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Aktuelles - 28.04.2010
SamstagsBlatt

Schwabing · „Arm aber Bio!“

Günstig genießen: Schwabingerin zeigt, wie’s geht

München/Schwabing · 4,35 Euro stehen einem Langzeitarbeitslosen pro Tag für Lebensmittel zur Verfügung. Laut Rosa Wolff genug, um sich ausschließlich von Bio-Produkten zu ernähren. In einem Selbstversuch probierte die Schwabingerin einen Monat lang, vom Hartz-IV-Satz ausschließlich Naturkost zu speisen – und hat es geschafft. Im SamstagsBlatt verrät sie, wie ihr das gelungen ist. Selbstgebackenes Brot, Butter, Käse, Tee, Milch und ein Müsli mit Bananen und Orangen stehen auf dem Tisch in der Schwabinger Altbauwohnung.

Rosa Wolff legt Wert auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Foto: sm




„Das ist ein prima Start in den Tag – alles gesund und lecker“, meint Wolff. Womit sie Recht hat. Doch ist damit nicht das Tagesbudget bereits erschöpft? „Bei Weitem nicht,“, sagt Wolff, „die meisten Zutaten reichen ja mehrere Tage, und das Müsli hat gerade mal 90 Cent gekostet“.

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Es sei notwendig, viele Dinge selbst zu machen. Für Brot zum Beispiel brauche man nur Bio-Mehl, Wasser und Salz. Überhaupt sei Backen die Königsdisziplin. Wolff hat es damit sogar geschafft, nicht nur sich selbst zu versorgen, sondern auch noch andere zu bewirten. „Mit Mehl, Eiern und Äpfeln kann man ein tolles Apfelgebäck machen“, sagt die 53-Jährige, die seit Jahren als Kochbuchautorin und Restauranttesterin arbeitet. „Eigentlich kann man aus fast nichts etwas machen, wenn man ein bisschen kreativ ist.“

Ganz so leicht war es zu Beginn ihres Selbstversuchs nicht, überzog Wolff doch immer wieder mal das Budget. „Das musste ich natürlich an anderer Stelle wieder einsparen. Doch ich lernte schnell, welche Produkte drin sind, und welche das Budget sprengen würden.“ Unproblematische Grundnahrungsmittel seien Nudeln, Kartoffeln, Zwiebeln, Karotten und Saisongemüse. Auch mit Obst wie Äpfel, Bananen und Orangen gab es keine Schwierigkeiten. Dagegen seien Spargel und Erdbeeren unbezahlbar. „Erdbeeren habe ich mir einmal an meinem Geburtstag geleistet, die haben dann aber gleich ein Riesenloch in meine Kasse gerissen.“ Auch Fleisch und Wurst seien absoluter Luxus gewesen. Das hat Rosa Wolff allerdings nicht verwundert. „Mich verwundert eher, wenn ein Kilo Schweinefleisch drei Euro kostet. Da frage ich mich immer: Was muss das für eine arme Sau gewesen sein?“

Mit ihrem Selbstversuch möchte Wolff zeigen, dass es zwar mühsam, aber durchaus möglich ist, sich auch bei kleinem Einkommen biologisch zu versorgen. „Warum sollte sich denn jemand, der wenig Geld hat, automatisch schlecht ernähren?“ Ihr gehe es allerdings weniger darum, Hartz-IV-Empfängern vorzuschreiben, wie sie sich ernähren sollen. Ihren Versuch versteht sie eher als Appell an diejenigen, die gut verdienen, und auf eine gesunde Lebensmittelauswahl achten. „Wenn ich vom jemandem höre, der zwei Autos vor der Haustür stehen hat, und dreimal im Jahr in den Urlaub fährt, Bio-Produkte könne er sich nicht leisten, dann habe ich dafür kein Verständnis.“

Der Versuch hat Rosa Wolff gezeigt, dass es möglich ist, sich von 4,35 Euro täglich ausschließlich biologisch zu ernähren. Als der Monat vorbei war, spürte sie aber trotzdem eine Erleichterung. „Es ist schon mühsam und man benötigt viel Zeit; zum einen um die Gerichte zuzubereiten, zum anderen, um die Preise zu vergleichen“. Nach ihrer Selbstkasteiung gönnte sie sich allerdings nicht – wie zu erwarten gewesen wäre – ein Riesenschnitzel oder eine Tafel Schokolade, sondern erstmal eine „große Portion gemischten Salat mit Blättern, Tomaten, Gurken und allem, was dazugehört“. Auch Olivenöl stand endlich wieder auf dem Programm. Doch auch heute, Monate später, kocht Wolff viele Rezepte, die sie damals entwickelt und in ihrem Buch veröffentlicht hat. „Am liebsten mag ich den Kartoffelsalat mit Bergkäse und Paprikawurst sowie die Ravioli mit brauner Zwiebelfüllung“.

Auf biologische Produkte achtet sie nach wie vor. „Ich war schon immer eine alte Bio-Tante. Doch früher wurde man eher als Spinner abgestempelt, heute finden das die meisten toll“, sagt Wolff. „Bio schont die Umwelt und man tut sich selbst etwas Gutes.

Das Bio-Frühstück hat auf jeden Fall überzeugt: es war gut, günstig und vor allem auch gesund.

Von Stefanie Moser

Kartoffelsalat mit Bergkäse und Paprikawurst (2-3 Portionen):

500g festkochende Kartoffeln
45g Chorizo
1 Scheibe Bergkäse
1 kleiner Zucchino
1 Tomate
1 Frühlingszwiebel, Petersilie oder Basilikum
100 ml heiße Gemüsebrühe
1–2 EL Öl
1–2 EL Essig
Salz, Pfeffer

Kartoffeln gar kochen. Zucchino in feine Scheiben schneiden, in Öl anbraten. Einen Esslöffel Essig dazugießen, kräftig aufkochen, Pfanne vom Herd nehmen. Die Kartoffeln pellen, in Scheiben schneiden und mit heißer Brühe übergießen. Tomaten, Käse, Wurst, Frühlingszwiebel und Zucchinischeiben zu den Kartoffeln geben. Mit Essig, Öl, Salz und Pfeffer abschmecken. Mindestens 30 Minuten durchziehen lassen.

Gesamtkosten: etwa 2,90 Euro.

Am Sonntag, 2. Mai, stellt Rosa Wolff ihr Buch „Arm aber Bio!“ in der Seidlvilla, Nikolaiplatz 1b, vor. Beginn ist um 17 Uhr, der Eintritt kostet fünf Euro. Das SamstagsBlatt verlost fünf Bücher.



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