Von frisch geschlüpft bis gefühlte hundert Jahre alt von Tokio Hotel bis Peter Maffay reicht die Spanne der Künstler, die im April auf Münchens Bühnen ihr Stelldichein geben. Und quasi als Steigerung werden bei den kommenden Shows sogar Verstorbene wiederbelebt: bei One Night of Queen etwa, in der Rock-Legende Freddie Mercury auferstehen soll.
Aber starten wir mit den ersten Konzerten im April und mit der Regel Alter vor Schönheit.
Wolfgang Niedecken, der als BAP-Frontmann mehr durch seinen kölschen Dialekt als durch sein Aussehen berühmt wurde, ehrt einen Mann, der ebenfalls nicht wegen seines Äußeren, sondern wegen seiner Musik einen ewigen Platz im RocknRoll-Himmel einnimmt: am 2. April jedenfalls singt Niedecken Bob Dylan-Hits und liest aus dessen Biographie vor ab 20 Uhr im Deutschen Theater. Bob Dylan ist für mich der Einstein der Musik, sagte der BAP-Sänger einst und wer hat je von einem Superhirn erwartet, dass es hübsch aussieht?
Bei jungen Sängerinnen verhält sich das in der Regel anders: Egal, wie viel sie können: sie sollten auch was fürs Auge bieten. Wie Amy Winehouse beispielsweise, die wegen einiger Suff-Eskapaden gerade zum Bad Girl der Soul-Szene mutiert. Was ihrem Aussehen und ihrer Kunst nicht zu schaden scheint: gewohnt lasziv gibt sie sich auch auf dem Cover ihres jüngsten Albums Back to Black, und als würde das nicht reichen, bekam sie bei den Brit Awards die Trophäe als beste englische Sängerin überreicht. Und das, obwohl sie am liebsten über Sex und Alkohol singt. Wer sich mit ihr berauschen will: am 1. April spielt sie ab 20.30 Uhr in der Muffathalle kein Scherz. Busta Rhymes hingegen wird weder einen Schönheits-, noch einen Schlauheitswettbewerb gewinnen.
Dafür allerdings ist er Anwärter auf die Goldmedaille im Schnellsprechen: der New Yorker Musiker, der gerne einen auf dicke Hose macht, klingt beim Rappen gelegentlich so, als würde er seine Worte mit einem Maschinengewehr abfeuern. Am 8. April schießt er in der Elserhalle los ab 21 Uhr.
Melodischer wirds bei One Night of Queen zugehen, einer Show mit Gary Mullen als Freddie Mercury am 13. April, ab 20 Uhr, im Circus Krone. Das Spektakel soll die weltweit einzige Queen-Tribute-Show sein, die von Queen autorisiert und empfohlen wird. Zumindest von den Bandmitgliedern, die noch übrig sind und die vor zwei Jahren mehr schlecht als recht versucht haben, ein Comeback auch ohne Meister Freddie hinzubekommen.
Endlich ein wirklich schöner Mann! Am 14. April lässt Lionel Richie Münchens Frauen dahinschmelzen ab 20 Uhr in der Olympiahalle. Seine Hits wie Dancing On The Ceiling, Easy, All Night Long oder Three Times A Lady jedenfalls dürften bei seinem Konzert Nebensache sein Dass Richie seit fast 40 Jahren im Geschäft ist, sieht man ihm jedenfalls nicht an.
Bratsch verdienen hingegen erst seit 30 Jahren ihre Brötchen mit Musik: und das leider nur halb so erfolgreich wie Richie. Auch in ihrem neuen Album Plein du Monde bringen die Pariser Zigeunermusik, Jazz, Klezmer und Folk virtuos unter einen Hut. Mit viel Gefühl, emotionalem Gesang so dass der Nostalgie Osteuropas wunderschön gehuldigt wird. Am 16. April gastieren sie ab 20.30 Uhr im Ampere.
Obwohl Peter Maffay aus Osteuropa aus Rumänien stammt, klingen seine Lieder wenig nach der Nostalgie von drüben: der 168 Zentimeter kleine Mann mit dem pfenniggroßen Muttermal links über der Lippe ist vielmehr ein Bilderbuch-Schmuserocker. Am 21. April schnulzt er ab 20 Uhr in der Olympiahalle.
Ebendort wird auch am 24. April gekuschelrockt: Tokio Hotel, die Fleisch gewordenen Träume schlafloser Teeniemädchen, bringen letztere rund zwei Stunden lang zum Dauerkreischen schulmädchenfreundlicherweise bereits ab 18.45 Uhr. Von Nadine Nöhmaier