Veröffentlicht am 26.08.2019 15:38

„Der größte Sechser im Lotto!“

Feiern ihre Eiserne Hochzeit: Willi und Centa Baudrexl. Im Namen der Stadt gratulierte der zweite Bürgermeister Horst Martin (r.) und brachte Blumen, Sekt sowie ein Präsent des Ministerpräsidenten mit. (Foto: mka)
Feiern ihre Eiserne Hochzeit: Willi und Centa Baudrexl. Im Namen der Stadt gratulierte der zweite Bürgermeister Horst Martin (r.) und brachte Blumen, Sekt sowie ein Präsent des Ministerpräsidenten mit. (Foto: mka)
Feiern ihre Eiserne Hochzeit: Willi und Centa Baudrexl. Im Namen der Stadt gratulierte der zweite Bürgermeister Horst Martin (r.) und brachte Blumen, Sekt sowie ein Präsent des Ministerpräsidenten mit. (Foto: mka)
Feiern ihre Eiserne Hochzeit: Willi und Centa Baudrexl. Im Namen der Stadt gratulierte der zweite Bürgermeister Horst Martin (r.) und brachte Blumen, Sekt sowie ein Präsent des Ministerpräsidenten mit. (Foto: mka)
Feiern ihre Eiserne Hochzeit: Willi und Centa Baudrexl. Im Namen der Stadt gratulierte der zweite Bürgermeister Horst Martin (r.) und brachte Blumen, Sekt sowie ein Präsent des Ministerpräsidenten mit. (Foto: mka)

Während US-Präsident Dwight D. Eisenhower am Dienstag, 24. August 1954 den „Communist Control Act of 1954“, ein Gesetz, das die Mitgliedschaft in der sowie die Unterstützung der „Kommunistischen Partei der USA“ kriminalisiert, unterzeichnet, unterzeichnen auf dem Standesamt in Weilheim Centa Pfeiffer und Willi Baudrexl das Dokument über ihre Eheschließung. 65 Jahre ist das nun her. Eiserne Hochzeit. Heuer werden die beiden 89 und 87 Jahre alt, er am 28. September, sie am 27. Oktober, und sie sind nach wie vor aktiv und rüstig.

Beides sind sie Weilheimer, wenn man einmal davon absieht, dass Willi Baudrexl in Polling geboren wurde, aber noch im Säuglingsalter nach Weilheim zog, und Centa Pfeiffer zwar in Lauterbach bei Steingaden das Licht der Welt erblickte, aber ebenfalls den weitaus größten Teil ihres Lebens in Weilheim verbrachte. Als sie sich kennenlernten, waren sie gerade einmal 18 beziehungsweise zwanzig Jahre alt. Beide arbeiteten bei der Firma „Sichart“ in Weilheim in der Oberen Stadt, heute als Firma Ebert bekannt. Es war die Zeit, als sie gerade anfing, während er sich anschickte, nach der Ausbildung die Firma zu verlassen.

Weilheim hatte 7.500 Einwohner

Es waren andere Zeiten damals. „Als ich aufwuchs“, erinnert sich Willi Baudrexl, „hatte Weilheim gerade einmal 7.500 Einwohner.“ Unter diesen war eben die fesche Centa Pfeiffer, die ihm besonders gut gefiel. „Sie war ein braves Mädel“, schwärmt er. Doch es war zunächst schwierig. „Ich war schon sehr zurückhaltend“, gesteht Centa Baudrexl heute. Willis Einladung ins Kino schlug sie daher zunächst aus. Bis dann ihr Chef zu ihr sagte: „Die Frau hat gesagt, Du sollst mit dem Willi ins Kino gehen!“ Nun gut, dann ging sie eben. Zwei oder drei Jahre waren die beiden befreundet. „Als es schließlich zum ersten Kuss kam, bin ich weggelaufen“, erinnert sich Centa Baudrexl. Dennoch wurde etwas daraus.

Mit dem Motorrad zur Trauung

In der gleichen Firma waren die beiden inzwischen nicht mehr beschäftigt. Der gelernte Landmaschinenmechaniker Baudrexl arbeitete nun in Peißenberg, verlor die Stellung dort jedoch wieder und wurde zum Kulturbauamt, dem heutigen Wasserwirtschaftsamt, vermittelt. Anschließend arbeitete er zehn Jahre bei der Brauerei „Bräuwastl“ als Fahrer. In diese Zeit fiel die Hochzeit der beiden jungen Leute. „Wegen der Steuer sollte es unbedingt noch im August sein“, erklärt Willi Baudrexl, denn die beiden mussten damals schon aufs Geld schauen. Frei bekam er nicht für den Tag. Also arbeitete er am Vormittag, setzte sich dann auf sein Motorrad, fuhr nach Peißenberg, holte seine Frau ab, die inzwischen dort arbeitete, und fuhr mit ihr zum Standesamt. Die kirchliche Trauung erfolgte dann, ein wenig entspannter, am 13. September 1954 in der Kirche Mariae Himmelfahrt in Weilheim.

Noch zehn Jahre wohnte das junge Ehepaar bei Willis Eltern, dann, 1964, bezog es das eigene Haus. Jetzt stellte sich auch der Nachwuchs ein: Die Tochter wurde geboren, dreieinhalb Jahre später folgte der Sohn.

Gerne fuhren die Baudrexls nach Südtirol, erst mit dem Motorrad, dann, es war etwa 1958, mit der Isetta und schließlich mit verschiedenen Fiatmodellen. Auch Bergwandern stand hoch im Kurs, später allerdings klagte der Sohn, dass „die Mama immer so langsam“ sei. „Da habe ich die beiden alleine in die Berge geschickt“, lacht Centa Baudrexl. Sie widmete sich dann ihrem Hobby, dem Nähen. Was sie so alles geschneidert habe? „Alles, was halt gerade gebraucht wurde“, schmunzelt sie. Darüber hinaus war sie einige Zeit im Peißenberger Liederkranz aktiv.

„Er ist sehr liebevoll“

Nach seiner Tätigkeit bei „Bräuwastl“ arbeitete Willi Baudrexl zunächst zwei Jahre als Omnibusfahrer, und dann sieben Jahre bei der Stadt als Lkw-Fahrer. Weil die Lastwagen damals aber nicht serienmäßig mit Lenkhilfen ausgestattet waren und die Stadt nicht nachrüsten wollte, wechselte Baudrexl wieder als Fahrer zum Wasserwirtschaftsamt, wo er zwanzig Jahre, bis zum Ruhestand blieb.

Centa Baudrexl blieb nach ihrem Weggang von Sichart der Firma Lindauer in Peißenberg 17 Jahre lang treu.

Was schätzen die beiden Eheleute aneinander? Centa Baudrexl zögert nicht lange: „Willi ist sehr zuverlässig, er ist sehr fleißig und vor allem ist er liebevoll.“ Das gebe er gerne zurück, erwidert er und setzt noch eines drauf: „Sie ist der größte Sechser im Lotto, den man haben kann!“ Und ihr Rezept für eine gute Ehe ist denkbar einfach: „Kompromisse eingehen sowie Liebe und Verständnis füreinander zu haben.“

Träger des Ehrenzeichens

Beide sind sie übrigens Träger des Ehrenzeichens der Stadt Weilheim, er seit 1999 und sie seit 2007. Kein Wunder, schließlich engagierten sie sich über viele Jahre hinweg ehrenamtlich. Während Willi Baudrexl seit siebzig Jahren aktives Mitglied im Kirchenchor ist und siebenmal für die Albanienhilfe einen Lastwagen nach Albanien gefahren hat, engagierte sich Centa Baudrexl 24 Jahre lang in der Kirchenverwaltung, 32 Jahre in der Ortscaritas und acht Jahre in der Albanienhilfe.

Heute lebt die gesamte Familie relativ nahe beieinander, der Sohn mit seiner Frau, zwei Söhnen und einer Tochter in Peißenberg, die Tochter mit ihren beiden Söhnen in Weilheim. Und noch heute sind die Baudrexls aktiv. Wenngleich es nicht mehr unbedingt nach Südtirol geht, so sind sie doch öfter in der näheren Umgebung, etwa im Weilheimer Moos, mit ihren E-Bikes unterwegs. Und alle vier Wochen treffen sie sich mit einer Verwandten am Hopfensee. Ihr Wunsch für die Zukunft? „Gesundheit! Alles andere haben wir“, sind sie sich einig.

Gefeiert soll der große Tag nun im September, wenn der Sohn wieder aus dem Urlaub zurück ist. Dann werden es wohl an die zwölf Personen sein, die an der Festtafel Platz nehmen werden.

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