München und Umgebung |
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Aktuelles - 25.06.2009 SamstagsBlatt
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München · Da schau her!
Albrecht Ackerland über Graffiti
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Froh bin ich, dass sich mein Talent zur gestaltenden Kunst in sehr engen Grenzen hält, es reicht noch nicht einmal für unfallfreies Malen nach Zahlen. So habe ich dann auch nie die Bekanntschaft mit der Polizei machen müssen. Falls Sie jetzt fragen: Malen? Vollzugsbeamte? Wieso Strafverfolgung, wenn der Ackerland seinen Senf auf Leinwand schmiert? Oder wäre seine künstlerische Leistung so unterirdisch, dass die Geschmackspolizei mit Handfesseln kommt? Ihnen sei gesagt: Könnte ich malen, ich wäre Sprüher, Graffiti-Maler – und zwar ein Illegaler. So, jetzt ist es raus.
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Seit jeher sympathisiere ich mit dieser Kunst, der dieser Hauch von Verbrechen
anhaftet. Ja, ich weiß: Viele Hausbesitzer – von der Deutschen Bahn gar
nicht zu sprechen – haben ihren großen Ärger mit Graffiti, ein ganz großer
Haufen Geld geht für die Reinigung drauf.
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Wir sind zwar schon weit gekommen mit der Akzeptanz, Werke berühmter Straßenkünstler
gehen für Hunderttausende bei den großen Auktionshäusern an Sammler, die
Werbung bedient sich reichhaltig im Arsenal des Graffiti-Artverwandten wie
etwa der Schablonenkunst. Jeder bessere Garagenbesitzer lässt sein Tor von
den Nachbarsbuam vollsprühen.
Aber unter uns gesagt: Ich finde in kürzester Zeit bei stockdunkler Nacht
vollgemalte S-Bahnen mitunter wirklich schön. Und viel zu selten prangt
an den Wänden der Stadt ein Bild von derartiger Qualität, dass das ganze
Viertel darüber spricht – und das womöglich in der nächsten Nacht von einem
noch besseren Sprayer übermalt wurde. Weiß Gott, woran es liegt, das die
Szene schon einmal umtriebiger war. Vollkommen klar, dass Privateigentum
nicht einfach nach Gutdünken verschönert werden kann – und irgendjemand
das auch schützen muss.
Ich träume von der Zeit, wenn die dann auch in Graffiti ausgebildete Polizei
nachts einen Sprayer erwischt, und mit ihm über die Farbwahl diskutiert.
Bis es so weit ist, würden mir aber auch schon mehr sogenannte legale Wände
reichen – von der Stadt wie von Privateigentümern. Denn, einmal abgesehen
von meinem künstlerischen Geschmack: Eine Dose oder ein Filzstift in der
Hand eines gelangweilten Jugendlichen ist immer noch wesentlich besser als
eine Schnapsflasche. Oder gar ein Messer.
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