Plan 2012: Stromerzeugung in Eigenregie durch Windkraft

Haar · Der Haarer Energie-Plan steht

Vier Windkrafträder wie dieses in Fröttmaning würden reichen, um den gesamten privaten Strombedarf im Jahr in Haar abzudecken. 	Foto: SWM

Vier Windkrafträder wie dieses in Fröttmaning würden reichen, um den gesamten privaten Strombedarf im Jahr in Haar abzudecken. Foto: SWM

Haar · Wo sich manche Gemeindeverwaltung und auch Bürgervertreter in Details verrennen und so vielfach ein heilloses Durcheinander produzieren – all das ist in Haar klar strukturiert und zusammengefasst im »European Energy Award« (EEA), in dem die kommunalen Elemente des Energie- und Klimaschutzes verankert sind.

Den Plan 2012 einschließlich den Kostenposten für den kommenden Haushalt verabschiedeten die Lokalpolitiker bei der vergangenen Tagung des Kommunalparlaments einstimmig. Zentrales Thema ist die Stromerzeugung in Eigenregie durch Windräder – jedes etwa 140 Meter hoch und mit einem Rotorblatt-Durchmesser von knapp 100 Metern.

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»Kooperation Flächennutzungsplanung Wind mit ­umliegenden Kommunen« heißt es trocken im Maßnahmenkatalog, der von einem »Energieteam« unter Federführung von Umweltreferent Michael von Ferrari erarbeitet worden ist. Fünf Orte – neben Haar, Putzbrunn, Grasbrunn, Feldkirchen und Vaterstetten – haben jede für sich ein und dasselbe Planungsbüro mit Gutachten für etwaige Standorte beauftragt. Neben drei kleinen Arealen in Haar – laut Gutachter jeweils »nur für ein Windrad geeignet, also sicherlich aus Wirtschaftlichkeitsgründen zu klein« – bietet sich »für maximal drei Windräder« im Nordosten ein Streifen an. Dieser verläuft entlang der Grenzen von Vaterstetten und Feldkirchen. Deshalb ist laut Bürgermeister Helmut Dworzak klar: »Wir müssen mit unseren Nachbarn sprechen, alles abgleichen und uns abstimmen. Es geht nur gemeinsam.« Grenzüberschreitend planen – so könnte aus der Vision etwas werden. Haar hat inzwischen den ersten Schritt gemacht, die anderen Rathäuser zwecks eines gemeinsamen Treffens angeschrieben. »Wir sind sehr gespannt, wie sch das weiter entwickeln wird«, meinte Dworzak. Dies sicherlich auch vor dem Hintergrund, dass im Raum Vaterstetten 17 Standorte denkbar sind. Erstellt werden könnten dort 25 kleine oder zehn große Windräder, wobei man ab drei Anlagen bereits von einem Windpark spricht.

Was verbirgt sich hinter dem EEA? Es ist ein System, mit dem die Klimaschutzaktivitäten einer Kommune erfasst, bewertet, geplant, gesteuert und regelmäßig überprüft werden, um Potenziale des nachhaltigen Klimaschutzes identifizieren und nutzen zu können. Mehr als 200 Städte und Gemeinden in Deutschland, in denen rund 13 Millionen Bürger leben, haben sich dem Verbund angeschlossen und tauschen Informationen aus. »Es geht auch darum, über den Gartenzaum zu schauen und zu sehen, wie andere ihre Probleme lösen«, so Bonns einstige Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann. Das Haarer Energieteam hat geschaut, nachgedacht, vorgeschlagen und die Bürgervertreter haben entschieden. So sollen in den gemeindeeigenen Wohngebäuden in der Katharina-Eberhardt- und in der Mozartstraße »Maßnahmen ergriffen werden, die den Energieverbrauch deutlich unter das Standardmaß drücken« – kalkulierte Kosten 520.000 Euro und 395.000 Euro. Und die Tannenhofsiedlung wird nächstes Jahr sozusagen strahlen – die Beleuchtung wird für 120.000 Euro umgestellt auf LED- und Natriumdampflampen. Der finanziell dickste Brocken mit eingeplanten 2,4 Millionen Euro ist die Neugestaltung der S-Bahnhof-Nordseite. Eine weitere Million Euro – allerdings auf der Habenseite – findet sich unter dem Punkt »Ökologische Geldanlage«. Dazu heißt es in der Vorlage: »Da die Anlage aus dem Jahr 2007 in dieser Höhe 2012 ausläuft, wäre auch 2012 eine erneute Anlage denkbar.« »Da steht uns was Neues ins Haus«, kommentierte Dworzak die Maßnahme »Facility-/Energiemanagement: Aufbau einer Organisationsstruktur«.

Dazu wird derzeit vom Kommunalen Prüfungsverband eine Analyse durchgeführt – Aufwand einschließlich notwendiger Software 85.000 Euro. Doch es müssen nicht immer gleich fünfstellige Beträge sein. Die Schulungen für Hausmeister sollen wieder aufgenommen werden (2.000 Euro für Referenten). Rund um die Haarer S-Bahnhöfe und kommunale Einrichtungen sowie eine bike&ride-Untersuchung wird als Diplomarbeit eine »Potenzanalyse für Parkraumbewirtschaftung« erstellt (3.000 Euro). Für eine Fahrradkampagne, die im Januar im Gemeinderat vorgestellt wird, sind 8.000 Euro vorgesehen, für einen »Spritsparkurs für Gemeindeangestellte« sind 1.000 Euro und für »Informationen bei Wohnungseigentümer-Gemeinschaften zu hydraulischen Abgleich« 3.000 Euro angesetzt. Und schließlich berappt Haar 5.000 Euro am Wochenende der Gewerbeschau zum Thema »Energieeinsparung und Erneuerbare Energien.« Kein einziger Cent indes muss bei der »Festschreibung einer energieoptimierten Bebauungsplan, zum Beispiel Jugendstilpark« aufgebracht werden. Ikb

Artikel vom 07.11.2011
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