Was macht ein Gitarrengott, nachdem er in seinem Musiker-Leben so ziemlich alles erreicht hat? Im Falle Ritchie Blackmores nimmt er eine Laute zur Hand und lässt seine junge Freundin zu Renaissance-Klängen süßlich singen. Man sieht: Seit seiner Zeit als Deep Purple-Saitenhexer ist viel Rauch übers Wasser gezogen.
Mit Smoke On The Water schrieb Blackmore RocknRoll-Geschichte der Hook auf dem 72-er-Deep Purple-Album Machine Head wurde legendär. Legendär auch Blackmores Ruf als extrovertierter, streitlustiger Derwisch, legendär seine kräftigen Impulse für den Hardrock. Und legendär hätte auch seine Zeit mit Rainbow werden können, wenn Blackmore nicht plötzlich verkündet hätte: Schluss, aus, vorbei.
Der Gitarrengott kehrte dem RocknRoll den Rücken und umgab sich seit 1997 nur noch mit Melodien des 16. Jahrhunderts. Er studierte Werke von Heinrich VIII., Michael Pretorius und anderen. Wenn die alten Bandkollegen mal wieder versuchen, ihn zum Comeback zu überreden, winkt der böse schwarze Mann von damals immer ab. RocknRoll langweilt mich. Ich hab mich wohl zu lange ausgetobt, sagt er.
Die Minne dagegen habe etwas Majestätisches, sei daher zeitloser. Seine Freundin Candice Night lernte Blackmore bei einem Fußballspiel kennen. 26-jährig wirft sie ihre Modelkarriere über Bord und startet mit ihm und ihrem feenhaften Gesang das Projekt Blackmores Night. Heraus gekommen ist dabei ein Mix aus mittelalterlichem Folk, Minnegesang, Rock und Romantik. Mit Sounds à la Deep Purple hat die Band nichts am Hut.
Die bevorzugten Auftrittsorte von Blackmores Night entstammen übrigens einer Leidenschaft Blackmores aus den 70ern: Wenn Deep Purple beispielsweise in Deutschland tourte, verschanzte er sich lieber in verstaubten Gemächern von Burgen und Schlössern, statt mit seinen Kollegen im Hotel zu residieren. Jedenfalls spielen er und seine Candice ihre Konzerte oft in jahrhundertealten Kerkergewölben und Kirchen.
Für ihr Konzert in München allerdings muss der Herkulessaal der Residenz genügen: Dort gastieren sie am heutigen Samstag, ab 20.30 Uhr. Von Nadine Nöhmaier