Mia san mehr als mia: Wir sind auch Papst, Nobelpreisträger und Kanzlerin sind wir auch: Das Jahr 2005 ließ uns in viele hochkarätige Rollen schlüpfen; von A wie Allianz-Arena bis Z wie Zauderlehrling Edmund Stoiber weihten und entweihten wir überdies bayerische Heiligtümer. Eine Rückschau auf eine spannende Zeit.
Zu Beginn des Jahres 2005 überschattete eine traurige Nachricht die Stadt München: Modezar Rudolph Moshammer wurde am 14. Januar in seiner Grünwalder Villa erdrosselt. Nachdem sein Mörder binnen 24 Stunden dingfest gemacht wurde, beschäftigten sich viele Münchner mit den Vorbereitungen für die Trauerzeremonie. Der Pomp der aufwendigen Feier hätte dem Münchner Original sicherlich gefallen: 15.000 Menschen standen Spalier, als der König der Herzen zu Grabe getragen wurde und ein eigener Mosi-Löwe wurde gestaltet (Bild). Seit der Trauerfeier für den ehemaligen bayerischen Landesvater Franz Josef Strauß hatte die Stadt keine solch aufwendige Beerdigung mehr gesehen. Der Mörder Mosis, der 26-jährige Iraker Herisch Abdullah, wurde am 21. November 2005 zu lebenslanger Haft verurteilt, die Richter betonten die besondere Schwere der Schuld.
Apropos Strauß: 2005 bekleckerte sich der bislang erfolgreichste Spross des ehemaligen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß nicht gerade mit Ruhm. Mitte April beschuldigte Maximilian Junker ehemals JU-Funktionär die damalige bayerische Kultusministerin und Strauß-Tochter Monika Hohlmeier (CSU) in einem Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtags: Sie sei die Dirigentin der Wahlfälschungen gewesen. Sie habe frühzeitig von gefälschten Aufnahmeanträgen und Stimmenkäufen in der Münchner CSU gewusst. Im Zuge der Affäre trat sie wenige Tage später mit den Worten zurück: Ich habe auch Fehler gemacht.. Inzwischen studiert sie Volkswirtschaft ein Jugendtraum. Ganz vorbei sind die politischen Ränkespiele für die Strauß-Tochter übrigens noch nicht. Weiterhin versucht ein Untersuchungsausschuss des Landtages zu klären, ob Hohlmeier (CSU) Amt und Parteiarbeit verquickt hat, also ob Staatsbeamte in ihrem Ministerium auf Staatskosten für die CSU tätig waren.
Am Ostermontag diesen Jahres hatte ein Münchner die Nase voll und zwar von gesundheitsgefährdendem Feinstaub. An der Landshuter Allee wurde an dem Tag der Grenzwert (50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft) dieser unsichtbaren Partikel zum 36. Mal überschritten obwohl seit 1. Januar 2005 EU-weit lediglich 35 Überschreitungen pro Jahr erlaubt sind.
Dieter Janecek, ein Anwohner der Landshuter Allee, klagte daraufhin vor dem Bayerischen Verwaltungsgericht: er forderte von Stadt beziehungsweise Land, Maßnahmen gegen den Feinstaub zu ergreifen. Das Gericht schmetterte die Klage Janeceks ab. Der 29-Jährige aber hat einen langen Atem: Wenns sein muss, klage ich mich durch bis vor den Europäischen Gerichtshof. Inzwischen ist die 35-er Grenze übrigens auch am Stachus und in der Prinzregentenstraße überschritten und die Landshuter Allee hat die Hürde insgesamt 105-mal gerissen.
Nicht nur Janecek, auch Uschi Glas hat dieses Jahr einen Prozess und ein wenig auch ihr Gesicht verloren. Denn: Die Stiftung Warentest hat im April 2004 die Gesichtscreme der Pflegelinie Uschi Glas hautnah” mit mangelhaft” bewertet: Elf von dreißig ihrer Probandinnen hatten nach Benutzung der Creme Pickel und Pusteln im Gesicht und klagten über Brennen auf der Haut; sieben von ihnen mussten den Test sogar abbrechen. Der Umsatz der gesamten Pflegelinie erhältlich etwa bei Home Shopping Europe - brach daraufhin um achtzig Prozent ein. Glas forderte, Stiftung Warentest dürfe die Qualität des Produktes nicht länger anzweifeln, die Creme sei in Ordnung. Das Gericht allerdings gab Stiftung Warentest Recht die Schönheitspflege darf auch weiterhin als mangelhaft bezeichnet werden. Eine hässliche Geschichte, die aber durch den Promifaktor deutlich verschönert wurde.
Habemus Papam. Und noch dazu einen bayerischen: Kardinal Josef Ratzinger machte am 19. April das Rennen um den Heiligen Stuhl. Um 17.50 Uhr stieg an diesem Tag weißer Rauch aus dem Kamin der Sixtinischen Kapelle, zehn Minuten später läuteten in der gesamten katholischen Welt die Glocken: die Katholiken hatten ein neues Oberhaupt. Ratzinger ist als Benedikt XVI. der erste deutsche Papst seit 482 Jahren. Ein guter Grund für Münchens CSU, ihn entsprechend zu würdigen: Ginge es nach Hans Podiuk, würde Benedikt XVI. im kommenden September die Stadt als Ehrenbürger besuchen. Münchens Grüne allerdings widersprechen: Benedikt XVI. muss nicht geehrt werden, er ist hundertprozentig rückwärts gewandt, wettert Grünen-Stadträtin Lydia Dietrich. Mit ihm wird sich die Kirche nicht öffnen. Gleichberechtigung von Frauen scheint für ihn ein Fremdwort zu sein.
München hat nicht nur einen Papst, München hat auch eine Kathedrale: Mit Pauken und Trompeten wurde diese Ende Mai eingeweiht. Endlich: Habemus Allianz-Arena. Ein würdiger Ort für göttlichen Fußball. Obwohl: manche nennen sie liebevoll Schlauchboot, böse Stimmen aber sprechen von der Arroganz-Arena oder gar dem Kaiser-Klo. Es ist allerdings anzunehmen, dass die meisten Münchner stolz sein werden, wenn dort am kommenden 9. Juni 66.000 Menschen live das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft miterleben. Und gute Chancen haben wir auch, zu gewinnen, sind wir doch bereits Glücks-Weltmeister. Unsere Nationalmannschaft eröffnet die WM mit einem Spiel gegen Costa Rica. Costa Rica nie gehört? Eben. Wird schon alles schief gehen.
Die Bundesgartenschau 2005 sollte nicht nur den Stadtteil Riem, sondern auch die städtische Kasse zum Blühen bringen. Leider aber welkte das Interesse an der Buga im Laufe des Sommers rapide: Schlechtes Wetter und ein umstrittenes Ausstellungskonzept hatten viele Besucher abgeschreckt und so waren nur rund drei Millionen nach Riem gekommen, viel zu wenig. An der Stadt blieb anschließend ein Defizit von rund fünf Millionen Euro hängen.
Drei Zentimeter fehlten zur Katastrophe: Der Pegelstand der Isar hatte am 23. August die Marken des Pfingst-Hochwassers von 1999 überschritten. Dank der Renaturierungsmaßnahmen blieb die Isar aber in ihrem Bett, das Grundwasser jedoch drückte in diverse Keller, beispielsweise in den des Deutschen Museums. Zuvor hatte es in ganz Bayern sintflutartige Regenfälle gegeben und einzelne Ortschaften von der Außenwelt abgeschnitten.
Bitte recht leise!: Am 17. September startete das Oktoberfest, das heuer eine Flüster-Wiesn war. Bis 18 Uhr sollte nur ruhigere Blasmusik in den Zelten gespielt werden als Entgegenkommen an die älteren Wiesn-Besucher und Familien mit Kleinkindern. Es hagelte daraufhin Proteste vor allem von jüngeren Oktoberfest-Fans: Die Besucher seien lauter als die Kapellen gewesen. Fazit war aber letztendlich, dass es auch ganz schön ist, wenns mal a wengal staader zuageht.
Die perfekte (Licht-)Welle: Am 4. Oktober erfuhr der Münchner Professor Theodor Hänsch, dass er den diesjährigen Nobelpreis für Physik erhält. Der 63-Jährige hatte eine Art Laser-Lineal entwickelt, das zum Messen und zur Farbbestimmung des Lichts von Atomen und Molekülen verwendet werden kann. Frequenzen können mit einer bisher nicht gekannten Genauigkeit von 15 Stellen hinter dem Komma bestimmt werden. Die Folge: Atom- oder Quarzuhren geben so die Zeit noch genauer wider. Und die Satellitennavigation kann künftig durch Hänschs Erfindung noch exakter laufen.
Die neue Miss Germany ist 51 Jahre jung, und galt bislang nicht gerade als modebewusst: Angela Merkel (CDU) ist Deutschlands neue Kanzlerin. Und damit ist es ein für allemal besiegelt: König Edmund von Bayern wird garantiert nicht bundesdeutscher Regierungschef. Ein harter Schlag für den Ober-Bayern, fühlte er sich doch zu Höherem berufen. Jetzt konnte er maximal noch Superminister unter einer Chefin werden, mit der ers ned kann. Nach langer Diskussion über Ampeln, Schwampeln und Jamaica schließlich outete sich Edmund Stoiber als echter Zauderlehrling: Weil er zwar, wie gesagt, nicht mit der Merkel kann, mit dem Münte dafür um so mehr, sah er nach langem Hin und Her fortan in Berlin, äh, München, die Erfüllung seines beruflichen Glücks. Doch bei uns in der Landeshauptstadt hatte man mit ihm eigentlich schon abgeschlossen und noch viel mehr in der CSU. Stoiber möchte zwar für immer Ministerpräsident bleiben, aber böse Zungen behaupten, er werde nächstens von seiner Partei auf den Bürgermeister-Posten von Wolfratshausen abkommandiert. Wie der bayerische Macht-Poker auch ausgeht: Spannend wird es im kommenden Jahr sicherlich zugehen.