Veröffentlicht am 29.01.2009 00:00

München - Firm in Sachen Job

Firmenchefin Jenny Leucz von der Simmernschule bietet gesunde Snacks zur Pause an.	 (Foto: Privat)
Firmenchefin Jenny Leucz von der Simmernschule bietet gesunde Snacks zur Pause an. (Foto: Privat)
Firmenchefin Jenny Leucz von der Simmernschule bietet gesunde Snacks zur Pause an. (Foto: Privat)
Firmenchefin Jenny Leucz von der Simmernschule bietet gesunde Snacks zur Pause an. (Foto: Privat)
Firmenchefin Jenny Leucz von der Simmernschule bietet gesunde Snacks zur Pause an. (Foto: Privat)

Einige Achtklässler an Münchens Hauptschulen sind derzeit nicht nur Schüler, sondern auch Bilanzbuchhalter, Werbegrafiker und sogar Geschäftsführer. In einem Schülerunternehmen lernen die Jugendlichen im Rahmen des Projekts „firm – Münchner Hauptschulen gründen Schülerfirmen“ unter echten Bedingungen, wie die Wirtschaft funktioniert und erwerben so Schlüsselqualifikationen für das spätere Berufsleben.

Zunächst entwickelten die Schüler eine Geschäftsidee. Das für die Geschäftsgründung erforderliche Startkapital beschafften sich die jungen Existenzgründer durch den Verkauf von Anteilsscheinen. „Die Schülerfirmen sollen möglichst realitätsnah geführt werden. Dazu eröffneten die Schüler eigene Girokonten, die ihnen die Stadtsparkasse für den Zeitraum des Projekts kostenlos bereitstellt“, erklärt Gerhard Zimmermann vom Staatlichen Schulamt, das zusammen mit dem Arbeitskreis Hauptschule Wirtschaft das Projekt ins Leben gerufen hat.

Seit Herbst produzieren die Schülerunternehmen und bieten ihre Dienstleistungen an. Das Angebot reicht dabei von Wohnaccessoires über Handytaschen aus Lkw-Planen bis zur Verwertung von Schrotträdern. Einkaufs- und Haushaltshilfen für ältere Mitbürger sind eine weitere Geschäftsidee. „Die jungen Unternehmen haben ihre Werbemaßnahmen gestartet und erste Verkaufserfolge bei Schulfesten und in Einkaufsmärkten erzielt. Schnell sammelten die Schüler wirtschaftliche Erfahrungen, lernten die Bedeutung einer genauen Buchführung kennen und erlebten, dass nicht jeder Mitarbeiter für jede Aufgabe geeignet ist“, berichtet Zimmermann.

Auch bei „Textstar“, der Schülerfirma der Schwindschule in der Maxvorstadt, die Kissen, Federmäppchen und Chucks modisch verziert, sind die Aufgaben genau verteilt. „Yvonne kann gut zeichnen, sie bereitet die Skizzen für die Textilien vor. Und Philipp ist zuständig für die Finanzen“, sagt Firmenchef Tarkan Hain. Das Schülerunternehmen musste sogar schon einen Mitarbeiter entlassen. „Er war einfach kein Teamplayer und hat immer nur Clown gespielt. Solche Mitarbeiter kann keine Firma gebrauchen“, sagt der 15-jährige Firmenchef.

Bei „Glas, Deko & Design“, dem Schülerunternehmen der Situlischule in Freimann, mussten sich die Achtklässler sogar um einen Job bei der Schülerfirma, die Schmuck aus Steinen und Muscheln herstellt, bewerben. „Das Casting haben Mitglieder der ehemaligen Schülerfirma vom letzten Jahr durchgeführt. Das hat einen anderen Wert, als wenn die Bewerber von Lehrern interviewt werden würden“, erklärt Schulleiter Klaus-Peter Mauser. Auch an der Simmernschule in Schwabing mussten sich die

Jugendlichen um eine Stelle bei der Schülerfirma bewerben. Insgesamt acht Schüler arbeiten nun bei „healthy breakfast“ und bieten gesunde Snacks zur Pause an. „Nach einer Umfrage zum Thema Gesundheit und Ernährung kam heraus, dass über die Hälfte der Schüler kein Frühstück oder mal ein gesundes Pausenbrot bekommt“, berichten Brigitta Kainz und Petra Holz, die Betreuerinnen des Projekts an der Sim-

mernschule.

„Dagegen wollten wir etwas unternehmen.“ Firmenchefin Jenny Leucz und ihre Mitarbeiter bieten nicht nur gesunde Kost zur Pause an, auch bei Elternabenden organisieren sie ein richtiges Catering. „Wir haben extra T-Shirts drucken lassen und sogar ein eigenes Firmenlogo entworfen – eine lachende Semmel“, erzählt die 14-jährige Firmenchefin.

Kulinarisches bietet auch „Toni Snack MaxX“ an. Die Schülerfirma der Toni-Pfülf-Schule aus der Lerchenau nutzt die Aula für Filmvorführungen. Allerdings dürfe dafür aus rechtlichen Gründen kein Geld verlangt werde, erklärt Schulleiter Clemens Hauck. Daher haben sich die Schüler nun für Unterhaltungsgastronomie entschieden und bieten passend zum Film kleine Snacks an.

Die Schülerfirma der Haldenbergerschule in Hartmannshofen – „Pink Cadillac Productions“ – hat die Vermarktung eines Musicals zum Ziel. Dafür werden Darsteller gecastet, ein Programmheft erstellt sowie ein Catering-Service angeboten. „Wir lernen, dass auch Werbung und Buchführung wichtig sind für ein erfolgreiches Unternehmen“, sagt

Angelina Hageleit, Hauptdarstellerin des Musicals. „Aber man muss interessiert sein, es macht nämlich Arbeit – wie im richtigen Leben“.

Die Schülerfirma der Schleißheimer Schule in Milbertshofen möchte nicht nur innerhalb der Schule verkaufen, sondern auch Läden im Stadtviertel für ihre Ware begeistern. „In Kooperation mit der Hochschule München stellt unsere Schülerfirma Seidentücher her, die wir zur Stärkung des Sozialraums Milbertshofen auch in kleinen Läden verkaufen möchten“, sagt Schulleiter Johann Gressirer.

Insgesamt nehmen 20 Münchner Hauptschulen am „firm-Projekt“ teil. Neben Produktion und Verkauf lernen die Schülerfirmen außerdem, Präsentationsunterlagen zu erstellen, um den Verkauf ihrer Arbeit und ihre Erkenntnisse zu dokumentieren. Zum Abschluss des Projekts findet Ende Mai die „firm-Messe“ statt. Dort werden die Schülerfirmen einer Jury aus Schul- und Wirtschaftsvertretern einen selbst produzierten Werbespot vorführen. Die erfolgreichste Schülerfirma wird am Ende mit einem Geldpreis prämiert. Von Stefanie Moser

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