Es war ein Kulturschock für die Münchner: Aus dem fernen Niedersachsen kam Hans-Jochen Vogel und begann als 34-Jähriger die Geschicke der Landeshauptstadt in die Hand zu nehmen.
1960 war das, und die beiden folgenden Jahrzehnte sollten zu einer Ära Vogel werden. Der SPD-Politiker gilt als der Mann, der den Aufstieg Münchens zur heimlichen Hauptstadt möglich machte. Vogel war es auch, der die Olympischen Spiele in das verschlafene Millionendorf München brachte und damit den Mythos der Weltstadt mit Herz mitbegründete.
Vogel ist gewiss nicht das einzige Münchner Stadtoberhaupt, dass das Gesicht der Stadt entscheidend veränderte und prägte. Wie vor ihm schon Thomas Wimmer und nach ihm etwa Georg Kronawitter oder Christian Ude, waren die Münchner OBs prägende Gesichter ihrer Epochen und mit ihnen Stadtplaner und Architekten. Wie sähe München heute aus, ohne die wegweisenden Entscheidungen eines Hans-Jochen Vogel oder seiner Amtskollegen?
Mit dieser Frage beschäftigt sich die am vergangenen Dienstag im Stadtmuseum angelaufene Veranstaltungsreihe München wie geplant passend zur gleichnamigen Ausstellung, die bereits seit rund drei Wochen im Stadtmuseum läuft. Anhand von Fotos, zeitgenössischen Modellen und Bildern wird auf eindrucksvolle Art und Weise die Stadtentwicklung Münchens von den Anfängen mit Heinrich des Löwen 1158 bis heute gezeigt. Und auch ein kurzer Blick in die Zukunft bietet die vom Planungsreferat durchgeführte Ausstellung.
Spannende Einblicke in die Münchner Geschichte also. Vogel erklärte den Gästen bei der ersten Veranstaltung etwa, was es für ein Kraftakt war, um die S-Bahn in ihrer jetzigen Form bauen zu können: Etliche Diskussionen mit Bund, Bahn und Freistaat waren nötig, bis sich die Stadt durchsetzen konnte.
Ganz anders verlief dagegen die Olympia-Bewerbung. Nur rund acht Wochen habe die Stadt damals Zeit gehabt, um die Bewerbung fertig zu formulieren. Noch heute sei Vogel stolz, dass die Presse damals total überrascht war von der Entscheidung des IOC, München die Olympischen Spiele zu geben. Und noch mehr richtungsweisende Bauleistungen entstammen der Ära Vogel: Das Hasenbergl etwa, oder Neuperlach und die Fußgängerzone in der Innenstadt.
Wer noch mehr wissen will über die Planungen seiner Stadt, hat dazu Gelegenheit bei den drei folgenden Diskussionen: Am 29. Juni werden der ehemalige Baudirektor Rudolf Falter und ein damaliger Kritiker der Stadtplanung, Karl Klühspies, über Stadt und Verkehr diskutieren. Am 6. Juli wird es um Bürgerfrust-Bürgerlust gehen. Und schließlich, am 20. Juli, wollen sich Stadtplaner und alle Interessierten eine aktuelle Diskussion aufgreifen: Der Bau von Hochhäusern, der in den kommenden Jahren das Gesicht Münchens sicherlich wieder verändern wird.