Der erste Schritt in die richtige Richtung ist gemacht

Die Gemeinden Aschau und Sachrang setzen als Bergsteigerdörfer auf Entschleunigung

Bürgermeister Sepp Lofer unterzeichnete mit den Ministerinnen Ilse Aigner, Ulrike Scharf und Bürgermeister Peter Solnar (v. li.) die Deklaration der Bergsteigerdörfer.	Foto: Stefan Dohl

Bürgermeister Sepp Lofer unterzeichnete mit den Ministerinnen Ilse Aigner, Ulrike Scharf und Bürgermeister Peter Solnar (v. li.) die Deklaration der Bergsteigerdörfer. Foto: Stefan Dohl

München · »Sachrang ist nicht nur ein Ort. Sachrang ist unser Leben, unsere Heimat, unser Zuhause, unser Dorf in der Vergangenheit, im Jetzt und in der Zukunft«, sagte Aschaus Bürgermeister Peter Solnar beim Festakt auf der Priener Hütte im Naturschutzgebiet Geigelstein zur Ernennung von Sachrang und Schleching zum Bergsteigerdorf.

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»Äußerlich sind beide Gemeinden Sachrang und Schleching vollkommen unterschiedlich«, ergänzte sein Schlechinger Kollege Sepp Loferer, »aber vielleicht passen wir gerade deshalb so gut zusammen«. Feierlich unterzeichneten die beiden Bürgermeister in Anwesenheit der Ministerinnen Ilse Aigner und Ulrike Scharf die Deklaration des Deutschen Alpenvereins (DAV). Damit sind die beiden Dörfer nach Ramsau das zweite und dritte Bergsteigerdorf in Deutschland. Kreuth strebt den Titel als nächste Gemeinde an. Mit der Einrichtung des Ökomodells Achental in Schleching 1996 und der Ausweitung auf das ganze Achental sowie des Bergbauernmodells in Sachrang mit seinen vielen Unterprojekten hätten beide Dörfer bereits wichtige Vorleistungen für das Zertifikat des Bergsteigerdorfes erbracht und die Kriterien damit erfüllt. »Wir erhalten diese Auszeichnung, weil wir authentisch sind«, weiß Solnar.

Hanspeter Mair, Geschäftsbereichsleiter Alpine Raumordnung des Deutschen Alpenvereins (DAV), führte als selbsternannter Hochzeitslader durch den Festakt. Es sei für ein Unterkunftshaus des DAV keineswegs selbstverständlich, dass an einem Tag zwei leibhaftige Ministerinnen, wie Wirtschaftsministerin Ilse Aigner und Umweltministerin Ulrike Scharf, ein halbes Dutzend Landtagsabgeordnete und über ein Dutzend Bürgermeister aus den Kreisen Rosenheim, Traunstein und aus dem benachbarten Tirol sowie die Mandatsträger der Bundesgeschäftsstelle des DAV und der Alpenvereins-Gruppierungen in Österreich und Slowenien anwesend seien.

Der Festakt erfordere jedoch geradezu die Anwesenheit hoher politischer Prominenz, werde doch heute ein wesentlicher Bestandteil der abstrakten Alpenstrategie in die konkrete Praxis umgesetzt. »Bergsteigerdörfer sind etwas zum Anfassen, das muss man nicht umständlich erklären«, so Mair.

Der Generalsekretär der Alpenkonvention Markus Reiterer aus Innsbruck wies darauf hin, dass die »beiden jüngsten Mitglieder im erlauchten Kreis der Bergsteigerdörfer Schleching und Sachrang« einmalig in der noch jungen Geschichte der Bergsteigerdörfer sind. Die beiden Orte hätten sich für eine gemeinsame Bewerbung entschieden, obwohl sie in benachbarten Tälern liegen und unterschiedlichen Landkreisen sowie Tourismusverbänden angehören.

Schleching und Sachrang setzten den Fokus damit nicht nur auf die eigene touristische Entwicklung, sondern auf die nachhaltige Entwicklung der gesamten Region. Eine große Gemeinsamkeit spielt bei der Bewerbung übrigens eine große Rolle: Zwischen beiden Gemeinden liegt der Geigelstein. In der Vergangenheit trennte dieser ebenso geschichtsträchtige wie beliebte Wanderberg Schleching und Sachrang. Unter dem Dach der Bergsteigerdörfer bringt er zwei unterschiedliche Täler das Achental und das Obere Priental zusammen. Mit Matsch in Südtirol, Jezersko in Slowenien und Kreuth in Oberbayern kämen bis 2018 drei Dörfer hinzu. Somit besteht das Netzwerk der Bergsteigerdörfer ab 2018 aus 26 Orten in vier Ländern.

Umweltministerin Ulrike Scharf freute sich für die beiden Gemeinden und ihre Bürger über ihre Aufnahme in den kleinen feinen Kreis der Bergsteigerdörfer: »Der Kreis der Bergsteigerdörfer ist aufgrund strikter Kriterien überschaubar und exklusiv. Beide Gemeinden haben es sich verdient, dass sie künftig zu diesem exklusiven Kreis gerechnet werden können.«

Wirtschaftsministerin Ilse Aigner betonte, die Menschen in der Region wüssten, was sie an der Natur haben. Aber nur die Landschaft sei ein Geschenk Gottes, alles darüber hinaus habe sich der Mensch hart erarbeiten müssen. Die Arbeit der Bergbauern und die Almwirtschaft seien trotz aller maschinellen Erleichterungen immer noch unvergleichbar hart und arbeitsintensiv gegenüber der Landwirtschaft in der Ebene.

Mit der Alpenstrategie versuche man von Seiten der Politik den Menschen langfristig und nachhaltig eine Zukunft in ihrer Heimat zu geben. Aigner: »Tourismus ist ein wichtiger Bestandteil dieser Zukunftsarbeit.« Als besondere Gabe brachte Aigner den neuen Bergsteigerdörfern jeweils einen Scheck über 30 000 Euro für Marketingmaßnahmen zur Stärkung des naturverträglichen Tourismus mit. reh

Artikel vom 26.07.2017
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