Die letzten Schulwochen nach Notenschluss scheinen oft wie verschwendete Zeit, in der wenig gelernt, sondern nur noch die Ferien herbeigesehnt werden, so lautet zumindest des Öfteren die Kritik. Dieses Jahr war das bei einigen Schülern des Ludwigsgymnasiums München allerdings nicht der Fall, wir waren im Rahmen des Projektseminars eine Woche mit Fahrrad und Rucksack in den Alpen unterwegs. Dabei war von Anfang an klar, dass neben der Sportlichkeit vor allem die Organisation und das soziale Miteinander im Vordergrund stehen sollten.
Ein halbes Jahr lang war Zeit für Vorbereitungen, Routen wurden geplant, dann wieder verworfen, Packlisten erstellt, und Technik und Kondition auf Vordermann gebracht. All das war leichter gesagt als getan, wir waren eine sehr heterogene Gruppe, und die meisten hatten so etwas noch nie gemacht. Die Tour sollte nicht zu einfach, aber auch nicht zu schwer werden, und auch die Hütten hatten nicht immer 16 Plätze frei. Aber diese Herausforderungen waren ja schließlich auch wünschenswert, denn so wie die Vorbereitungen würde auch die Tour Kompromissbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein und gegenseitige Unterstützung erfordern.
Mitte Juli ging es dann letztendlich los, 14 Jugendliche und 2 Lehrkräfte starteten früh morgens von St. Anton am Arlberg in die Berge, um 5 Tage später erschöpft, aber voller neuer Erfahrungen und stolz wieder zurückzukehren. Unsere Route führte uns über die Heilbronner und dann die Heidelberger Hütte in den Nord-Osten der Schweiz und von dort aus wieder nach Österreich über Ischgl bis nach Landeck. Wettertechnisch hatten wir Glück, sodass wir stets am frühen Nachmittag die Hütte erreichten, und der Rest des Tages noch mit Gesellschaftsspielen oder Wanderungen verbracht werden konnte. Besonders bei den Wanderungen wuchs die Faszination, aber auch der Respekt vor der Natur, es wurden Schneefelder erreicht, und niemand konnte mit Sicherheit sagen, was sich darunter befand. Aber egal ob Naturrisiken oder Zweifel an den eigenen Fähigkeiten, die Probleme wurden immer in der Gruppe diskutiert und bewältigt und das Zusammengehörigkeitsgefühl wuchs mit jedem Tag.
Auch wenn sicher jeder mit unterschiedlichen Erwartungen in diese Woche gestartet ist, war es eine Bereicherung, gemeinsam, und auch einmal ohne Internet, in der Natur unterwegs zu sein und an seine Grenzen zu kommen. Und aufgrund dieser Herausforderungen, und nicht zuletzt durch das Kontrastprogramm zum gewöhnlichen Unterricht, war es ein sehr lehrreiches Seminar.
Verfasst von Charlotte Riedner