Wenn die Solidargemeinschaft Starnberger Land zur Streuobstsammlung für den Apfelsaft ruft, zieht das duftende Aroma zahlreicher alter Apfelsorten über den Hof von Rudolf Heidrich.
Was da geliefert wird, ist ein Geschenk der Natur, gewachsen auf Streuobstwiesen, die nicht nur zu jeder Jahreszeit das Auge verwöhnen, sondern auch über 5.000 Tier- und Pflanzenarten beheimaten. Streuobstwiesen sind wahre Ökosysteme, kleine Wunder der biologischen Vielfalt. Wie ein Kalender führen ihre verschiedenen Wuchsphasen durch das Jahr. Entsprechend anfällig sind sie auch für klimatische Veränderungen.
2017 stellte der späte Frost die Blüte zahlreicher Bäume vor große Herausforderungen. Manch einer wird heuer deutlich weniger tragen. Andere ließen sich von kalten Nächten nicht beeindrucken. Der Grund dafür liegt im Entwicklungsstand der Blüte verborgen. Die Frosttoleranz einer aufgeblühten Blüte liegt unter der einer Knospe. Die Blütenpracht hält maximal minus zwei Grad aus, die Knospe bis zu minus vier Grad. Je enger die Knospen noch stehen, desto frostresistenter sind sie. Droht später Frost, kann übrigens ein altbewährter Trick helfen: Einfach einen oder je nach Baumgröße mehrere Eimer heißes Wasser am Abend unter den Baum stellen. Mit etwas Glück sichert das die Obsternte.
„Streuobstwiesen zu erhalten oder gar für Neupflanzungen zu motivieren ist das Ziel der Solidargemeinscahft“, erklärt Jana Schmaderer, erste Vorsitzende der Solidargemeinschaft. „Uns allen liegen diese wertvollen Flächen am Herzen.“ Unterstützt wird die Solidargemeinschaft bei diesem Projekt vom Maschinenring Starnberg.
Der Lieferwert wird mit 20 Euro je 100 Kilogramm Äpfel ausgezahlt. Dafür müssen jedoch Vorgaben eingehalten werden, nämlich die „Unser Land” Richtlinien. Sie sichern die hohe Qualität des Saftes. Das Obst darf nicht mit chemischen Pflanzenschutzmitteln behandelt oder mit Klärschlamm gedüngt worden sein. Zudem muss es von Streuobstbäumen aus dem Landkreis stammen. Die Apfel-Anlieferer bestätigen die Einhaltung der Richtlinien durch ihre Unterschrift. Faulige oder schimmlige Äpfel müssen abgewiesen werden, da ein einziger fauliger Apfel rund 2.000 Liter Saft verderben kann.
Die nächsten Termine zum Saftpresen sind jeweils am Samstag, 16. und 30. September sowie am 14. Oktober. Weitere Informationen erteilt Jana Schmaderer per E-Mail jana.schmaderer@starnbergerland.info.