Erinnerung auf Augenhöhe

München · Stadtrat gibt grünes Licht für Erinnerungstafeln und Stelen

Auf Augenhöhe soll an die Todesopfer des NS-Regimes erinnert werden. 	Foto: stauss processform, Prof. Kilian Stauss

Auf Augenhöhe soll an die Todesopfer des NS-Regimes erinnert werden. Foto: stauss processform, Prof. Kilian Stauss

München · Der Kulturausschuss des Münchner Stadtrats hat am 26. Oktober nun über die Gestaltung der Erinnerungstafeln für die Todesopfer des NS-Regimes an Hauswänden und alternativ auf Stelen im öffentlichen Raum vorberaten.

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Vorangegangen war ein Wettbewerb, den das städtische Kulturreferat durchgeführt hatte. Eine Jury hatte sich für den Entwurf des Gestalters Kilian Stauss ausgesprochen. Er sieht Schildflächen aus vergoldetem Edelstahlblech vor, die etwa 12 auf 12 Zentimeter groß sind und auf einer Edelstahlunterkonstruktion angebracht sind. Sie können an Wänden und an Stelen angebracht werden. Auch die Kombination mehrerer Tafeln ist denkbar. Neben biografischen Daten der Todesopfer können optional auf Wunsch von Angehörigen auch Portraits als gerasterte Bildelemente angebracht werden. Der Kulturausschuss empfiehlt der Vollversammlung am 23. November, der Vorauswahl der Jury zu folgen und die Tafeln umzusetzen.

Seit vielen Jahren beschäftigt sich der Münchner Stadtrat mit zeitgemäßen Formen des Erinnerns und Gedenkens. Insbesondere der Umgang mit der NS-Vergangenheit und mit den Opfern des nationalsozialistischen Terrorregimes ist in diesem Zusammenhang Thema. Der Stadtrat hatte sich nach kontroversen öffentlichen Diskussionen gegen das Projekt „Stolpersteine“ des Künstlers Gunter Demnig auf öffentlichem Grund entschieden. Am 29. Juli 2015 hat der Stadtrat den Auftrag erteilt, stattdessen Erinnerungstafeln für das individuelle Erinnern an die Todesopfer des Nationalsozialismus entwerfen zu lassen. Vorgabe war es, dass diese Tafeln an Hauswänden oder auf Stelen auf Augenhöhe der Passanten platziert werden.

Wenn der Stadtrat in seiner Vollversammlung am 23. November endgültig entschieden hat, geht die Zuständigkeit für das weitere Verfahren auf die Koordinierungsstelle im Stadtarchiv über, die seit Januar 2017 besteht. Zwei Fachhistoriker sind dann die erste Anlaufstelle für Angehörige, Verbände und andere Initiatoren für Erinnerungstafeln, unterstützen sie bei ihren Recherchen zu den einzelnen NS-Todesopfern, holen die behördlichen Einzelgenehmigungen für die Stelen im öffentlichen Raum ein, beauftragen die Herstellung des jeweiligen Gedenkelements und sorgen auch für die angemessene Pflege der Erinnerungszeichen.

In der ersten Umsetzungsphase bis Ende 2020 hat die Stadt München 150.000 Euro Sachmittel für ca. 100 Tafeln und 100 Stelen eingeplant. Auch eine private (Teil-) Finanzierung von Tafeln oder Stelen ist möglich.

Artikel vom 11.11.2017
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