Bildhauerin Ute Rothenberg hat eine tonnenschwere Passion

Maxvorstadt/Schwabing · Kleine Oase auf Zeit

In einer ruhigen Oase im Hinterhof lebt und arbeitet Bildhauerin Ute Rothenberg. Spätestens Ende 2011 braucht sie ein neues Domizil. 	Foto: ko

In einer ruhigen Oase im Hinterhof lebt und arbeitet Bildhauerin Ute Rothenberg. Spätestens Ende 2011 braucht sie ein neues Domizil. Foto: ko

Maxvorstadt/Schwabing · Der Ingwertee duftet. Schwere Lederbücher mit goldverbrämtem Einband stapeln sich in Regalen. Keine Wand, an der nicht mindestens ein farbenfrohes Bild Wärme in den Raum fließen lässt. Vor den Fenstern treiben Schneeflocken nur träge vor sich hin, als wollten auch sie Ute Rothenbergs kleine Oase nicht stören.

Mitten in der Stadt, an der Amalienstraße, wohnt und arbeitet Ute Rothenberg als Künstlerin. In einem malerischen Hinterhof hat sie ihr Atelier, dessen Übergang zum Wohnraum fließend ist. Rothenberg fühlt sich in ihren Räumen sichtlich wohl. Seit 33 Jahren ist sie dort an der Grenze zwischen Schwabing und Maxvorstadt zu Hause, obwohl sich ihr künstlerisches Schaffen auf den ganzen Globus ausdehnt: Studium in Hamburg und London, Ausstellungen in New York, Dallas und Tokyo etwa.

Die Künstlerin sieht sich zwar weder als Schwabingerin noch als Maxvorstädterin, sie liebt aber dennoch die »Lebendigkeit« ihres Viertels. Hier träfen Studenten auf Geschäftsleute, »in einem fort« würden einem Schauspieler über den Weg laufen und »ich kann um 18 Uhr entscheiden, dass ich um 20 Uhr noch ein Konzert in der Residenz besuche«.

Rothenberg malt und zeichnet zwar auch, einem Fremden würde sie sich aber als Bildhauerin vorstellen. Denn das ist ihre Passion, Skulpturen erschaffen. Und sie hat sich durchgesetzt – in einer Männerdomäne. Die es zumindest in der Größenordnung ist, in der Ute Rothenberg arbeitet: Sie hat Werke aus Stein und Metall angefertigt, »deren Gewicht wird schon in Tonnen gerechnet«. Rothenbergs Vater war ebenfalls Bildhauer, daher sei der »eigene Ehrgeiz«, den gleichen künstlerischen Weg zu beschreiten »groß gewesen«. Sich als »Einzelgängerin« und Bildhauerin durchzuboxen sei nicht einfach gewesen. »Aber dass es wirklich schwer war, habe ich erst 40 Jahre nach meinem Studium zugeben können«, erklärt die Künstlerin heute lächelnd. Sie hat es geschafft, hat sich ihr Studium selbst finanziert – und der Rest? »Ich wollte das unbedingt, bin einfach ›gelaufen‹ – und dann fragt man nicht, ob das eventuell Mut erfordert«. Stattdessen hat sie einfach ihrem Wunsch, »der mir wohl in die Wiege gelegt worden ist«, nachgegeben, frei zu gestalten.

Heute lebt die Künstlerin sehr zurückgezogen. Sie arbeitet immer noch als Bildhauerin, wobei sie aktuell zu Hause ihre Skulpturen nur noch entwirft und Modelle anfertigt. Die Werke selbst werden dann in Firmen mit entsprechenden Maschinen gestaltet. Daher stimmt laut Rothenberg auch das Vorurteil nicht, dass Bildhauer Lärm und Dreck machen würden. Die Stille, die Rothenbergs Arbeit begleitet, hat bereits bei einem ihrer Nachbarn Erstaunen hervorgerufen. »Der bezeichnet mich seither als Squaw« schmunzelt Rothenberg. Dass es bei ihrer Arbeit weder laut noch dreckig wird, ist auch ein wichtiger Punkt bei ihrer Wohnungs- und Ateliersuche. Denn die Künstlerin muss ihre romantische Enklave an der Amalienstraße verlassen, das Haus ist baulich marode. Jetzt sucht sie ein neues Domizil ab 120 Quadratmeter, ein Studio, Loft oder eine Atelierwohnung zum Leben und Malen. »Das ist ein schwerer Schritt für mich«, sagt Rothenberg traurig. Das Atelier und die integrierte Wohnung seien in den 33 Jahren, die sie dort verbracht hat, »mit gewachsen«. Und sie würde ungern die vertraute Umgebung mit Nachbarn für ein kleines Schwätzchen etwa, verlassen.

Vielleicht wird die Bildhauerin wieder fündig, so wie damals vor 33 Jahren, als sie sich in ein Hotel an der Amalienstraße eingemietet hatte und Hinterhöfe nach einer passenden Unterkunft abgeklappert hat. Und schließlich, nach einer großen Runde entlang idyllischer Rückgebäude, ist sie direkt gegenüber ihres Hotels auf ihr heutiges Heim gestoßen. Wer eine neue Unterkunft für Ute Rothenberg hat, kann sich mit ihr unter Tel. 2 80 94 20 (AB) in Verbindung setzen.

Artikel vom 11.01.2011
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