Den Stoffwechsel programmieren, das Immunsystem stärken und das Gewicht im Auge behalten: Dieses umfassende Gesundheitsanalyse hat nichts mit dem neusten Diätprogramm zum Start in das anstehende Frühjahr zu tun, sondern mit Kälberaufzucht. Der Zuchtverband Weilheim und sein Jungzüchterclub haben es sich zur Aufgabe gemacht, leistungsstarke und vor allem gesunde Tiere zu züchten. Aus diesem Anlass luden sie den Kälberspezialisten Dr. Hugo Hauschulte ein. Er reiste extra aus Norddeutschland an, um die Jungzüchter für die Kälberaufzucht zu schulen.
Nicht anders als bei uns Menschen, kann für das Kalb noch im Leib der Mutterkuh schon vor der Geburt einiges zur Unterstützung für einen gesunden Start in das Leben getan werden. Spezielle Futterrationen für die Mutterkuh, zwei Wochen vor dem Kalben und zwei Wochen danach, sorgen dafür, dass das Kalb gut an Masse zulegt und als vitales Tier auf die Welt kommt. Erstaunlich ist, dass ein Kalb im ersten Drittel der Trächtigkeit unter 500 Gramm wiegt. Erst nach und nach erreicht es seine volle Größe.
Entscheidend sei es zudem, das Kalb innerhalb der ersten 30 Minuten nach dem Kalben mit dem sogenannten Kolostrom zu versorgen. Bei dem Kolostrom handelt es sich um die Erstmilch, die von der weiblichen Milchdrüse produziert wird. Bei Kühen nennt man dies übrigens auch Biestmilch. Spezielle Messvorgänge geben Aufschluss über die Qualität des Erstgemelks. Die Qualität der Erstmilch lasse sich nämlich nicht anhand der Farbe bestimmen. So kann der Züchter einschätzen, wie viel von dem Kraft bringenden Trunk das Kalb braucht. Ebenso sei es außerdem wichtig, die Kuh mit ausreichend Wasser, circa 30 bis 50 Liter, zu versorgen. Als Sofortstärkung nach dem Kalben kann der Kuh auch ein spezieller Kuhtrank zur Stärkung gegeben werden.
Der Referent stellte in einem weiteren Themenpunkt die Organentwicklung des Kalbes in den verschiedenen Entwicklungsstadien dar. Besonders wichtig sei für den Züchter zu wissen, ob in den ersten 40 Tagen noch eine Zellvermehrung stattfinde. Dies sei zudem ein Indikator dafür, ob der Züchter zusätzlich das Kalb in den nächsten sechs Monaten füttern müsse. Mit dieser zusätzlichen Fütterung könne der Stoffwechsel angeregt und so die Weichen für eine leistungsstarke Kuh gestellt werden.
Tierarzt Dr. Hugo Hauschulte wies zudem die rund 58 Teilnehmer daraufhin, dass nicht nur die Fütterung entscheidend sei. Ein sauberer und luftiger Stall sei nach Meinung des Tierarztes ebenso wichtig, wie die tägliche Kontrolle der Tiere. Nur wer Veränderungen an seinen Kühen sofort erkennt, kann die ersten Krankheitsanzeichen feststellen und entsprechend reagieren.