Mit Umbau der Kreuzung vor dem Gräfelfinger Rathaus in einen Shared Space mit Tempo 20 im Jahr 2015 sollten alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt die dreiarmige Kreuzung nutzen können. Langsames Fahrtempo, generelle Rechts-vor-Links-Regelung und gegenseitige Rücksichtnahme sollten ausreichen, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, hieß es von der damaligen Bauamtsleiterin Elisabeth Breiter.
Hohe Aufenthaltsqualität, gelöste Parksituation, Kunstplattform, Sitzgelegenheiten – dies alles diente zur Gestaltung der neuen Gräfelfinger Ortsmitte. Doch der Gegenwind aus dem Gemeinderat und der Bevölkerung gegen diese aufgelockerte Verkehrsführung ebbte während der vergangenen Jahre nicht ab. „Es hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass der Rathausvorplatz für eine Tempo-20-Zone eigentlich völlig ungeeignet ist“, kritisierte Anette Kitzmann-Waterloo vom SPD-Ortsverband. „Die Situation ist gefährlich vor allem für unsere Kinder, die nach der Unterführung über die Straße wollen und ungeschützt sind.“
Vorsprachen bei Bürgermeisterin Uta Wüst und Beschwerdebriefe aus den Reihen der SPD- und FDP-Ortsverbänden hätten überhaupt nichts gebracht, bedauerte Michael Nebel (FDP). „Wir haben leider den Eindruck, dass die Bürgermeisterin unsere Bedenken nicht ernst nimmt“, so Nebel. „Sie hat auf Experten- und Polizeimeinungen verwiesen, die bei der Umgestaltung mitgesprochen haben und meinte, dass am Rathausvorplatz durch das offene und moderne Verkehrskonzept keinerlei Risiken bestehe. Sie schaut selbst jeden Tag von ihrem Amtszimmer runter auf den Platz und kann keine Verkehrsverstöße erkennen. Das hat sie uns schriftlich mitgeteilt.“
„Aber das ist nicht richtig so“, betonte auch Kitzmann-Waterloo. „Fußgänger haben hier keinerlei Vorrang vor den Autofahrern. Außerdem fahren die viel schneller als die erlaubten 20.“ Als eindringlichen Appell, die Verkehrssituation zu ändern, riefen FDP und SPD zu einer Demonstration auf. Rund 40 Bürger folgten dem Aufruf, darunter auch viele Kinder. Die forderten lautstark und auf gemalten Bannern: „Ein Zebra vors Rathaus!“
Auch SPD-Gemeinderat und Schülerlotse Michael Langer war dabei und sagte: „Es ist wirklich ein Glück, dass hier noch nichts passiert ist. Beinahe-Unfälle gab es genug.“ Vertreter der Grundschule nahmen ebenfalls an der Demonstration teil. „Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass gerade die Grundschulkinder gefährdet sind, da an diesem zentralen Verkehrsknotenpunkt keinerlei Zebrastreifen oder gar Ampeln zu finden sind. Die Kinder sind überfordert; sie stehen - insbesondere auf dem Rückweg am Mittag, der ohne Schulweghelfer zu bewältigen ist - oftmals minutenlang da, bevor sie sich trauen, irgendwie die Straße zu überqueren”, betonte Elternbeirat Martina Orth in einem Schreiben an die Bürgermeisterin nach der Demo. „Bitte kümmern Sie sich fraktionsübergreifend um dieses wichtige Anliegen!”
„Wir möchten erreichen, dass drei Zebrastreifen über die Bahnhofstraße und die Freihamer Straße markiert werden“, erklärte Kitzmann-Waterloo abschließend. „Außerdem soll der Bereich in eine Tempo-30-Zone umgewidmet werden. Denn schließlich sieht die StVO keine Zebrastreifen bei Tempo 20 vor.“ Und Eike Nell ergänzte: „Wir haben uns die Situation lange genug angeschaut und versucht, die Bürgermeisterin zu überzeugen. Die Sicherheit besonders für die Kinder am Rathausvorplatz verbessert sich nicht, darauf wollen wir hinweisen.“
Der SPD-Ortsverband hat indes mit einem Schreiben an die Bürgermeisterin ihre Forderungen bekräftigt und verlangt eine Änderung des Verkehrskonzepts. „Das richtige Konzept einer Verkehrsberuhigung und das Ziel eines besseren Schutzes für Fußgänger und Radfahrer werden keineswegs in Frage gestellt, sondern im Gegenteil ergänzt und verstärkt. Insoweit bitten wir unseren Vorschlag auch keineswegs als Kritik an der seinerzeit getroffenen Maßnahme zu verstehen, sondern als Verbesserungsvorschlag“, heißt es in dem SPD-Brief. Ein gemeinsamer Gemeinderatsantrag von SPD und FDP soll noch folgen.