Veröffentlicht am 15.12.2017 11:54

Moderne Herbergssuche

Auf ihre Rolle als Mieter sind diese Geflüchteten vom Landratsamt bestens vorbereitet. Jetzt brauchen sie nur noch Vermieter mit Herz. (Foto: Marianne Wagner/LRA FFB)
Auf ihre Rolle als Mieter sind diese Geflüchteten vom Landratsamt bestens vorbereitet. Jetzt brauchen sie nur noch Vermieter mit Herz. (Foto: Marianne Wagner/LRA FFB)
Auf ihre Rolle als Mieter sind diese Geflüchteten vom Landratsamt bestens vorbereitet. Jetzt brauchen sie nur noch Vermieter mit Herz. (Foto: Marianne Wagner/LRA FFB)
Auf ihre Rolle als Mieter sind diese Geflüchteten vom Landratsamt bestens vorbereitet. Jetzt brauchen sie nur noch Vermieter mit Herz. (Foto: Marianne Wagner/LRA FFB)
Auf ihre Rolle als Mieter sind diese Geflüchteten vom Landratsamt bestens vorbereitet. Jetzt brauchen sie nur noch Vermieter mit Herz. (Foto: Marianne Wagner/LRA FFB)

Die Weihnachtskrippen mit den Szenen der Herbergssuche von Maria und Josef schmücken derzeit die meisten Wohnzimmer des Landkreises. Am Ende haben die beiden ein Not-Quartier in einem armseligen Stall gefunden. Den tausenden von Geflüchteten im Landkreis geht es ähnlich. Sie finden einfach keine Wohnung. Auf dem angespannten Mietmarkt haben es die Bewerber mit Flucht- oder Migrationshintergrund besonders schwer eine geeignete Behausung zu finden. Aus den Asylunterkünften des Landkreises Fürstenfeldbruck sollten anerkannte Flüchtlinge längst ausgezogen sein, doch sie bleiben als „Fehlbeleger” - mangels Alternative in den einfachen Provisorien, die wenig Raum für Privatsphäre bieten, in denen keine eigenen Möbel aufgestellt und ein Leben in „Normalität” begonnen werden kann.

Um bei der Wohnungssuche zu unterstützen, bietet das Landratsamt in den Asylunterkünften spezielle Aktionstage an mit dem Titel „fit werden als Mieter”. Vor kurzem ist ein Kurs zu Ende gegangen. Unter den Kursteilnehmern waren auch Yussif und Fatemeh. „Die Miete ist teuer, da kann ich selbst nichts ändern. Aber bei den Nebenkosten kann ich Geld sparen. Strom ist teuer in Deutschland – ich weiß jetzt, wie ich Strom sparen kann“, berichtet Yussif und Fatemeh fügt an, dass für sie „Hausordnungen” neu waren. „Das ist hilfreich, damit wir in guter Nachbarschaft in Deutschland leben können”, meint sie. Beide hoffen, dass sie mit ihrem Wissen über die Pflichten und Regeln eines Mieters bei künftigen Wohnungssuchen punkten können.

Selbstständiges Leben in Deutschland

„Wir sind nahe am Alltag der Asylbewerber und Flüchtlinge in den Asylunterkünften und erkennen dadurch Situationen, in denen wir Unterstützung für den Übergang in ein selbstständiges Leben in Deutschland anbieten können”, erklärt Jimmy Liu, Sachgebietsleiter Asylbewerberunterbringung im Landratsamt Fürstenfeldbruck. Seit Anfang 2016 gibt es beispielsweise alltagsbezogene Schulungen „zum sparsamen Einsatz von Wasser und Energie und zur Abfalltrennung“.

Geflüchtete Menschen werden bei den Schulungen für den Übergang in eine Mietwohnung vorbereitet und finden Antworten auf Fragen wie: „Wie trenne ich Abfall?”, „Was ist eine Hausordnung?”, „Wie lüfte ich richtig?”, „Was kostet die Energie für Beleuchtung oder Heizung?” Auch kurze Erklärvideos „von Geflüchteten für Geflüchtete“ werden bei den Schulungen eingesetzt. Sie sind im Rahmen des „my-welcomeguide“ (www.my-welcomeguide.de) und mit fachlicher Unterstützung des Landratsamtes entstanden. In praktischen Übungen und Gesprächen erarbeiten sich die Teilnehmer die Grundlagen, um zuverlässige Mieter zu werden.

Ermöglicht wurden die Schulungsmaßnahmen durch eine Förderung des Bayerischen Umweltministeriums im Rahmen der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung in der Jugendsozialarbeit und durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt. Zusätzlich zu den Aktionstagen beraten speziell geschulte Flüchtlinge als „Multiplikatoren“ und „Kulturmittler“ in den Unterkünften und unterstützen die Aktionstage.

north