Veröffentlicht am 08.05.2017 08:39

„Wir bauen auf Lebenserfahrung”

Hier bei den Johannitern in Herrsching wird das Miteinander groß geschrieben. Einrichtungsleiterin Martina Eßbach (links) und Pflegefachkraft Elisabeth Bahnschulte stehen voll und ganz hinter ihrem Beruf. (Foto: Essberger)
Hier bei den Johannitern in Herrsching wird das Miteinander groß geschrieben. Einrichtungsleiterin Martina Eßbach (links) und Pflegefachkraft Elisabeth Bahnschulte stehen voll und ganz hinter ihrem Beruf. (Foto: Essberger)
Hier bei den Johannitern in Herrsching wird das Miteinander groß geschrieben. Einrichtungsleiterin Martina Eßbach (links) und Pflegefachkraft Elisabeth Bahnschulte stehen voll und ganz hinter ihrem Beruf. (Foto: Essberger)
Hier bei den Johannitern in Herrsching wird das Miteinander groß geschrieben. Einrichtungsleiterin Martina Eßbach (links) und Pflegefachkraft Elisabeth Bahnschulte stehen voll und ganz hinter ihrem Beruf. (Foto: Essberger)
Hier bei den Johannitern in Herrsching wird das Miteinander groß geschrieben. Einrichtungsleiterin Martina Eßbach (links) und Pflegefachkraft Elisabeth Bahnschulte stehen voll und ganz hinter ihrem Beruf. (Foto: Essberger)

Deutschland und auch Oberbayern ist für Pflegekräfte keine einfaches Pflaster. Nicht nur, dass hierzulande ein regelrechter Mangel an Fachpersonal herrscht, auch die Lebensumstände tragen dazu bei, dass dieser Beruf nicht gerade auf der Wunschliste der Schulabgänger ganz oben steht.

„Wir setzen mittlerweile nicht mehr nur auf junge Menschen, die diesen Beruf ergreifen wollen, sondern sprechen gezielt ältere und Quereinsteiger an”, wie uns Martina Eßbach, Einrichtungsleiterin des Johanniter-Hauses in Herrsching in einem persönlichen Gespräch mitteilt. „Dabei ist die Lebenserfahrung, die jeder mitbringt, ein großer Schatz, den wir gemeinsam heben wollen”. Hinzukommt, dass die Beweggründe, die Menschen haben, genau diesen Beruf zu ergreifen, bei jedem unterschiedlich sind.

Persönlich und näher dran

Das Wissen, dass es in der sozialen Arbeit und gerade auch bei den Pflegeberufen durchaus Stellen mit einer exzellenten Zukunftsperspektive gibt, ist noch nicht überall bekannt. Um genau diesem Umstand entgegenzuwirken, gibt es seit einiger Zeit das sogenannte Karriere-Portal. Hier gibt es Informationen rund um die Johanniter, ihre Arbeit und die zahlreichen Möglichkeiten, die jedem offen stehen. „Sicher, der Pflegeberuf ist nicht immer ganz einfach”, sagt Eßbach, „doch die Annahme, dass man sich hierbei den Körper kaputt macht, weil man viel heben muss, stimmt so nicht mehr ganz”. Das Johanniter-Haus in Herrsching ist mit allen ausgestattet, um den reinen körperlichen Aspekt der Arbeit zu erleichtern. So erscheint der Beruf des Pflegers bei genauerem Hinsehen gleich um einiges attraktiver. „Hier gibt es beispielsweise Lifter, die helfen, Personen, die sich aus eigener Kraft nicht mehr bewegen können, aus und in das Bett oder den Rollstuhl zu heben; zusätzlich bieten wir gemeinsam mit der Berufsgenossenschaft Schulungen an, die ein rückenschonenendes Arbeiten trainieren”, erklärt Eßbach. Was natürlich nicht von der Hand zu weisen sei, die psychische Belastung, so Eßbach weiter.

Was ist möglich?

Im Eingangsbereich des Johanniter-Hauses steht der Karrierebaum: Er zeigt dem Betrachter, wie umfang- und abwechlungsreich eine Tätigkeit in einem Pflegeberuf sein kann. Dass es dabei nicht nur um die Pflege älterer Menschen geht, wird bei einem Blick auf die Äste des Baums deutlich. Unabhängig von den Ästen bleibt die Arbeit und der Kontakt mit den Menschen immer im Mittelpunkt. „Es steckt mehr dahinter, als nur das Anziehen”, sagt uns Pflegefachkraft Elisabeth Bahnschulte. Der Beruf sei so vielfältig und interessant, dass für sie nach einem Praktikum nichts anderes infrage kam.

Fachkräftemangel

Als Einrichtungsleiterin mit mehr als 30 Jahren Erfahrung in der Pflege hat Martina Eßbach schon viele Wege beschritten, um neue Mitarbeiter zu gewinnen. So sei die Qualität der Ausbildung und die damit verbundene Vergütung in den letzten 10 bis 15 Jahren zwar deutlich gestiegen, doch hab der Beruf an Ansehen eingebüßt, ist sich Eßbach sicher. Mit dem Bruttogehalt einer Pflegefachkraft, das im Durchschnitt zu Beginn bei rund 2.700 Euro liegt, sei man nicht schlecht gestellt. Hinzu kommen noch Zulagen und Alterszusatzversicherungen. Beachte man jedoch die Lebenshaltungskosten hier in Oberbayern, könne man damit keine großen Sprünge machen. So bietet die Herrschinger Einrichtung ihren Azubis und Mitarbeitern - sofern verfügbar - eigene Wohnungen zur Miete an, „ und das nicht zu den üblichen Mietpreisen”, sagt Eßbach.

Auch hat sich Martina Eßbach schon um Fachkräfte aus dem Ausland bemüht. „Wir sind hier in unserem Haus quasi 'multi-kulti' was unsere Mitarbeiter angeht. Aus Serbien beispielsweise konnten Fachkräfte gewonnen werden. Sie erhalten im Heimatland eine umfangreiche Ausbildung, die dann in Deutschland überprüft wird. Das dauert rund ein dreiviertel Jahr, danach dürfen die Mitarbeiter ohne Einschränkungen arbeiten”, erklärt Eßbach.

Der lange Weg

Durch den hohen Dokumentationsaufwand geht viel Zeit am Menschen verloren. Hierauf legen die Johanniter ihren Fokus bei der Ausbildung. Der Mensch steht im Mittelpunkt, und der Spagat zwischen Mensch und Papier wird ausführlich diskutiert und vernünftige Arbeitsweisen gelehrt. Stellt man die Frage in den Raum, was man sich für die Zukunft wünschen würde, ist die Antwort klar: eine bessere Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Einrichtungen. Hier kann Martina Eßbach ein konkretes Beispiel nennen. Ein Bewerber aus Belgrad brauche rund zwei Jahre, um hier anerkannt zu werden. Bei europäischen Mitbürgern hat sich die Zeit des Anerkennungsprozesses mittlerweile deutlich reduziert. Der eingeschlagene Weg ist der richtige.

Ab 2019

Das Berufsfeld ist so umfangreich, dass ab 2019 die Berufe Gesundheits- und Krankenpfleger sowie Altenpfleger zusammengelegt werden. Ab dann gibt es nur noch die Pflegefachfrau/-mann.

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