Kindernest e.V. sucht Mitstreiter für die gute Sache

Grünwald · Zeit verschenken

Karin Ayx, Ingrid Wimmer und Linda Pfaus suchen weitere, engagierte Helferinnen für ihr »Kindernest«, das Familien in Not zur Seite steht. 	Foto: Woschée

Karin Ayx, Ingrid Wimmer und Linda Pfaus suchen weitere, engagierte Helferinnen für ihr »Kindernest«, das Familien in Not zur Seite steht. Foto: Woschée

Grünwald · Bei Karin Ayx klingelt das Telefon. Ein besorgter Vater ist am Apparat, seine Frau ist krank, der Säugling auch und er auf Montage. Ob jemand vorbeikommen könnte, wenigstens für ein paar Stunden, bittet er. Die Telefonnummer hat er von dem Kinderarzt bekommen, bei dem seine Frau mit dem gemeinsamen Baby war.

»So läuft das immer«, erklärt Ayx, die zuammen mit einigen Freundinnen vor rund zwei Jahren den Verein »Kindernest« gegründet hat. Das Ziel der engagierten Frauen ist es, Familien, die aufgrund von Krankheit der Mütter oder Kinder in Not geraten sind, oder Müttern, die einfach von den vielfältigen Aufgaben überfordert sind, beizustehen. Beizustehen mit Rat und Tat, jedoch ohne finanzielle Unterstützung. »Wir schenken Zeit, deshalb nennen wir uns auch ganz einfach Zeitschenker«, erläutert Ingrid Wimmer.

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Die Betreuung innerhalb der Familien kann nur einige Wochen dauern, bei Linda Pfaus hingegen ist ein Ende nicht abzusehen. Sie folgte dem Aufruf der Leitung eines Heimes für behinderte Kinder und betreut einmal in der Woche einen zweieinhalb Jahre alten Buben, der durch einen genetischen Defekt nicht alleine atmen kann. »Er braucht fast ständig ein Beatmungsgerät. Auch essen und trinken darf er nicht, er wird über eine Sonde ernährt«, erläutert sie. »Dennoch ist der Bub, der aufgrund seiner Behinderung auch nicht sprechen kann ein lebhaftes, fröhliches Kind«, schwärmt Pfaus über ihren Schützling. Die Zeit, die sie jede Woche gemeinsam verbringen, gebe ihr dabei aber mindestens soviel wie ihm, beteuert sie. »Er wartet immer schon ganz aufgeregt, wenn ich komme, und wir spielen dann gemeinsam. Auch wenn er nicht sprechen kann, kann er doch genau ausdrücken was er mag und was nicht«, berichtet Pfaus und zeigt Fotos von dem Kind, das sie regelmäßig besucht. Die Mutter des Jungen hat noch fünf andere Kinder und kann ihm nicht so viel Zeit widmen, da sei es schön, wenn jemand so ausschließlich einmal in der Woche Zeit hat, befand die Leitung des speziellen Heimes und richtete sich mit ihrem Wunsch an das Kindernest.

»Wir arbeiten eng mit einer Kinderarztpraxis und der Haunerschen Kinderklinik zusammen, die uns an betroffenen Familien mit externem Betreuungsbedarf vermitteln«, erklärt Karin Ayx. Das Team besteht derzeit aus rund sieben Helferinnen. »Viel zu wenig für die vielen Nachfragen, denn der Bedarf ist riesig«, weiß Ayx. Schweren Herzens muss sie deshalb auch immer wieder Bitten ablehnen, da einfach keine weiteren Kapazitäten mehr frei sind. »Wir suchen deshalb dringend nach Helferinnen, die sich einmal in der Woche drei bis vier Stunden Zeit für andere Menschen nehmen wollen«, so ihre Bitte. Vielfach kommen die Zeitschenkerinnen zu alleinerziehenden Müttern, die von den vielen Pflichten, die auf ihren Schultern lasten, zermürbt sind. »Für die ist es einfach oft schon hilfreich, wenn man sich ihre Sorgen anhört. Oft sprudelt es aus den Müttern richtig heraus, was sie bedrückt«, erzählt Ayx. Viermal im Jahr treffen sich die Zeitschenker um gemeinsam über ihre Arbeit zu reden. Ist eine von ihnen bedrückt von den Erfahrungen, die sich ihr bieten, besteht immer die Möglichkeit, sich mit den anderen auszutauschen. Wer sich den Zeitschenkern anschließen möchte, der kann sich unter Tel. 64 91 40 77 oder unter karinayx@t-online beim Kindernest melden. hw

Artikel vom 15.02.2011
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