Die Bürgerversammlung wartet mit einer Überraschung auf: die für nächstes Jahr vorgesehene Sanierung der Hauptstraße wird beim Gymnasium und bei der Realschule beginnen, anstatt wie geplant im Süden von Tutzing. Startschuss für die bislang immer wieder verschobenen Bauarbeiten soll im August während der Ferienzeit sein, um den Schulbetrieb möglichst wenig zu stören. Im Dezember 2020 soll der Abschnitt zwischen Schlösserweg und dem Ende der Hauptstraße fertig gestellt sein, dann will sich die Baustelle ab Frühjahr 2021 weiter in den Süden vorarbeiten, entweder die zu den Supermärkten hinauf oder die Bernrieder Straße weiter bis zur Treppenanlage Johannishügel.
Das Roncallihaus war bis auf den letzten Platz besetzt, als Bürgermeisterin Marlene Greinwald ans Rednerpult trat und über die Projekte der Gemeinde berichtete. Sichtlich erleichtert war sie, dass die Gemeinde das Gymnasium wohl demnächst an den Landkreis abgeben kann, auch wenn die Unterschriften noch nicht auf dem Vertrag stehen. „Mit den heutigen Auflagen ist es für eine kleine Gemeinde nicht zu stemmen“, sagte sie. „Man tut der Schule damit keinen Gefallen, sie gehört ausgestattet, wie ein Gymnasium eben ausgestattet sein muss.“ Weitere Projekte, die die Gemeinde zurzeit in Atem halten, sind die Sanierung der Grund- und Mittelschule, die Erschließung eines neuen Brunnens am Pfaffenberg für die Wasserversorgung, das schlechte Handynetz, die Neu- und Umbauten von Gaststätten und Hotels wie dem Andechser Hof, dem Seehof und dem Midgardhaus. Auch wirtschaftlich tut sich einiges: im Areal Bräuhaus-/Bahnhofstraße eröffnet im Dezember eine private Burnout-Klinik. Als „Glücksfall“ bezeichnete es die Rathauschefin, dass auch das Pöckinger IT-Unternehmen Lobster hier bauen will. Womöglich steht sogar die Kantine am Abend den Bürgern als Restaurant zur Verfügung. Ebenfalls in Planung ist ein Hotel mit 100 Zimmern.
Die vor kurzem von der Bahn eingeführten Parkgebühren am Bahnhof spalten die Gemüter. „Viele haben sich bitter beklagt“, berichtete Greinwald. „Es gibt aber auch Zuspruch, weil es heißt, wir kriegen jetzt einen Parkplatz, wenn wir hinfahren.“ Ein unerfreulicher Nebeneffekt besteht darin, dass die Seitenstraßen vermehrt zugeparkt sind. Greinwald hofft auf Änderung: „Die Bahn meint, dass es sich wieder beruhigt.“ Die Gemeinde will ihrerseits nicht untätig bleiben und plant für die Bräuhausstraße ein absolutes Halteverbot auf der einen Seite und eine zeitliche Begrenzung auf der anderen, so dass die Pendler morgens nicht alles zustellen.
Zur jährlichen Bürgerversammlung gehört es auch, dass die finanzielle Lage der Gemeinde zur Sprache kommt. Hier tut sich ein Silberstreif am Horizont auf: Die Einnahmen durch die Gewerbesteuer sind von 4,2 auf 4,8 Millionen Euro gestiegen, die Schulden von 3,3 auf 2,5 Millionen Euro gesunken, die Rücklagen auf 11 Millionen Euro angewachsen. „Und die brauchen wir dringend für Investitionen.“
14 Bürger meldeten sich anschließend mit ihren Anliegen zu Wort. Hier ging es neben Nachfragen zum Lehrerwohnhaus (die Sanierung zieht sich wegen der Auflagen), Anregungen zu Windrädern sowie Ängsten vor dem neuen Mobilfunkstandards 5G vor allem um die Verkehrsentwicklung und Tempo 30 in Tutzing.