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Freizeit & Kultur - 24.06.2010
SamstagsBlatt

München · Meet and Greet - SamstagsBlatt-Leser treffen Waldemar Hartmann

„Glaubwürdigkeit ist das höchste Gut“

München · Interview mit Waldemar Hartmann – Ein Witz über die drei Weizenbier ist ein sicherer Lacher beim Publikum. Auch Autogramme muss Waldemar Hartmann genauso viel geben wie die Fußball-Helden Paul Breitner oder Hansi Müller. Waldi, wie er sich selbst nennt und gern nennen lässt, ist selbst ein Star. Und eine Marke mit Kultfaktor. Seit 1976 ist Hartmann Sportmoderator beim BR.

„Glaubwürdigkeit ist das höchste Gut. Mehr kannst Du nicht kriegen im Mediengeschäft“, sagt Sportmoderator Waldemar Hartmann. Foto: ms




In seinem Buch und Programm „Born to be Waldi“ plaudert er selbstironisch aus dem Nähkästchen und was mit seinem legendären Schnauzbart geschah. Unvergessen ist das Interview vom 6. September 2003 mit dem damaligen DFB-Teamchef Rudi Völler nach einem Unentschieden in der EM-Qualifikation in Island. Völler schimpfte auf die Sportjournalisten und Hartmann warf vor, drei Weißbier getrunken zu haben. Waldi blieb souverän und bekam einen Brauereiwerbevertrag.

Mit Harald Schmidt moderierte er 2006 bei den Olympischen Spielen in Turin. Daraus entstand Waldis Club, der zur Fußball-WM 2006 zum ersten Mal auf Sendung ging. Mit Erfolg: Am 31. Mai 2010 verlängerte die ARD ihre Zusammenarbeit mit Hartmann um weitere zwei Jahre bis zur nächsten EM – regelmäßig im Anschluss an die Fußballübertragungen.

Derzeit plaudert er in „Waldi WM-Club“ im „Seehaus“ im Englischen Garten humorvoll mit prominenten Gästen über die WM. Ob Vuvuzelas, Schiedsrichterprobleme oder die neue Rolle von Herrn Schweinsteiger: Unterhaltsamen Stoff gibt es ja tagtäglich genug. Wir sprachen mit dem 62-Jährigen über sein Erfolgsgeheimnis.

SamstagsBlatt: Herr Hartmann, nicht traurig, im Seehaus zu sein statt in Südafrika?

Waldemar Hartmann: Es ist umgekehrt! Wenn die Kollegen hören, wie gut es uns im Seehaus geht und welch prächtiges Paradies wir da haben... Aber im Ernst: Nach Südafrika zu gehen, war von Anfang an nicht geplant, weil es schwer ist, die Leute hinzukriegen. Die einfliegen zu lassen, das kostet richtig Geld, und wir gehen mit Gebühren um. Auch in Südafrika selber stellt sich die Frage: Wo gehst du dahin? Das war eine klare Entscheidung, logistisch und wegen der Kosten: Nein. Und als ich dann mit der Sendeplanung angefangen habe – ich rufe meine Gäste selber an – war die erste Frage: „Du Paul (Breitner), bist du in Südafrika? Bin i ned!“ Und der Litti (Pierre Littbarski) a ned! Keiner, den ich angerufen habe, also von den Fußballfachleuten, was mir ja wichtig ist, oder den Comedy- oder Kabarettkollegen, ist in Südafrika, die sind alle hier. Der eine oder andere sagt zwar: „Wenn die Deutschen ins Halbfinale kommen, vielleicht fliege ich dann runter“. Aber die, die ich für die Sendung brauche, sind alle da.

Und Sie?

Waldemar Hartmann: Auch. Wir sind an allen ARD-Tagen bis zum Finale im Seehaus.

Denken Sie nicht manchmal: Schon wieder Fußball?

Waldemar Hartmann: Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und jetzt kriege ich auch noch Geld dafür. Ansatzweise darüber nachzudenken, dass das beschwerlich sei – nie im Leben! Ich renn zwar nicht an jedem freiem Wochenende ins Stadion, aber ich schau mir Fußball an im Fernsehen, das mach ich gerne – und nicht, weil ich am Montag darüber reden muss. Und ich ärger mich wie alle anderen auch über ein schlechtes Spiel und freu mich über ein gutes.

Wie weit kommt denn die deutsche Mannschaft bei der WM? Und wer sind Ihre Favoriten?

Waldemar Hartmann: Wenn alles normal verläuft, müssten unsere ins Halbfinale kommen. Und auch wenn das gegen die Schweiz völlig in die Grütze gegangen ist, ich bleib dabei: Spanien ist für mich der Favorit – und Argentinien und Brasilien, halt die üblichen Verdächtigen, ich hab auch keine anderen...

Was hat sich über die Jahrzehnte im Fußball verändert aus Ihrer Sicht?

Waldemar Hartmann: Es ist insgesamt eine totale Kommerzialisierung, die mich schon stört und wo ich den alten Zeiten öfter mal nachweine. Natürlich weiß ich, dass es ein Geschäft ist und das funktioniert nur durch Erweiterung der Sponsoren und Erschließung neuer Geldquellen. Die Spieler verdienen mehr, dann muss auch mehr Geld her. Aber heute haben Spieler drei Berater, einen für Medien, einen für Finanzen und was weiß ich noch.

Sie sind spätestens seit dem Wutausbruch von Rudi Völler und nach den Sendungen mit Harald Schmidt eine Art Kultmoderator. Nicht genervt von den Weißbier- und Schnauzbart-Geschichten, mit denen Sie viele verbinden?

Waldemar Hartmann: Ich hab mit Rudi Völler damals keinen Vertrag ausgehandelt: „Damit ich meinen Weißbiervertrag bekomme, musst Du mich mal beschimpfen.“ Sondern das kam per Zufall und aus heiterem Himmel, für beide. Und damit leb ich, ganz gut, weil ich seit acht Jahren schon diesen Vertrag habe. Ich hab keine Riester-Rente, sondern ich hab die Rudi-Rente... Und dass Leute mich, im übrigen zehn Jahren nachdem der Schnauzbart weg ist, darauf ansprechen, wundert mich wirklich sehr.

Und wie fühlt man sich so als dienstältester Sportmoderator der Republik?

Waldemar Hartmann: Das weiß ich gar nicht, ob ich das bin, Jörg Wontorra ist genauso lang im Job wie ich. Und wenn ich was lese über Ikone oder Kult, das klingt so nach Abschied, nach verdienstvollem Leben, das Gefühl habe ich überhaupt noch nicht, nehme diese Blumen aber gern an. Ich bin 62, habe den Vertrag mit der ARD bis 2012, Boxen kommentier ich auch – es gibt keinen Anlass für mich zu denken, dass sich das so schell ändern sollte. Auf die Frage, wie lang wollen sie das denn noch machen, hat mein Freund Harald Schmidt mal geantwortet: „So lang wie mich überhaupt keiner mehr sehen will – und dann noch zehn Jahre.“ Damit droh ich auch der ARD!

Die Zuschauer stehen für Autogramme an, wollen Fotos mit ihnen, wie bei den Fußballstars. Wie erklären Sie sich Ihre Popularität?

Waldemar Hartmann: Viele Zuschauer sind mit mir älter geworden, ich bin für sie ein bekanntes Gesicht und stehe für Erfahrung. Und die kann man nicht im Crashkurs machen. Deswegen hab ich auch bei den Leuten das Gefühl, sie denken über mich: Der weiß, wovon er redet. Mehr kannst Du nicht kriegen in dem Geschäft, Glaubwürdigkeit ist das höchste Gut. Das ist das wichtigste, das du in dem Job, gerade beim Fernsehen haben kannst, weil die Kamera dich schon entlarven kann, wenn du nur so tust als ob. Die Leute müssen einen ja nicht unbedingt mögen, und natürlich polarisier ich auch. Aber trotzdem glaub ich, dass etwa auch Bayerngegner mich für glaubwürdig halten, die eigentlich meinen, ich bin FC Bayern, nur weil ich 20 Mal auf dem Balkon mit denen steh. Das ist halt mein Job, ich musste oder durfte dabeisein. Natürlich weiß ich, was bei Bayern im Hintergrund abläuft und geh ich mit dem Paul Breitner ein Bier trinken oder wir telefonieren. Und das glaub ich, merken die Zuschauer auch, dass ich vielleicht noch mehr backstage weiß als andere. Von Michaela Schmid

Für das WM-Studio (Infos und Termine unter www.waldemarhartmann.de) im Seehaus gibt es keine Kaufkarten. Freikarten werden immer wieder kurzfristig über den Bayerischen Fußball-Verband vergeben (www.bfv.de).

Wir verlosen unter Ausschluss des Rechtsweges ein Meet & Greet mit dem Sportmoderator bei seinem WM-Studio im Seehaus! Gewinnspiel: Treffen Sie Waldemar Hartmann!



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