Der kleine Unterschied

Heimatforscher deckt auf: Hallbergmoos zwei Jahre älter als angenommen

Der Beweis: Schon am 21. Mai 1828 wurde Hallbergmoos urkundlich erwähnt (rot umrandet). Dies müsse der Geburtstag des Ortes sein, fordert Heimatforscher Karl-Heinz Zenker.	   Foto: Karl-Heinz Zenker (bearbeitet)

Der Beweis: Schon am 21. Mai 1828 wurde Hallbergmoos urkundlich erwähnt (rot umrandet). Dies müsse der Geburtstag des Ortes sein, fordert Heimatforscher Karl-Heinz Zenker. Foto: Karl-Heinz Zenker (bearbeitet)

Hallbergmoos · Klar, mit Ismaning oder Pliening kann Hallbergmoos nicht mithalten: Beide Gemeinden haben vor gar nicht langer Zeit ihren 1200. Geburtstag gefeiert. Hallbergmoos, eine junge Siedlung im Erdinger Moos, hat über tausend Jahre weniger auf dem Buckel.

> Der Text der Urkunde

Aber immerhin: Seinen 200. Geburtstag dürfte der Ort zwei Jahre früher begehen als bisher angenommen. Das hat jetzt der Hallbergmooser Heimatforscher Karl-Heinz Zenker herausgefunden.

»Hallbergmoos wurde bereits 1828 gegründet«, verkündet Zenker in einem Schreiben an die Lokalpresse. Mit angehängt: Das Abbild einer Urkunde in Sütterlinschrift (Text siehe Kasten). Darin befiehlt Bayerns König Ludwig I., ein neu gegründetes Dorf nach dem Freiherren Theodor von Hallberg-Broich zu benennen. Der Name »Hallbergmoos« wird hier zum ersten Mal genannt. Unterschrieben ist die Urkunde am 21. Mai 1828.

»Damit verfügt die Gemeinde praktisch über ihre Geburtsurkunde«, erklärt Zenker. Schon vor rund drei Jahren habe er dem Hallbergmooser Bürgermeister Harald Reents das Dokument vorgelegt. Die Gemeinde reagierte nicht, Zenker forschte intensiv weiter, vor allem in einer Biografie des Freiherren. Als Hallbergmooser »Geburtsjahr« gilt bisher 1830 – damals kamen die ersten Siedler in den Ort. Dieser habe aber schon vorher bestanden, meint Zenker: »Zudem wird in allen mir bekannten Fällen die erstmalige Erwähnung eines Ortes als Gründungsjahr angesehen.« Das wäre 1828. Dafür spreche auch die Prägung auf einer Gedenkmünze: »Dem König Ludwig die Kolonie Hallberg 1828«. Nicht zuletzt schreibt Pfarrer Schnell in seiner Chronik 1829, dass »die Kolonie erst einige Monate alt war und kaum zwölf Individuen zählte«.

Seine Forschungsergebnisse legte Karl-Heinz Zenker drei Historikern vor, die seine Einschätzung alle bestätigt haben. Hallbergmoos darf seine Geschichte umschreiben – und im kommenden Jahr den 190. Geburtstag feiern. bs


Der Text der Urkunde
Nachdem seine Majestät der König unterm 11. d. M. die von Freiherrn von Hallberg beabsichtete Ansiedlung, mit Beschränkung derselben auf die zum Gute Birkeneck wirklich gehörigen oder auf weiter dazu westlich zu ermessenden Gründe, so wie die Verbriefung der hierzu herzustellenden Gebäude, letztens jedoch unter Aufsicht des Landgerichts, nicht des Magistrats zu Freising, allerhöchst und mit dem Beifügen zu genehmigen geruht, daß diese Ansiedlung zur Erinnerung an die wohltätigen Gesinnung des Freiherrn von Hallberg den Namen Hallbergmoos erhalten, die beantragte besondere Benennung der einzelnen Häuser u. s. w. aber nicht eingeführt werden solle, so wird die k. Regierung des Isarkreises, welchen im Anschluße den vorgelegten Plan samt Kosten Benahmung und Zeichnungen zur Zurückstellung mitgetheilt wird, angewiesen, hierauf unverweilt sowohl das k. Landgericht Freising als den genannten Freiherrn von Hallberg in Kenntnis zu setzen, übrigens diesem zugleich bemerklich zu machen, daß der Verlaufungslan selbst von der Bekanntmachung anher einzusenden sei.
Was die in seiner früheren, hierneben zurückfolgenden Vorstellung wiederholten Bitte des Freiherrn v. Hallberg wegen Bewilligung der Gewerbe und Ansiedlungsfreiheit betrifft, so wird lediglich auf die Entschließung vom 1. Dez v. J. hingewiesen
München am 21. Mai 1828

Auf Seiner königlichen Majestät allerhöchsten Befehl

Artikel vom 08.11.2017
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