München - Legendäre Melodien mit gefälligen Rhythmen, bevorzugt Swing, aufgepeppt, diesen Trend gibt es schon länger. Das erfreut durch geringen Aufwand und großen Nutzen besonders die gebeutelte Plattenindustrie am Ende kommt ganz gern mal weichgespülte Loungemusik und belangloses Hintergrundgedudel heraus. Aber es geht auch anders.
Zwar basiert das Konzept des Münchner Quartetts Quadro Nuevo auf Tango-Klängen, und das passt auch wunderbar zum gemütlichen Sonntagmorgen-Frühstück. Aber die vierköpfige Combo, die sich angeblich 1996 an einem grauen Januartag zum ersten Mal auf einem Parkplatz in der Nähe von Salzburg gefunden hat, spielt Kaffeehausmusik mit Stil: charmant, voller Überraschungen und technisch virtuos. Auf ihrer soeben erschienen neuen CD Tango bitter sweet sind Klassiker wie Paroles, Paroles und Eigenkompositionen zu hören.
Dabei mischt das preisgekrönte Quartett europäisch geprägten Tango mit Elementen des Flamenco, des Balkan-Swing und Improvisationen. Resultat: Stimmungsmusik pur, voller poetischer Bilder jenseits von abgenudelten Klischees. Da vibrieren aber auch mal dramatisch die Mandolinen. Oder kaum hörbar zirpen Grillen und Gläser klirren.
Die nostalgisch-akustische Besetzung ist nicht nur auf Tonträger oder in Konzertsälen zu Gast: etwa am Sonntag, 12. November, im Prinzregententheater. Die Truppe reist auch als Straßenmusikanten durch den mediterranen Süden und fordert als nächtliche Tango-Kapelle zum Tanz. Oder eben im heimischen Wohnzimmer. Von Michaela Schmid