Kleingartenanlage an der Hartmannshofer Straße von Kündigung bedroht

Moosach · Ein Paradies in Gefahr

Günter Eppeneder (links) und Rudolf Bukowczan kämpfen für den Erhalt der Kleingartenanlage an der Hartmannshofer Straße.	Foto: ws

Günter Eppeneder (links) und Rudolf Bukowczan kämpfen für den Erhalt der Kleingartenanlage an der Hartmannshofer Straße. Foto: ws

Moosach · »Die Leute haben hier ein Paradies. Sie haben alles in ihren Gärten selber hergerichtet.« So beschreibt Günter Eppen­eder vom Verein Bahn-Landwirtschaft, der unter anderem die Kleingartenanlage an der Hartmannshofer Straße verwaltet, diese Kolonie.

Doch das Schrebergartenparadies mit 22 Parzellen »ist akut von Kündigung bedroht«, sagte Eppeneder im Moosacher Bezirksausschuss und schlug damit öffentlich Alarm. Es gehe darum, diese und andere Kleingartenanlagen auf ehemaligen Bahnflächen im Münchner Westen zu erhalten.

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Der Unterbezirk München-Laim der Bahn-Landwirtschaft verwaltet eigenen Angaben zufolge sechs Schrebergärtenkolonien mit zusammen 270 Parzellen. Davon seien vier Anlagen mit insgesamt etwa 200 Gärten inzwischen an private Investoren verkauft, auch die an der Hartmannshofer Straße – und zwar schon seit dem Jahr 2005. »Wir haben lange nicht gewusst, wem die Anlage gehört«, berichtet Eppeneder. »Jahrelang haben wir nichts gehört. Dann tauchen die neuen Eigentümer auf«. Sie hofften darauf, für das Gelände Baurecht von der Stadt zu bekommen und »kaufen das Grundstück als Spekulationsobjekt.« Selbst wenn sie nicht auf die Schnelle an ihr Ziel gelängen, hätten sie einen langen Atem: »Sie sagen, dass man in 20 Jahren keine Schrebergärten mehr braucht«, berichtet Eppen­eder. Doch das sei komplett falsch, die brauche man in der dicht bebauten Großstadt immer.

Im Fall der Schrebergartenkolonie an der Hartmannshofer Straße südlich der Allacher Straße, habe der neue Eigentümer, die SBR Immobilien GmbH, den Generalpachtvertrag mit der Bahn-Landwirtschaft zum Ablauf des diesjährigen Gartenjahres im November 2011 gekündigt. In der Begründung heiße es, dass die Kleingärtner in Moosach die Parzellen nicht mehr kleingärtnerisch im Sinne des Bundeskleingartengesetzes nutzten, weiß Eppeneder zu berichten. Er nannte diese Begründung im Moosacher Bezirksausschuss »fadenscheinig«. Es gebe Obstbäume in den Gärten und es werde auch Gemüse angebaut, natürlich nicht mehr in dem Umfang wie in der Nachkriegszeit. Da stehe schon mal eine Schaukel drin. Denn »es ist viel Wechsel, weil wir Alten aus biologischen Gründen gehen.« Junge Familien mit Kindern kommen. Eine habe zum Beispiel im vergangenen Jahr ihre Parzelle an der Hartmannshofer Straße hergerichtet und viel Geld investiert.

In nächster Nähe hat Rudolf Bukowczan seinen Kleingarten. Seit fast 30 Jahren kümmert sich der Neuhauser um die Pflege seines Gärtchens. Gerade setzt er kleine Pflänzchen von Eissalat, Lollo Rosso und Salatherzen in die Erde. In einem anderen Gemüsebeet kultiviert er Gartenkräuter wie Schnittlauch und Maggikraut. Mehrere Zwerg-Apfelbäumchen stehen da, alle mit bunten Ostereiern behängt. In der Wiese blühen die ersten Krokusse. In den Blumenbeeten kommen die Tulpen raus. Diese Idylle habe er sich selbst geschaffen, »vor fast 30 Jahren war hier alles Pampa.« Die Kleingärtner sind trotz allem zuversichtlich, in ihrem kleinen Paradies bleiben zu können. »Ich glaube nicht, dass man uns abrupt rausschmeißen kann«, hofft Eppeneder. Vom Moosacher Bezirksausschuss bekamen die Schrebergärtner jetzt volle Unterstützung mit ihrer Forderung nach Erhalt der Kleingärten.

Kleingärten-Verwalter Eppeneder geht indes davon aus, dass die Gesellschaft von der Stadt für das Grundstück an der Hartmannshofer Straße nicht so schnell Baurecht bekommen würde. Deshalb gibt es das Gerücht, dass der neue Eigentümer des Areals die Parzellen künftig per Einzel-Vertrag direkt an die Kleingärtner vermieten könnte. Eppen­eder entgegnet, dass dies »nicht so einfach« machbar sei. Schließlich habe derzeit jeder Kleingärtner einen Vertrag mit der Bahn-Landwirtschaft.

Er schließt daher nicht aus, unter Umständen auch den Klageweg zu beschreiten. Nicht so dramatisch ist die Situation bei der zweiten Anlage am Bahnhof Moosach mit 28 Gärten. Sie liegt westlich des S-Bahnhofs Moosach entlang der Gleistrasse. Diese Kolonie befinde sich noch im Eigentum des Bundeseisenbahnvermögens oder ihrer Nachfolgegesellschaften, berichtete Eppeneder: Man wisse inzwischen ja gar nicht mehr, wie die heißen. Wally Schmidt

Artikel vom 29.03.2011
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