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Freizeit & Kultur - 11.11.2004
SamstagsBlatt

Oscar-Stars von morgen in München

Das internationale Fest der Filmhochschulen lockt mit Newcomern

„Wer weiß - vielleicht sehen Sie einen der jungen Filmemacher, der jetzt noch schüchtern im Stadtcafé sitzt, in einigen Jahren bei der Oscar-Verleihung im Fernsehen wieder!“ – so jubelt OB Christian Ude.

Filme von engagierten Münchner Jugendlichen - „Abendschule




Ude könnte Recht behalten in seiner wöchentlichen Internet-Kolumne auf „www.muenchen.de“.

Schon in der Vergangenheit startete manche Karriere eines inzwischen prominenten Filmemachers auf dem internationalen Fest der Filmhochschulen in München. Nick Park etwa, mit seinem „Wallace & Gromit“ später in die Riege der Top-Regisseure aufgestiegen, präsentierte in München seine ersten Zelluloids. Auch der Däne Lars von Trier machte in München seine ersten cineastischen Schritte. Spätere gewann er die Goldene Palme in Cannes und wurde Begründer der DOGMA-Schule, einem revolutionären Regelwerk für die Mache von Spielfilmen ohne technischen Aufwand.

Sowieso waren alle deutschen Filmemacher von Rang schon bei diesem Festival zu Gast, nicht nur die Münchner Caroline Link oder Florian Gallenberger. Beide aber gewannen schon echte Oscars – Link 2003 mit „Nirgendwo in Afrika“ und Gallenberger 2001 mit „Quiero Ser“ – was Ude wohl zu seiner eingangs erwähnten Aussage trieb.

Ja, es könnte wirklich sein, dass man nächste Woche dem einen oder anderen Star von morgen über den Weg läuft. Am Montag startet das 24. Festival der internationalen Filmhochschulen – in diesem Jahr auf sechs Tage ausgeweitet – und die meisten Macher der 52 Filme von 35 Hochschulen aus 25 Ländern werden anwesend sein.

Gleich sieben deutsche Akademien sind dabei vertreten. Selbstverständlich auch die Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) aus München mit Sebastian Sterns Werk „Fang des Lebens“. Dabei wird die Geschichte vom kleine Quirin erzählt, der die Sommerferien bei seinen Großeltern verbringt. Er ist voller Vorfreude auf das Angeln mit Opa, dessen Leidenschaft zeitlebens die Fische waren. Aber der Großvater ist alt und krank geworden und seitdem er nicht mehr angelt, schwindet sein Lebensmut. Da fasst Quirin einen weitreichenden Entschluss. Welchen, das lässt sich am Montag um 17.30 und am Dienstag um 22.30 Uhr erfahren, wenn der einfühlsame Film gezeigt wird.

Zwei Filme hat die Berliner Hochschule angemeldet: Olaf Encke zeigt in seinem dialogfreien Trickfilm „King of Fools“ was mit Fröschen passiert, die nicht geküsst werden - sie müssen hart um die Gunst der Prinzessin buhlen. Um die hochnäsige Gazelle zu beeindrucken, schlüpft der Frosch in verschiedene Rollen und macht sich dabei zum Idioten. Fast wie im richtigen Leben (Dienstag, 17.30 und Donnerstag 20 Uhr).

In Felix Gönnerts Animation „Lucia“ entdeckt die Protagonistin auf ihrer nächtlichen Erkundung durch ein Krankenhaus Röntgenbilder. Das Bild eines Kopfes regt ihre Phantasie an – Traum und Wirklichkeit vermischen sich. Ihre Krankheit führt Lucia zu einem Ort des Ursprungs. Nach der Rückkehr in die Realität überwiegt die Hoffnung (Mittwoch und Freitag, jeweils 17.30 Uhr).

Ebenfalls in Berlin sitzt die Deutsche Film- und Fernsehakademie, von ihr reisen drei Studenten an. „Escape!“ von Christoph Wermke befasst sich mit der ostdeutschen Provinz, mit Stagnation, Arbeitslosigkeit und Landflucht (Montag und Mittwoch, jeweils 20 Uhr). Philipp Wolf schickt in seinem „Airstream“ eine junge Frau alleine im Zug auf die Reise, nachts. Nachdem sie eingeschlafen ist, betreten ein Mann und eine Frau das Abteil. Sie scheinen sich auch schlafen zu legen (Mittwoch und Freitag, jeweils 15 Uhr). Ulrike von Ribbeck zeigt in „Charlotte“ wie diese nach einem längeren Aufenthalt in New York nach Berlin zurückkehrt. Allein in der Großstadt sucht sie nach Anschluss zu alten Freunden. Nur mit fünf Euro und einem Abendkleid will sie dort anschließen, wo sie irgendwann aufgehört hat (Donnerstag, 15 Uhr, Freitag, 20 Uhr).

Deutschland, Filmland – auch aus Ludwigsburg, Kassel, Köln und Dortmund kommen junge Macher mit ihren Streifen. Doch das Ausland hält ordentlich Schritt, auch aus Cuba, Brasilien, Mexico, den Philippinen, Australien, Indien und China kommen die Werke. Das gesamte europäische Ausland ist ohnehin mit seinen Hochschulen vertreten, ob Rumänien oder Norwegen, ob Dänemark oder Serbien-Montenegro, ob Bulgarien oder die Niederlande.

Das dichtgedrängte, hochinteressantes Leinwandprogramm präsentiert sich von Montag bis Samstag im Filmmuseum am St.-Jakobs-Platz 1. Dort gibt es auch eine ausführliche Programmschrift sowie weitere Informationen. Am Samstag läuft zum Abschluss ab 13 Uhr den ganzen Nachmittag Neues von der HFF München, ab 20.30 Uhr werden die Preisträger-Filme des gesamten Festivals noch einmal gezeigt, mit Wiederholung um 23 Uhr. Spätestens dann kann man sicher sein, den Film eines baldigen international Prominenten zu sehen – seinen ersten!

Informationen findet man auch im Internet unter www.filmschoolfest-munich.de.

Lange bevor junge Kreative an Filmakademien zu professionellen Filmemachern werden, haben viele schon im Jugendalter ihre ersten Drehversuche unternommen. Solche Filme von engagierten Münchner Jugendlichen werden jährlich im Rahmen von „Flimmern & Rauschen“ gezeigt, dem Münchner Jugendfilmfest. (Im Bild: „Abendschule“). Am 25. und 26. November flimmert in der Muffathalle (Zellstraße 4) ein insgesamt 20-stündiges Programm aus Dokus, Kurzgeschichten und Trickfilmen. Das Festival beginnt am Donnerstag, 26. 11., um 16 Uhr. Der Einlass ist an beiden Tagen nonstop bis 22 Uhr. Für Schulklassen gibt’s zudem am Freitagvormittag Sondervorführungen zu ermäßigten Eintrittspreisen. Die regulären Tageskarten kosten ansonsten immer noch günstige 3,50 Euro, die Dauerkarte 5 Euro. Infos unter www.jff.de/flimmern

Von Albrecht Ackerland



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