommt, was machen Sie zuerst?

Dirk Dicken: Ich nehme am Anfang eine Bestandsanalyse vor. Auf der einen Seite Ausgaben und auf der anderen Seite die Einnahmen. Das, was übrig bleibt, wird durch vier geteilt und diese Summe X steht dann in der Woche zur Verfügung. Die meisten sind dann oft überrascht, wie wenig das ist.

Ist es für viele zu leicht, an Kredite zu kommen, die sie später nicht mehr bedienen können?

Dirk Dicken: Früher schon, heute achten die Banken stärker, unterstützt durch Scoring-Verfahren, auf die Kreditwürdigkeit. Aber natürlich gibt es bei den Banken Unterschiede und gerade reine Konsumkredite für Möbel oder Fernseher sind oft sehr leicht zugänglich.

Das Münchner Samstagsblatt bedankt sich herzlich für das Gespräch! Von Marcus Ullrich

Artikel vom 02.10.2014
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