Albrecht Ackerland erzählt im Münchner SamstagsBlatt über den Spaß im Kleinen

München · Da schau her! Albrecht Ackerland über die komische Stadt

München · Ein jeder Mensch hat ja so seine Phasen, wäre ja auch schrecklich, wenn wir immer gut drauf wären. Ich bin manchmal fantastisch schlecht gelaunt. Niedergeschlagen. Lustlos. Als kürzlich wieder so eine Zeit auf ihre Spitze zurollte, der Witz im Keller saß – da kam die Bombe. Die Bombe kam in Gestalt einer echten Bombe. Groß war sie, ein paar Zentner schwer. Eine Fliegerbombe.

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Sie lag Jahrzehnte unter einem Pulverfass. Als mir das so auffiel, war die Gaudi plötzlich zurück. Ist ja schließlich alles gut gegangen. Vor ein paar Tagen haben Bauarbeiter im Sechzgerstadion tief unter dem Fußballfeld heraus ein Relikt aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs geschaufelt. Giesing stand still. Ich hatte zum Glück kein Auto unter meinem Hintern, das ich Richtung Grünwald oder den Candidberg hinunter lenken wollte. Denn die Straßen waren dicht am späten Nachmittag als schließlich die Entschärfer angerückt waren. Der Feierabendverkehr schob sich durch die enge Perlacher Straße. Zustände wie in Manhattan mitten in Giesing.

Als ich mir das Szenario so ansah, da musste ich lachen. Nicht, weil ich schadenfroh ob der armen Staufahrer gewesen wäre, sondern weil ich mir die Handvoll Bayernfans vorstellte, wie sie mühevoll wie heimlich ein so ein gefährliches Riesentrumm im Stadion vergraben haben mussten. Für meinen Geschmack sind die schönsten Witze jene, die in die Hose gehen. So verlief das dann auch mit der Bombe nahe der Westkurve. Sie wollte nicht hochgehen. Freilich zum Glück. Was müssen sich die Bayernfans geärgert haben.

Mit dieser – zugegebenermaßen schwer hanebüchenen – Geschichte fuhr ich zum Metzger auf den Viktualienmarkt. Beim Metzger trifft man immer noch die besten Menschen für eine Gaudi, vor allem hinter der Theke. Es kam, wie ich's mir wünschte: Zwischen zwei Wurstwarenfachverkäuferinnen entbrannte ein Streit, wer denn nun die Fußballhoheit in der Stadt hat. Als Dank forderte ich ein Radl Gelbwurst ein, wie ich es seit gefühlt fünfzig Jahren nicht getan habe. Ich bekam zwei, eins mit Grün, eins ohne, nicht ohne dazu serviertem Streit, wer mich nun bedienen darf. Dann wandte sich die eine einer Rinderhüfte zu, die andere der Frau Hubmüller. Meine Laune war nun vollends blendend. Ich meine, man muss sich seinen Spaß im Kleinen suchen, auch wenn man der Einzige ist, der das im Moment so fühlt. Mein Bombenwitz mag nun nicht der Knaller sein, mein Tag war trotzdem gerettet. Humor ist, wenn er rumliegt. Das geht manchmal ganz ohne große Unterhalter, die beste Bühne ist für mich immer noch die Stadt.

Artikel vom 01.06.2012
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