Wenn es langsam enger wird in einer Stadt, wird um den verbleibenden Platz härter gerungen. „Müssen wir denn in unserem Viertel Autofahrern aus Starnberg, Wolfratshausen oder Garmisch Parkplätze zur Verfügung stellen?“, fragte eine Bürgerin bei der Bürgerversammlung Sendling-Westpark. Aussperren lassen sich diese „Fremden“ indes kaum, vor allem nicht aus einer Stadt, die mangels eigener Wohnungen immer mehr auf Fachkräfte angewiesen sein wird, die von außerhalb in die Stadt kommen. Schlauere Lösungen sind gefragt, um die Pendlerströme zu bewältigen. Für andere Probleme, wie z.B. das Zuparken von Geh- und Radwegen durch Lieferfahrzeuge oder das lärmintensive Zu-schnell-Fahren an Wohnquartieren, gibt es längst gesetzliche Lösungen. Hier fehlt es aber oft an Kontrollen, um die Regelungen durchzusetzen.
Wie schwierig Lösungen selbst dann sind, wenn man sich beim Ziel einig ist, zeigten etliche Ideen der Bürger zu Grünflächen und Bäumen in ihrem Viertel. Kann man zum Beispiel mehr Obstbäume pflanzen? Oder Kastanienalleen erhalten? Wie viele Aspekte es dabei zu bedenken gibt, zeigen die Erklärungen der Fachleute. Von deren Wissen ließen sich die Bürger in vielen Fällen überzeugen. Mehr als 40 Anträge und Anfragen brachten sie in die Bürgerversammlung ein.
Als zufriedenstellend bewertet die Polizei die Verkehrssicherheit in Sendling-Westpark. Einer minimalen Steigerung der gesamten Unfallzahlen 2019 stehe ein Rückgang bei den schweren Unfällen und den Verletzten gegenüber, berichtete Christian Wittstadt, Leiter der Polizeiinspektion Sendling. Noch zu lösende Probleme gibt es an der Garmischer Straße (wo die Promenade sie Sicht beim Abbiegen behindert) und am Landaubogen (wo die Ampel an der Einmündung Siegenburger Straße noch fehlt). Wittstadt bat die Autofahrer, die 30er-Zonen vor Schulen und Kindergärten zu respektieren.
Die Kriminalitätsstatistik zeigt in den ersten drei Quartalen 2019 einen Rückgang der Straftaten, so dass das Viertel jetzt wieder auf dem Niveau von 2017 liegt. Besonders erfreulich ist der starke Rückgang bei Einbrüchen in Keller und Wohnungen. Die Zahl der Trickbetrügereien ging ebenfalls zurück, ist aber noch immer auf einem hohen Niveau. „Rufen Sie bitte unmittelbar den Notruf 110 an, wenn Sie auch nur den geringsten Verdacht hegen“, riet Wittstadt.
„Wir können sehr zufrieden sein mit der Sicherheit im Viertel“, fasste der Inspektionsleiter zusammen, „explizite Brennpunkte sind nicht zu erkennen!“ Das sei auch den Beamten zu verdanken, sagte Stadträtin Evelyne Menges, die die Bürgerversammlung leitete: „München ist sicher auch dank der Polizei. Vielen Dank, dass Sie Ihren Kopf für uns hinhalten!“
Vor zwei Jahren wurde auf dem stadtnahen Stück der Garmischer Autobahn (Luise-Kiesselbach-Tunnel bis Kreuzhof) die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf 60 km/h herabgesetzt, um die Anwohner vor Lärm zu schützen – ein Erfolg für Bürger und Bezirksausschuss, wie dessen Vorsitzender Günter Keller bei der Bürgerversammlung Sendling-Westpark hervorhob.
Die Überwachung lässt indes zu wünschen übrig: Zuständig für diesen Autobahnabschnitt ist die Weilheimer Verkehrspolizeiinspektion. Diese ist zuständig für die Autobahn 95 und übergeordnete Bundes- und Staatsstraßen in den Landkreisen Weilheim-Schongau, Bad Tölz-Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen. In diesem großen Gebiet gibt es 300 Messstellen, für die der Weilheimer Polizei aber nur zwei Messgeräte und zwei Beamte zur Verfügung stehen, wie Keller berichtete: „Für häufige Messungen, wie sie an der Autobahn im Stadtgebiet notwendig wären, reicht das nicht aus.“
Der Bezirksausschuss fordert von Stadt und Freistaat ein, die Beschwerden der Anwohner ernst zu nehmen, so Keller.
Bereits 2017 hatte die Bürgerversammlung empfohlen, das Tempolimit am Autobahnende mit fest installierten Geräten zu überwachen. Diese Empfehlung wiederholte sie nun. Die Senkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 80 auf 60 km/h habe dazu geführt, dass die Autofahrer jetzt mit 80 statt 100 km/h fahren. „Der Lärm ist noch da“, so die Bürger, die seit Jahren wirksamen Lärmschutz verlangen. Sie fordern die schnelle Installation von Tempokontrollen, damit die Anwohner in Ruhe schlafen können.
An der Kreuzung Waldfriedhof- / Fürstenrieder Straße schlug eine Bürgerin Fahrradampeln vor. Radler würden hier leicht übersehen, eigene Ampeln würden die Situation klarer machen. Die Bürgerversammlung lehnte den Vorschlag ab.
Ein Vertreter des städt. Kreisverwaltungsreferats hatte zuvor die Sachlage erklärt: Weil die regulären Ampeln (die für die Autos gelten) auch für die auf der gleichen Fahrbahn fahrenden Radler gelten, seien zusätzliche Ampeln nicht nötig. Zusatzsignale müssten zudem an vielen ähnlichen Ampeln installiert werden, was aber sehr teuer würde.
Radler, die von der Brudermühlstraße kommen zur Heckenstallerstraße fahren, müssen dort eine sehr enge Stelle passieren: Zwischen Mittlerem Ring und Hangmauer bleibt ihnen sehr wenig Platz. Entsprechend gefährlich ist die Passage für sie. Die Bürgerversammlung empfahl, Fahrbahn und Radstreifen durch eine Schutzmauer zu trennen.
Ein Vertreter des städt. Kreisverwaltungsreferats hatte zuvor darauf hingewiesen, dass der Bau einer Mauer den schmalen Radstreifen noch weiter verenge, so dass der Weg dann gar nicht mehr benutzbar sei.
Die Bürger drängen auf den Bau eines Kulturbürgerhauses an der Westendstraße. Im Viertel gibt es derzeit keinen Platz für größere Versammlungen (die Bürgerversammlung selbst musste wieder in den Nachbarbezirk Sendling verlegt werden). Nachdem 2014 über ein gemeinsames Bürgerhaus für Laim und Sendling-Westpark neben der Zulassungsstelle nachgedacht wurde, gebe es jetzt nach fünf Jahren immer noch keinen Bauantrag, klagen die Bürger. Nun müssten den Worten endlich Taten folgen. Die Bürgerversammlung empfahl, die Planung voranzutreiben und einen realistischen Bautermin nennen.
Wo gegenwärtig der Stattpark Olga sein Lager aufgeschlagen hat (Ecke Heckenstaller- / Passauerstraße), soll einmal eine vierzügige Grundschule gebaut werden, um die Konrad-Celtis-Schule zu entlasten. Wann wir das sein, fragten die Bürger.
Die Planung ist an dieser Stelle nicht einfach, erklärte das städt. Bildungsreferat: Zum einen gebe es viele schützenswerte Bäume und ein Teil des Geländes sei ein Biotop, zum anderen müsse man den Schutz vor den Emissionen vom Mittleren Ring sicherstellen. Die Finanzierung der Schule stehe aber. Die Stadt rechnet mit einem Baubeginn 2021 und der Fertigstellung 2023. Genaue Termine könne man aber erst nennen, wenn der Bau genehmigt sei.
Bei Neupflanzungen sollten künftig vor allem – mehr als 80 Prozent - Obstbäume und Sträucher mit essbaren Früchten gepflanzt werden, schlug ein Bürger vor. So könnte man den Stadtkindern zeigen, dass Äpfel und Holunder nicht im Supermarkt wachsen.
Grundsätzlich aufgeschlossen zeigte sich das städt. Baureferat; sein Vertreter erklärte jedoch, warum die Bürger-Idee nicht so einfach umzusetzen ist. Man wolle auf den Münchner Grünflächen artenreiche, vielfältige Pflanzungen mit Arten, die heimisch sind und die das Stadtklima vertragen. Dazu gehören Bäume wie Ahorn, Linde, Eiche und Esche. Man benötige solche Bäume, die große Kronen bilden, auch als Schattenspender. Obstbäume brauchen dagegen sehr viel Pflege und man müsse bedenken, ob das Fallobst von diesen ebenfalls erwünscht sei. Eine „Mehr als 80 %“-Quote zugunsten von Bäumen und Sträuchern mit essbaren Früchten für Neupflanzungen sei, so das Baureferat, zu viel.
Die Bürger überzeugte dies. Sie lehnten die Obst-Idee ab.
Vor der kleinen Post und den Geschäften an der Fürstenrieder Straße (gegenüber dem Waldfriedhof) parken häufig Autos auf dem Geh- und Radweg. Das halten die Bürger für inakzeptabel, weil dann oft weder für Fußgänger noch für Radler genug Platz bleibt. Sie empfahlen, dass verbotene Parken zu verhindern – zum Beispiel, indem die rechte Spur der Fürstenrieder Straße zur Lieferzone gemacht wird.
Der Radweg, der zwischen Gilmstraße und Westendstraße (also zwischen Gilmschule und Albertinum) durch den Westpark führt, sollte um einen Meter verbreitert werden, empfahl die Bürgerversammlung. Der Weg werde in beiden Richtungen genutzt, sei aber nur zwei Meter breit und im Herbst durch herabfallendes Laub noch beengter. Einer Verbreiterung müssten nur wenige Bäume zum Opfer fallen, so dass der Eingriff hinnehmbar sei.
Um die Kastanienallee in der Johann-Clanze-Straße fürchtet ein Bürger. Weil anstelle von Kastanien auch andere Bäume nachgepflanzt werden, gehe der einheitliche Charakter der Allee verloren. Deshalb soll man hier nur noch (rotblühende) Kastanien pflanzen, wenn man alte oder kranke Bäume ersetzen müsse.
Ein Vertreter des städt. Baureferats erklärte, dass man hier Kastanien wegen Krankheiten und Pilzbefall zurücknehmen müsse. Wo es gehe, pflanze man neue Bäume. Die für die Kastanien gefährlichen Pilze bleiben aber auch nach der Fällung der Bäume im Boden. Zudem bedeute jede Neupflanzung für einen Baum auch Stress. „Solch ein Baum wird dort sehr schnell ebenfalls krank“, so der Fachmann. Man setze daher lieber auf Baumarten, die sich an solchen Stellen etablieren können und die dann auch einen Beitrag zur Ökologie leisten können. Das Baureferat mache sich dazu viele Gedanken und untersuche, welche Bäume das Stadtklima und den Platz an der Straße vertragen. Man greife dabei auch auf deutschlandweite Untersuchen zurück, welche Baumarten für die Zukunft gut gerüstet seien. „Wir holen das Bestmögliche heraus“, versprach der Fachmann auch für die Johann-Clanze-Straße. Damit überzeugte er die Bürgerversammlung, die den „Nur noch Kastanien“-Wunsch ablehnte.
Noch ist die Linienführung der noch zu bauenden U 9 nicht klar. Die Bürger fürchten die Möglichkeit, die U 9 könnte die bisherige Linienführung der U 6 ändern, so dass es künftig keine Direktverbindung von den U-Bahnhöfen Holzapfelkreuth, Westpark und Partnachplatz zum Marienplatz mehr gebe, sondern stattdessen zum Hauptbahnhof. Wer zum Marienplatz wolle, müsste dann an der Implerstraße umsteigen. „Das ist nicht hinnehmbar“, so eine Bürgerin, „unser Stadtviertel würde dadurch an Bedeutung verlieren!“
Noch sind alle Optionen offen, hieß es seitens der MVG. Zwar stehe die Vorplanung für die U9, es sei aber noch keinerlei endgültige Entscheidung über die betroffenen Linien gefallen. Derzeit plane, die durch Sendling-Westpark führende U6 auf die Linie der neuen U9 (zum Hauptbahnhof) zu legen; an der Implerstraße werde es dann aber ein „Rendezvous-Umsteigen“ geben. Die Münchner kennen solche Rendezvous z.B. von der Münchner Freiheit und vom Scheidplatz: Die Züge zweier Linien halten zeitgleich an einem Bahnsteig, so dass ein Wechseln ohne Warten möglich ist.
Die Bürgerversammlung empfahl, die direkte Anbindung der U-Bahnhöfe im Viertel an den Marienplatz zu erhalten.
Die Bürger empfahlen unter anderem, in der Passauerstraße bei den Gewofag-Anlagen die Höchstgeschwindigkeit von 50 auf Tempo 30 zu verringern und dort einen Fußgängerüberweg zwischen den beiden Teilen der Anlage zu schaffen.
Weil der Verkehr in der Siegenburgerstraße zugenommen habe, wünschen sich die Bürger dort ebenfalls eine Reduzierung der Geschwindigkeit auf max. 30 km/h sowie einen auf beiden Seiten markierten Radweg.
Die Martin-Behaim-Straße soll endlich saniert werden und mehr Parkplätze bekommen, fordern sie.
Abgelehnt wurde hingegen die Bitte, die Straßen um Am Westpark, Fugger-, Hansa- und Behaimstraße als Parklizenzgebiet auszuweisen. Der Grund ist ein guter: Das gewünschte Parklizenzgebiet ist bereits „in der Mache“, erklärten Vertreter des städt. Planungsreferates.
Bei der Bürgerversammlung schilderte „Stadtteilbürgermeister“ Günter Keller den Stand verschiedener Vorhaben im Viertel:
Busspuren auf der Autobahn fordert der Bezirksausschuss nach amerikanischem und asiatischem Vorbild. Zu den „Hauptverkehrszeiten schwemmen die beiden Autobahnen, die in unserem Stadtbezirk enden, Massen von Pendlerautos in die Stadt“, so Günter Keller. Gäbe es in Autobahnnähe am Stadtrand oder im Umland Park-and-Ride-Plätze, könnten von dort Schnellbusse über eigene Spuren der Autobahnen in die Stadt fahren. „Wenn jemand im Stau steht und alle paar Minuten einen Schnellbus vorbeiziehen sieht, wird sich mancher Pendler überlegen, das nächste mal lieber den Bus zu nehmen“, hofft Keller. Er teilte mit, dass der Vorschlag bereits geprüft werde und man in Berlin schon an einer Änderung der StVO arbeite.
Die Stadt hat bereits ihre Pläne für das Parkraummanagement in Sendling-Westpark vorgestellt. „Die Umsetzung wird voraussichtlich 2021 erfolgen“, so Günter Keller. Damit werde die Zahl von Parkplätzen im Viertel zwar nicht erhöht, aber der Parkdruck durch die Pendler aus dem Umland werde geringer.
Über ein Jahr sind die Planungen der Tram-Westtangente in Verzug. Der für August 2018 anvisierte Antrag auf Planfeststellung wurde noch immer nicht gestellt, so Günter Keller. Grund dafür seien „Abhängigkeiten“ mit dem Bau der Laimer Umweltröhre, durch die auch die künftige Tram fahren werde. Trotzdem hoffe man, dass der verspätete Antrag noch 2019 gestellt werde. Die von den Stadtwerken anvisierte Inbetriebnahme der neuen Tram Ende 2026 verschiebe sich wohl nicht, weil sich zugleich Förderverfahren vereinfacht haben.
Für ein Jahr wurden zwei Schadstoffmessgeräte am Heckenstallertrog installiert. Anwohner vermuten, dass die Vorgaben zu den Emissionen, die seinerzeit im Planfeststellungsbeschluss für den Tunnel niedergelegt wurden, heute nicht erfüllt werden. Die dritte Messstelle an der Mainburger Straße wird erst in etwa einem Jahr eingerichtet, wenn die Bauarbeiten dort beendet sind.
Vom 18. bis 24. Juni wird in Sendling-Westpark wieder eine Stadtteilwoche ausgerichtet. Hauptveranstaltungsort des Festivals wird wohl der Luise-Kiesselbach-Platz sein, aber auch an anderen Orten werden Künstler, Vereine und Organisationen aus dem Viertel mitmachen.