Grausame, schmerzerfüllende Schreie ertönen aus allen Ecken. Wehklagen und Hilferufe durchdringen eine von Ruß erfüllte Luft. So oder so ähnlich stellen sich zahlreiche künstlerische Darstellungen das Ende der Welt vor. Eine musikalische, wenngleich weniger bekannte Interpretation des Weltgerichts, hat der in Andechs begrabene Komponist und Musikpädagoge Carl Orff geschaffen. Seit der Uraufführung seines letzten Meisterwerkes „De temporum fine comoedia”, auf Deutsch „Das Spiel vom Ende der Zeit”, bei den Salzburger Festspielen im Jahr 1973 wurde die epochale Komposition nur wenige Male aufgeführt. Eine echte Rarität also. Die jüngste Aufführung des orffschen Werkes fand in der russischen Hauptstadt Moskau statt.
Passend zu seinem 125. Geburtstag im kommenden Jahr wird „De temporum fine comoedia“ im Andechser Florianstadl, unweit seiner letzten Ruhestätte, wieder aufgeführt.dass dieses Werk gespielt wird. Den Rahmen für dieses Ereignis liefert das Orff Festival Andechs-Ammersee 2020, die Neuauflage der Orff Festspiele Andechs und Ammersee aus dem Jahr 2019. Die Namensänderung von den Festspielen hin zum Festival wurde ganz bewusst gewählt, wie Florian Zwipf-Zaharia, Veranstalter und Gründer der arte-musica-poetica, im Rahmen eines Pressegesprächs betont. „Wir sind aus den Kinderschuhen raus“, ergänzt Zwipf-Zaharia mit einem Augenzwinkern. Als Schirmherr des orffschen Festivals konnte Kultur- und Wissenschaftsminister Bern Sibler gewonnen werden.
Der Nürnberger Hans-Sachs-Chor übernimmt die aufwändige Inszenierung des „Spiels vom Ende der Zeit“, die gewissermaßen als Zuckerl noch vor den eigentlichem Start des Festivals im Sommer aufgeführt wird. „Wir sind sehr dankbar für diese Möglichkeit dieses Werk aufführen zu können“, freut sich Michael Langer, Vorsitzender des Hanns-Sachs-Chors in Nürnberg. Die Besonderheit an diesem Stück ist, dass es eigentlich keine Handlung gibt, erklärt Wilfried Hiller, Komponist und Vorsitzender der Carl Orff-Stiftung.
Neu aufgelegt wird auch der bekannte Carl Orff Kompositionswettbewerb, dessen Finale am 22. Juli 2020 im Andechser Florianstadl (Bergstraße 2) ausgetragen wird. Mit von der Partie werden bei dieser Veranstaltung die Chöre des Münchner Pestalozzi Gymnasiums sowie des Max-Joseph-Stifts sein.
Heiter und amüsant wird es dagegen am 26. Juli 2020, wenn der bekannte Kabarettist Andreas Rebers eine musikalische Hommage an Ludwig van Beethoven präsentiert. Die Exkursion in das beethovensche Leben und musikalische Wirken ist nicht zufällig gewählt. Kommendes Jahr jährt sich der Geburtstag des Ausnahme-Komponisten bereits zum 250zigsten Mal. Die Verbindung zu Orff ist nicht nur wegen der Jubiläen gegeben. „Orff ist in die Musik von der musikalischen Mutter eingeführt worden und hat alle neun Symphonien von Beethoven vierhändig gespielt, erklärt Orff-Intimus Wilfried Hiller.
Stimmgewaltig wird es auch Ende Juli beziehungsweise Anfang August, wenn die „Bernauerin“, ein bayerisches Welttheater, im Andechser Florian-Stadl zur Aufführung kommt. Festivaleiter Zwipf-Zaharia freut sich einen strahlenden Stern am Dirigentenhimmel für dieses musikalische Werk gewinnen zu können. Joseph Bastian wird die extra für das Festival arrangierte Kammerfassung der Bernauerin dirigieren. Die Regie übernimmt Angela Hundsdorfer. Wie Veranstalter Florian Zwipf-Zaharia verrät wird für die Inszenierung auch ein Projektchor aus Amateuren gecastet. Interessierte, die bei der „Bernauerin“ gerne mitwirken möchten, können sich per E-Mail an chor@arte-musica-poetica.de melden. Der Vorentscheid findet in Kürze statt.
Den Höhepunkt des Orff-Festivals bildet die Aufführung der „Carmina Burnana“ am 08. August, 2020. das wohl bekannteste orffsche Werk wird allerdings nicht in Andechs zu sehen sein, sondern in der imposanten Arena auf Schloss Kaltenberg. Der Vorverkauf ist hier bereits schon im vollen Gange. Neben einer Pferdeshow, die die musikalische Aufführung umrahmen wird, wird auch der Tölzer Knabenchor zu sehen sein.
„Die Popularität von Carl Orff ist ungebrochen. Wir freuen uns sehr auch zum 125. Jubiläum des herausragenden bayerischen Komponisten sein Weg direkt am Ort seines Lebens und Schaffens zur Aufführung zu bringen und so die Besonderheit und Einzigartigkeit Orffs aufzuzeigen“, freuen sich Veranstalter Florian Zwipf-Zaharia und Wilfried Hiller, künstlerischer Leiter der Carl-Orff-Stiftung.