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Aktuelles - Artikel vom 28.01.2010

München · Besser auf das Berufsleben vorbereitet

Ehrenamtliche Jobmentoren unterstützen Hauptschüler bei der Ausbildungsplatzsuche

Viele Hauptschüler finden nur schwer einen Ausbildungsplatz. Obwohl es Ende September in München rund 1.400 unbesetzte Ausbildungsplätze gab, haben nur 34 Prozent aller Münchner Hauptschüler, die im Schuljahr 2008/2009 die neunte Klasse besuchten, direkt anschließend eine Ausbildung begonnen. Im Oktober 2006, als die Übernahme-Quote von Hauptschülern in Lehrverhältnisse auf 25 Prozent abgesunken war, rief das Münchner Sozialreferat ein Projekt mit dem Namen „Jobmentoring“ ins Leben.

Betriebswirtin und Jobmentorin Ille Sophie Schalk (li.) ist stolz darauf, dass Schützling Sabina Hasani ihre Ausbildung so erfolgreich meistert. Foto: SE

Seit 2010 ist es beim Referat für Arbeit und Wirtschaft angesiedelt und wird in freier Trägerschaft von der Bürgerstiftung München durchgeführt. Ehrenamtliche Jobmentoren, von denen sich viele nach einem erfolgreichen Berufsleben bereits im Ruhestand befinden, betreuen die neunten Klassen an 13 Münchner Hauptschulen und unterstützen die Jugendlichen dabei, einen Ausbildungsplatz zu finden.

Durch Qualifizierungs-Kurse und Bewerbungstrainings sollen die Schüler besser auf das Berufsleben vorbereitet werden. Die Jobmentoren suchen aber auch den Weg in die Wirtschaft, sprechen mit den Ausbildungsverantwortlichen in den Betrieben und schlagen besonders geeignete Schüler als Auszubildende vor.

„Der zündende Moment“

„Irgendwann hatte ich sämtliche Reparaturarbeiten in Haus und Garten erledigt“, berichtet etwa Uwe Classen von seinen ersten Jahren im Ruhestand. Auf der Münchner Freiwilligen Messe hat Classen dann von dem Projekt Jobmentoring erfahren und sich angesprochen gefühlt. Vor seinem ersten Termin an der Hauptschule an der Lehrer-Wirt-Straße in der Messestadt Riem hatte er jedoch ein mulmiges Gefühl: „Ich muss zugeben, dass mich der schlechte Ruf, der unseren Hauptschulen in der Gesellschaft vorauseilt, beeinflusst hat“, erzählt Classen. Doch die ersten Gespräche mit den Schülern liefen gut.

Auf dem Rückweg von seinem Termin an der Hauptschule traf Classen auf drei Mädchen, die ihn fragten, ob sie auch mit ihm sprechen könnten, wenn sie Schwierigkeiten hätten, einen Ausbildungsplatz zu finden. „Das war der zündende Moment“, erzählt Classen, „denn natürlich kann jeder mit mir reden, der meine Hilfe braucht.“ Metin, ein ehemaliger Schützling Classens und heute Auszubildender in einem Maler- und Lackierbetrieb, wollte eigentlich Spannungsmechaniker werden: „Herr Classen hat mir klar gemacht, dass ich mich nicht nur auf einen Weg beschränken, sondern mehrere Alternativen ins Auge fassen soll und hat mir damit sehr geholfen.“

Auch ohne gute Noten

Doch die Jobmentoren versuchen nicht nur ihre Schützlinge auf die Realität des Arbeitsmarkts vorzubereiten, sondern sind auch bestrebt, schlechte Schulnoten nicht zu einem Ausschluss-Kriterium für einen Ausbildungsplatz werden zu lassen. „Es hat sich immer wieder herausgestellt, dass Schüler mit weniger guten Noten beziehungsweise ohne qualifizierten Hauptschulabschluss durchaus gute Auszubildende werden und einen erfolgreichen Berufsweg eingeschlagen haben“, erklärt dazu die Bürgerstiftung München.

Dies zeigt auch der Fall von Sabina Hasani, einer ehemaligen Schülerin der Hauptschule an der Eduard-Spranger-Straße im Hasenbergl. „Ich habe auf meine Bewerbungsanfragen viele Absagen bekommen, weil ich nicht so gute Noten hatte“, erzählt sie. Eher durch Zufall entdeckte ihre Jobmentorin Ille Sophie Schalk beim Einkaufsbummel die Stellenanzeige einer Metzgerei. Während eines Praktikums konnte Sabina dann auch die Geschäftsführer von ihrem Können und Engagement überzeugen. Inzwischen ist sie im zweiten Ausbildungsjahr. „Bei Sabina habe ich von Anfang an gemerkt, dass sie unbedingt arbeiten will und sich dafür auch ins Zeug legt. Das ist nicht bei allen Schülern so“, lobt Schalk.

Stolz und Freude

Für Sabina war die neue Ausbildungsstelle zunächst eine echte Herausforderung: „Am Anfang war es für mich schon anstrengend, um halb fünf Uhr morgens aufzustehen oder so viele neue Sachen zu lernen“, erzählt sie. Heute merkt man ihr im Gespräch den Stolz auf den eigenen Erfolg und die Freude über ihre Ausbildungsstelle an: „Ich kann schon fast alle Fleischsorten unterscheiden und auch an der Berufsschule läuft es ziemlich gut. Ich bin schon fast Klassenbeste“, berichtet Sabina. Auch Jobmentorin Schalk ist sicher, dass Sabina die richtige Ausbildung für sich gefunden hat: „Die Veränderung, die sie durchgemacht hat, ist enorm. Als ich sie kennengelernt habe, war sie sehr schüchtern und zart. Heute ist aus Sabina eine selbstbewusste, junge Dame geworden.“

Erfolgsgeschichten

Momentan betreuen 24 Jobmentoren 32 neunte Klassen an insgesamt 13 Hauptschulen. „Das Projekt wird sehr gut angenommen. Unser größtes Problem ist im Moment, neue Jobmentoren zu bekommen“, erklärt Wolfgang Thoennissen, der das Projekt vor rund drei Jahren ins Leben gerufen hat. Im Idealfall soll nämlich ein Jobmentor nur genau eine Klasse betreuen.

Doch auch so schreibt das Projekt kontinuierlich kleine und größere Erfolgsgeschichten. So berichtet Albert Hermann, Jobmentor an der Hauptschule an der Albert-Schweizer-Straße, von einem ehemaligen Schützling, der als Kochlehrling in der Münchner Gastronomie arbeitet: „Eines Tages ließen zwei Gäste den Azubi zu sich an den Tisch kommen. Sie stellten sich als Manager einer größeren, bekannten Hotelkette vor, die ihn für das gute Essen lobten. Sie boten ihm an, nach seiner Ausbildung direkt als Koch in ihrem Betrieb anzufangen.“ Von Sabrina Eisele





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