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Aktuelles - Artikel vom 27.10.2004

Ein Bild von »Bunnyhill«

Projekt der Münchner Kammerspiele will Hasenbergl-Klischees abbauen

Hasenbergl · In der Wintersteinstraße ist am 26. Oktober eine Botschaft eröffnet worden. Es ist die Botschaft von »Bunnyhill«, einem Staat auf Zeit« – so jedenfalls sieht sich das Projekt »Bunnyhill« der Münchner Kammerspiele.

Als Berliner kennt Sven Mundt die Klischees von einzelnen Stadtteilen und weiß, dass die meisten gar nicht stimmen. Foto: cr




Dabei handelt es sich aber keineswegs um eine Kunstaktion, die sich selbst gefallen will, sie soll vielmehr einen Prozess in Gang setzen, der den Menschen zeigt, »dass ihr Bild vom Hasenbergl verzerrt und falsch ist«, wie Sven Mundt sagt. Der Videokünstler führt derzeit Interviews mit Hasenberglern und ehemaligen Bewohnern des Stadtteils, einschließlich Frauenholz.

Wer sich dazu zählt, kann an dem Projekt teilnehmen. »Es gibt schon einige Resonanz«, erzählt der aus Berlin stammende Videokünstler, der sich seit August intensiv mit der Geschichte des Hasenbergls und seinen Bewohnern auseinandersetzt. »Wir wollen dem Hasenbergl ein Bild geben, das München nicht kennt«, umreißt er das Ziel von »Bunnyhill«.

Seine Interviews sind für die Gesprächspartner freiwillig. Es handelt sich um 27 Fragen, die die Befragten nicht kennen und auf die sie spontan vor laufender Kamera antworten. Wem das Ergebnis nicht gefällt, der kann seinen Beitrag zurückziehen.

Die Fragen beziehen sich weniger auf den Stadtteil, vielmehr soll durch Angaben zur persönlichen Biographie das eigene Hasenbergl-Bild vermittelt werden – und wer könnte das besser, als Menschen, die einen Teil ihres Lebens dort verbracht haben.

Gefragt sind übrigens ebenso junge wie ältere Leute. »Mein jüngster Gesprächspartner ist zum Zeitpunkt des Interviews 13 Jahre alt«, erzählt Mundt.

Wer sich als Gesprächspartner an dem Projekt beteiligen will, kann sich unter Tel. 2 33-3 68 11 an Lara Jochmann wenden. Sie hat weitere Informationen und stellt den Kontakt zu Sven Mundt her.

Aus den fertigen Interviews, von denen jedes etwa eine halbe Stunde dauert, werden einige markante ausgewählt und aneinander geschnitten. Daraus entsteht ein zwei- bis dreistündiger Film, der im Rahmen des Projekts bei den Münchner Kammerspielen gezeigt wird. Dass der Film sehr lang ist, weiß auch Sven Mundt. Doch der Videokünstler hat mit ähnlichen Projekten bereits Erfahrungen gesammelt – in Leipzig, Meiningen und Frankfurt/Main.

»Die Menschen haben dort immer was mitgenommen aus den Interviews«, erzählt er. Die meisten hätten gar nicht gemerkt, dass der Film so lang ist. Wer’s doch merkt: »Die Leute können auch während der Vorstellung mal rausgehen, da bin ich dann auch nicht böse«, zeigt Mundt Verständnis.

Der Film wird nicht nur als »Vollversion« in den Kammerspielen gezeigt, sondern auch als Kurzfassung vor oder nach einem Theaterstück – und natürlich in der Botschaft im Hasenbergl. Diese hat ihr Quartier übrigens im »Club«, Wintersteinstraße 36.

Zur Eröffnung wird auch der Münchner Sozialreferent Friedrich Graffe kommen, sozusagen als Botschafter der Landeshauptstadt, der die Probleme am Hasenbergl durch seine Arbeit kennt. Vielleicht lernt auch er den Stadtteil von einer ganz neuen Seite kennen. Carsten Clever-Rott





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