Albrecht Ackerland im Münchner SamstagsBlatt über Musik daheim

München · „Da schau her!“ Thema der Woche: Weihnachtslieder

Albrecht Ackerland im Münchner SamstagsBlatt über Musik daheim

München · Vier Jahre Klavierunterricht vor einem gefühlten Jahrhundert reichen einfach nicht, obendrein ist eh kein Tasteninstrument im Haus. Und schon stehst blöd da, wenn du dir ein paar nette Leute zu einem adventlichen Hausmusikabend eingeladen hast. Die letzte Hoffnung ist da noch, dass doch noch einer mit einer Zither oder einem Hackbrett daherkommt, den Klassikern der Stubnmusi. Aber wer bringt denn heute noch sein Hackbrett mit, wer weiß denn überhaupt noch, was ein Hackbrett ist? Was früher die Hausmusikabende waren, sind heute die gemeinsamen Kochtreffs. So schaut's aus, ja, ich habe ein Hackbrett, aber auf dem haue ich lediglich mein Geflügel klein. Schade, eigentlich.

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Schade ist's, dass ringsum bei meinen Leuten sich keiner hinsetzt und daheim in der Kuchl seine Musik selbst macht. Es muss ja nicht die Volksmusik sein, der schiefe Dreigesang dazu, obwohl zu dieser Gegend in dieser Zeit kaum was besser passt, als ein dreistimmiges Heidschibumm mit sanfter Saitenbegleitung. Von mir aus dürfte es auch die amerikanisch-lässige Variante des Weihnachtsliedes sein, mit einer Klarinette zum Beispiel. Aber, da haben wir's schon wieder: Wer spielt denn heute noch Klarinette? Vielleicht liegt's einfach an meinem Umfeld. Allesamt zwar keine ungebildeten Menschen, aber der Fokus ist nun doch eher genussorientiert. Dabei schlösse sich das doch gar nicht aus – was bringt mehr Genuss, als akustische Musik in den eigenen vier Wänden?

Meine Leute haben das verlernt. Und wenn sie Kinder haben, dann lernen die zwar gerade, aber sie lernen eben Schlagzeug, wenn's hochkommt noch E-Gitarre, alles wichtige Instrumente für eine meiner Lieblingsmusikrichtungen, den Punkrock. Aber seltsamerweise sehnt sich mein Herz einen jeden Advent aufs Neue nach dem Staaden, das gar nicht so leise sein braucht. So ist dann auch die Volksmusik um sieben am Abend im Radio gern gehörter Gast. Wenn schon keiner mit einer Zither kommt. Lang jedenfalls schaue, nein: höre ich mir das aber nicht mehr an. Dann wird ein Instrument gelernt. Das ist gut fürs Hirn und fürs Gemüt. Und wenn es das Letzte ist, wozu ich meine Herrschaften ringsum zwingen muss. Sonst schick ich ihnen den Nikolo bummbumm auf den Hals. Heidschibumm.

Artikel vom 13.12.2012
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