Ein Grund zum Feiern, wenn auch nicht für alle

25 Jahre im Erdinger Moos

Der Münchner Flughafen war der erste in Europa, auf dem das größte Verkehrsflugzeug der Welt, der Airbus A380, abgefertigt werden durfte. Das steht auch für eine Entwicklung hin zu immer größeren Maschinen. 	Foto: FMG (Friedel)

Der Münchner Flughafen war der erste in Europa, auf dem das größte Verkehrsflugzeug der Welt, der Airbus A380, abgefertigt werden durfte. Das steht auch für eine Entwicklung hin zu immer größeren Maschinen. Foto: FMG (Friedel)

Erding/Hallbergmoos · Es ist ein spröder Geburtstag: Vor 25 Jahren ging der Münchner Flughafen an den Start. Das wird gefeiert.

Am 17. Mai 1992 wurde der Flughafen »Franz Josef Strauß« im Erdinger Moos eröffnet, der Umzug von Riem hierher gilt heute noch als eine der ganz gewaltigen logistischen Meisterleistungen: 5.000 Menschen und 700 Lastwagen haben ihn damals vollbracht. Am nächsten Tag konnte mit dem gleichen Flugplan der Betrieb am neuen Flughafen beginnen. Kein einziger Ausfalltag war zu verzeichnen. Das fand weltweit Beachtung.

Aus dem Ersatz für Riem wurde ein Luftdrehkreuz, das zu den wichtigsten in Europa aufgestiegen ist. Heute taxiert die Flughafengesellschaft mit einer doppelt so großen Zahl von Starts und Landungen wie im Eröffnungsjahr, während sich die Passagierzahlen gegenüber dem Start vor 25 Jahren vervierfacht haben. Mehrere Ausbauschritte, vor allem das Terminal 2, das vor allem auf die Bedürfnisse von Umsteigern ausgerichtet ist, haben die Kapazitäten einer Mitteilung der FMG zufolge auf potenziell 50 Millionen pro Jahr anwachsen lassen.

Heute arbeiten 35.000 Menschen für 500 am Airport angesiedelte Unternehmen, was den Flughafen zu einer der größten Arbeitsstätten Bayerns macht. Und weiteres Wachstum ist ausdrücklich gewollt, und zwar vom FMG-Chef Michael Kerkloh wie von Finanz- und Heimatminister Markus Söder, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender: »Der Flughafen München braucht die dritte Start- und Landebahn.« Das ist genau der Punkt, der das Jubelfest zu einem umstrittenen Termin werden lässt: Die Politiker der Region sind sich mit wenigen Ausnahmen nämlich einig, dass noch mehr Konzentration in diesem Bereich die Region nicht nur nicht verträgt. Schon jetzt gehört Erding zu den zehn teuersten Städten der Republik, die Mieten in München selbst gelten als die höchsten Deutschlands.

Die Kommunen um den Airport herum profitieren zweifellos vom Jobmotor im Erdinger Moos, ächzen aber gleichzeitig unter dem Verkehr, denn die Infrastruktur ist nicht im gleichen Maße gewachsen wie der Flughafen. Und dann noch einmal mehr Fläche von der Größe des Tegernsees zubetonieren? Der Widerstand gegen das Projekt ist gewaltig, beharrlich, und bisher in wesentlichen Teilen erfolgreich, auch wenn die Prozesse allesamt verloren gingen. Die Stadt München beugt sich dem Bürgerentscheid von 2012, der eine Beteiligung der Stadt ablehnt. Ohne München geht nichts und das weiß auch die Staatsregierung.

Die örtlichen Landtagsabgeordneten sind quer durch alle Parteien gegen den Ausbau und die nackten Zahlen sprechen den Prognosen, die als Begründung herhalten müssen, Hohn. Heute werden fast zehn Prozent weniger Flugbewegungen abgefertigt als im Spitzenjahr 2008.

Die Fluggastzahlen steigen, die Zahl der Flugbewegungen aber steigt nicht so schnell mit. Grund: Die Maschinen werden immer größer. Dass in München der erste A380 abgefertigt werden durfte, hält die FMG sich zugute, aber genau damit argumentieren die Startbahngegner, die zudem mit einer weiteren Zahl aufwarten: Der Anteil der Umsteiger ist auf 36 Prozent gefallen. So wird der Flughafengeburtstag mit gemischten Gefühlen begangen.

Die Gegner der dritten Start- und Landebahn werden skeptisch sein, die Befürworter haben Grund zur Freude und vielleicht gibt es dazwischen einen Bereich, in dem sie alle zusammenkommen können, denn genauso wenig, wie alles gut ist, was mit dem Flughafen ins Erdinger Moos gekommen ist, ist auch nicht alles schlecht. kw

Artikel vom 12.05.2017
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