Mindestens drei Gründe machen München zur beinahe wichtigsten Stadt des Kontinents. Neben dem FC Bayern und dem Oktoberfest, trägt das Europäische Patentamt zum Weltstadtflair bei. An dieser Stelle sollen künftig auch Patente für Softwareprogramme und mathematische Formeln erteilt werden, so will es zumindest die Europäische Kommission.
Mitte Mai steht in Brüssel dazu eine neue Entscheidungsrunde an, den Termin sehen viele Programmierer und Computerspezialisten in ganz Europa mit Sorge. So befürchten sie, dass es nicht mehr möglich sein wird, neue Programme auf bekannten Quelltexten aufzubauen, ohne dafür Lizenzgebühren zu zahlen. Die Situation ist fast vergleichbar, als wenn etwa das Rad patentiert wäre. Technische Entwicklung wäre dann faktisch nicht mehr möglich, beschreibt der Münchner Ingenieur Uli Sommer die Situation.
Aus diesem Grund veranstalten er und weitere Mitstreiter am kommenden Mittwoch eine Demonstration vor dem Europäischen Patentamt (17 Uhr, Erhardtstraße 27). Im Anschluss daran kommt es ab 19 Uhr in der Seidlvilla (Nikolaiplatz 1b) zu einem Schlagabtausch zwischen Gegnern und Befürwortern einer Softwarepatentierung. Teilnehmen werden unter anderem die Landtagsabgeordnete Monica Lochner-Fischer (SPD) und Gregory Blepp, Vizepräsident des Sofwarekonzerns SCO.
Nach Ansicht von Experten sind schon in den letzten Jahren mehrere tausend Logikmodelle und Softwareideen zu Unrecht patentiert worden. Die Gesetzgebung jedenfalls sieht im Moment keine Patentierung von Softwareprogrammen vor. Profitieren von diesen und kommenden Patenten und Lizenzeinnahmen würden vor allem Großkonzerne, klagt der Münchner Förderverein für eine Freie Informationelle Infrastruktur e.V.. Softwareinnovationen wie Linux würden dagegen unmöglich.
Dieses kostenlose Betriebssystem beinhaltet abertausende Formeln wird seit vielen Jahren von verschiedenen freiwilligen Programmierern in der ganzen Welt entwickelt und optimiert und auch von der Stadt München oder auch von den Münchner Wochenanzeigern eingesetzt.
Nicht nur der Münchner Stadtkämmerer hofft also, dass die Beamten im Patentamt genauso einen Blick auf die Straße werfen werden, wie die Politiker in Brüssel.
Von Maximilian Hägler